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Die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner tritt in einer Koch-Show auf – gesponsert von der Supermarktkette „Kaufland“. Das Ministerium will von dem Sponsoring nichts gewusst haben. Diesen erneuten (und nicht alleinigen) Tritt ins Fettnäpfen der Landwirtschaftsministerin kommentiert Korrespondentin Evi Seibert.

Was war geschehen?

Eine Koch-Show, unterstützt von „Kaufland“, mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). All das zudem ohne den durchs Coronavirus geforderten Mindestabstand zueinander und mit Hackfleisch der niedrigsten Haltungsklasse. Kritik und Spott aus dem Netz ließen da nicht lange auf sich warten.

Liebe @JuliaKloeckner, sehr beeindruckende Kochsendung grad mit Herrn #Lafer bei #BILD. Kurze Nachfrage, da der Spaß ja von @kaufland präsentiert wird: Könnten Sie klären, dass ich meine Treuepunkte noch einlösen kann? Hab das leider total verpeilt... 😬 Danke vorab! https://t.co/9tk25K8Msj

Julia #Klöckner und #Lafer kochen bei #BILD. Zwei Fremde. Ohne zwingenden Anlass. Ohne Mindestabstand. Essen dasselbe und fassen dasselbe an. Ihr sagt uns doch immer, wir sollen unnötige Kontakte vermeiden, liebe #Bundesregierung. Was soll das? #Corona #Coronakrise https://t.co/qTZ6zRko4n

Ministerium will von Sponsoring nichts gewusst haben

Günstig kochen für Familien und gegen Lebensmittelverschwendung, das war der Hintergrund der Aktion, heißt es aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Die Übertragung der Aktion lief auf bild.de.

Sonntag, 11 Uhr, kochen Johann Lafer und BMin @JuliaKloeckner mit Ihnen gemeinsam per Video 📺 auf https://t.co/0y3G3hwDPU: • Rucola-Salat m. gebackenem Ei • Gefüllte Frikadellen m. Kartoffelpüree u. Gemüse • Erdbeeren m. Apfelschaum #GutenAppetit und einen schönen Feiertag! https://t.co/FrZ8KZymUm

Das Problem: Das Ministerium will von dem Sponsoring durch die Supermarktkette nichts gewusst haben. Was die ganze Angelegenheit nicht besser, sondern eher schlimmer macht, kommentiert SWR-Hauptstadtkorrespondentin Evi Seibert:

Kommentar: Lernkurve bei Klöckner scheint nicht furchtbar steil zu sein

Es gibt die Volksweisheit: Wenn ein Kind auf eine heiße Herdplatte fasst und sich die Finger verbrennt, passt es beim nächsten Mal besser auf. Bei unserer Landwirtschaftsministerin scheint diese Lernkurve nicht so furchtbar steil zu sein.

Diesen Kommentar können Sie sich auch im Video ansehen:

Erst letztes Jahr gab es böse Schlagzeilen, weil Julia Klöckner sich fröhlich in einem Video mit dem Nestlé-Boss präsentierte und die Firma lobte. Der Vorwurf der Schleichwerbung wurde zwar zurückgenommen, aber die Negativ-PR beschäftigte das Landwirtschaftsministerium wochenlang.

Ist es klug, so eng zusammenzustehen?

Klug wäre daher – analog zur Herdplatte – jetzt Videos der Ministerin vorher abzuchecken, ob da nicht wieder Fettnäpfchen lauern. Zum Beispiel: Ist es klug, in diesen Corona-Zeiten öffentlich so eng zusammenzustehen mit Fernsehkoch Lafer – und das auch noch ohne Maske? Oder ist es schlau, im Video Billighackfleisch der niedersten Tierhaltungsstufe zu verwenden, wenn man als Ministerin immer darauf hinweist, auf das Tierwohl zu achten?

Die Gefahr der Schleichwerbung

Und vor allem besteht für das Ministerium wieder irgendwo die Gefahr der Schleichwerbung. Nun lacht sich die Netzgemeinde kaputt über das Foto mit Starkoch Lafer und Ministerin Klöckner unter der Überschrift „Präsentiert von Kaufland“.

Dass das Ministerium jetzt sagt: Davon haben wir nichts gewusst, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Wenn die Ministerin selbst schon kein so gutes Gespür für Fettnäpfchen hat, dann muss halt ihr Ministerium besonders penibel bei der Vorbereitung sein. Also quasi für Julia einen Kinderschutz vor der Herdplatte einrichten.

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