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In Chat-Gruppen wird oft mehr geteilt, als nur witzige Smileys. Pornos, Gewalt und rassistische Witze machen die Runde – und das ist strafbar, warnt die Polizei.

In Schüler-Chat-Gruppen und unter Jugendlichen wird immer häufiger kinder- und jugendpornografisches Material geteilt, hieß es schon im März in der Kriminalstatistik für 2019. In Heilbronn gab es am Mittwochvormittag eine Infoveranstaltung zu diesem Thema.

„Was da auf uns zurollt, ist eine Welle von Strafverfahren“, sagte Kriminalhauptkommissar Dieter Ackermann vom Heilbronner Haus des Jugendrechts. „Und es betrifft die ganze Gesellschaft, weil es in allen Schichten Kinder gibt.“

Ackermann schätzt, dass schon vier von fünf Kinder und Jugendliche Kontakt zu strafrechtlich relevanten Inhalten gehabt haben. In der Polizeilichen Kriminalstatistik steht, dass die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bei unter 21-Jährigen im vergangenen Jahr um fast 46 Prozent gestiegen ist. Es gibt mehr als 2.000 Tatverdächtige.

Verbreitung von Pornografie steigt enorm an

„Das liegt insbesondere an der enormen Zunahme von Fällen im Bereich der Verbreitung pornografischer Schriften sowie dem Verbreiten, Erwerb, Besitz und Herstellen von Kinderpornografie“, heißt es in der Statistik für 2019.

Das Verbreiten von Pornografie kann unter Umständen schnell gehen. Vor allem Kinder und Jugendliche hielten sich zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen oder auf anderen Plattformen auf, in denen bis zu 1.000 weitere Teilnehmer gleichzeitig seien, sagte Ackermann. „Stellt einer dieser Teilnehmer zum Beispiel ein kinderpornografisches Bild ein, verbreitet er dies im Sinne des Strafgesetzbuchs. Alle in der Gruppe sind dadurch im Besitz dieser Datei und machen sich ebenso strafbar.“

Illegale Dateien werden gerne geteilt

Auch beim Haus des Jugendrechts in Heilbronn häufen sich die Fälle, in denen Mitglieder von Chat-Gruppen illegale Dateien – oft auch ohne Aufforderung anderer Gruppenmitglieder – einstellen. Dabei gehe es oft um „gewaltverherrlichende, rassistische und volksverhetzende, porno- und kinderpornografische Bild- und Videodateien“, sagte ein Heilbronner Polizeisprecher vor einer Informationsveranstaltung in der Stadt.

Handys bei Kindern und Jugendlichen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Silas Stein/dpa)
Für Kinder und Jugendliche ist das Smartphone wichtig – nicht nur zum Spielen. picture alliance / Silas Stein/dpa

Auch LKA beobachtet Porno-Trend

Auch dem Landeskriminalamt in Baden-Württemberg fällt der Trend auf: „Generell merken wir, dass die Fälle zunehmen“, sagte ein LKA-Sprecher. Die meisten Jugendlichen wüssten gar nicht, dass sie sich strafbar machten. Das liege daran, dass sie über mangelndes Unrechtsbewusstsein verfügten, wenn es um Bildmaterial gehe. „Sie sehen das Opfer hinter dem Bild nicht, sondern nur die 'atemberaubende' Botschaft des Bildes an sich.“

Wie kann man Kinder und Jugendliche sensibilisieren?

Mit Aufklärung im Umgang mit Smartphones und den sozialen Netzwerken, sagt Markus Koths, Experte für Cybercrime beim Bundeskriminalamt. „Hier wäre zum Beispiel die Einführung von Medienkompetenz als Schulfach ein wichtiger Schritt“, forderte Koths schon im Februar. Auch die Eltern seien gefordert, das Nutzungsverhalten ihrer Kinder zu kennen und mit ihnen darüber frühzeitig zu reden.

Kinder müssen verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy lernen

„Das Problem ist nicht das Smartphone selbst, sondern dass Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang damit lernen müssen“, sagt auch der Kölner Medienrechtler Christian Solmecke. Auch online solle man sich so verhalten, wie man sich in der richtigen Welt verhalten würde. „Denn auch wenn es viele nicht mehr hören können, ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Es sollte dort also genauso wenig beleidigt werden wie von Angesicht zu Angesicht.“

Eltern müssen nicht für Kinder haften

Wenn ein Jugendlicher 14 wird, ist er strafrechtlich dafür verantwortlich, was er auf seinem Handy speichert, verschickt oder bekommt. Wer jünger als 14 ist, gilt laut Strafgesetzbuch als „schuldunfähig“ und kann darum nicht bestraft werden.

Außerdem gilt in Deutschland keine strafrechtliche „Haftung“ für die Taten anderer. Das bedeutet, dass Eltern nicht für Taten ihrer Kinder geradestehen müssen.

Das Problem: In WhatsApp-Gruppen ist die Schwelle zur Strafbarkeit bei kinder- oder jugendpornografischem Material schnell überschritten. „Nutzer sollten das Material tatsächlich nach Erhalt unverzüglich löschen“, rät Solmecke.

Versenden nicht grundsätzlich strafbar

Eine Gesetzeslücke beim Versenden einer solchen Datei bleibt: „Straffrei bleiben Nutzer, die die verbotenen Bilder in einem Privat-Chat bei WhatsApp an nur eine andere Person oder wenige, ihr bekannte Personen in geschlossenen WhatsApp-Gruppen schicken“, sagte Solmecke. Sie müssten dann aber davon ausgehen können, dass diese Personen das Bild nicht unkontrolliert weiter verbreiteten. „Wird das Bild jedoch in eine WhatsApp-Gruppe mit vielen Mitgliedern gesendet, kann je nach Größe der Gruppe schnell eine strafbare Verbreitung vorliegen“.

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