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Im Osten des Kongo ist der Vulkan Nyiragongo ausgebrochen. Tausende Bewohner flüchteten am Samstagabend aus der Millionenstadt Goma vor dem Lavastrom. Dieser scheint vorerst gestoppt, doch die Angst bleibt.

Fast 20 Jahre hatten die Bewohner der Großstadt Goma im Osten des Kongos Ruhe vor dem „Nyiragongo“. Doch der Vulkan hat am Samstag gegen 19 Uhr wieder angefangen, Feuer zu spucken. Eine riesiger Lavastrom wälzte sich durch Teile des Nationalparks – dort wo die letzten Berggorillas leben. Noch schlimmer: Ein Teil der Lavawalze hat auch Goma direkt bedroht. Zwei Millionen Menschen leben in der Stadt, keine 20 Kilometer vom Vulkan entfernt. Die Lava hat aber kurz vor der Stadt Halt gemacht und die Gefahr scheint vorerst gebannt. Doch die Lage bleibt weiter angespannt.

Ein Mann versucht eine brennende Wellblechhütte zu löschen. Es ist wegen des Ausbruchs des Vulkans Nyiragongo im Osten des Kongos in Flammen geraten. (Foto: Reuters)
Ein Mann versucht eine brennende Wellblechhütte zu löschen. Es ist wegen des Ausbruchs des Vulkans Nyiragongo im Osten des Kongos in Flammen geraten.

Mindestens 15 Tote und mehr als 170 vermisste Kinder

Unter den Einwohnern brach Samstagnacht Panik aus. Tausende verließen ihre Häuser. Sie flüchteten in Richtung der nahen Grenze zu Ruanda. In dem Chaos sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. So sind in dem Dorf Bugamba wurden mindestens zehn Menschen gestorben, wie Bürger berichteten. Mindestens fünf Menschen seien nach Behördenangaben bei einem Verkehrsunfall mit einem Lastwagen ums Leben gekommen, als sie versuchten, die Millionenstadt Goma zu verlassen.

Mehr als 170 Kinder gelten nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef als vermisst. Weitere 150 seien auf der Flucht von Ihren Eltern getrennt wurden.

Tausende Menschen aus Goma auf der Flucht nach Ruanda

Rund 5.000 Menschen flohen Samstagnacht aus Goma über die Grenze nach Ruanda und 25.000 in die Stadt Sake, wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen mitteilte. Die Behörden des Nachbarlands öffneten nach anfänglichem Zögern die Grenze und ließen die Menschen passieren, berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur.

Tausende Menschen wollen aus der Großstadt Goma im Osten des Kongo flüchten. Dort ist der Vulkan Nyiragongo ausgebrochen. Eine Lavawalze bedroht die Stadt mit zwei Millionen Einwohnern. (Foto: Reuters)
Tausende Menschen wollen aus der Großstadt Goma in Richtung Ruanda flüchten.

Im Zentralgefängnis von Goma hatte es Unruhen gegeben, da Häftlinge nach dem Vulkanausbruch offenkundig um ihr Leben fürchteten. Aus dem Gebäudekomplex waren mehrfach Schüsse zu hören, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Berggorillas im Nationalpark sind wohl in Sicherheit

Es gibt jedoch auch zwei gute Nachrichten: Die seltenen Berggorillas im Nationalpark seien nicht bedroht. Außerdem konnten vier Touristen, die auf der Bergspitze des Nyiragongo festsaßen, am Montagmorgen von einem Team des Nationalen Instituts für Naturschutz ins Tal begleitet. Von dort wurden sie nach Goma ausgeflogen.

Lava des Nyiragongo scheint vorerst gestoppt

Im Laufe der Nacht war die Lava bis kurz vor den internationalen Flughafen geflossen. Wie es scheint, ist die Gefahr nun aber vorerst gebannt: Reporter berichten, dass die Lava nicht weiter fließt. Ein Teil der Menschen ist sogar wieder in ihre Häuser zurück gekehrt.

Anwohner überprüfen in den frühen Morgenstunden die Schäden, die durch die Lava des Mount Nyiragongo verursacht wurden. Ein Teil des Lavastroms des am 22.05.2021 ausgebrochenen Vulkans Mount Nyiragongohatte sich in Richtung Goma gewälzt. Der Lavastrom habe gestoppt, kurz bevor er die Großstadt Goma erreichte. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AP | Justin Kabumba)
Anwohner überprüfen in den frühen Morgenstunden die Schäden, die durch die Lava des Mount Nyiragongo verursacht wurden. picture alliance/dpa/AP | Justin Kabumba

Weitere Erdstöße? Lage in Goma bleibt angespannt

In Goma bleibt herrscht aber nachwievor die Angst. So bleiben beispielsweise die Schulen auf unbestimmte Zeit geschlossen, ordnete der zuständige Gouverneur Ndima Constant nach einer Krisensitzung in der Nacht zu Montag an. Er reagierte damit auf Berichte über weitere Erdstöße in der Region, die die Furcht vor weiteren Lavaströmen nähren.

2002 hatte Nyiragongo große Teile von Goma zerstört

Die Menschen in Goma kennen die Gefahr, die von „Nyiragongo“ ausgeht. Erst 2002 war der Vulkan ausgebrochen und hatte fast den gesamten östlichen Teil der Stadt mit Lava bedeckt. darunter auch die Hälfte der Landebahn des Flughafens. Rund 250 Menschen sind damals gestorben, 120.000 weitere machte der Ausbruch obdachlos.

Die bisher folgenschwerste Eruption des Nyiragongo ereignete sich 1977, damals starben mehr als 600 Menschen. In der Region an der Grenze zu Ruanda und Uganda gibt es insgesamt sechs über 3.000 Meter hohe Vulkane.

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Radionachrichten 22. Oktober, 08:29 Uhr - SWR3 Nachrichten

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