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Mailine (Foto: Viktoria Merkulova)

Der sogenannte Lockdown geht weiter. Bis zum 7. März sind außer den Öffnungen von Kitas, Grundschulen und Friseursalons keine Lockerungen in Sicht. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten.

Der Plan, wie es in den nächsten Wochen in Deutschland mit der Corona-Pandemie weiter gehen soll, steht. Die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Bundesländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) streben eine Inzidenz von unter 35 an. Um das zu realisieren, wurden deshalb auch viele Corona-Maßnahmen verlängert. Gelockert wurde nur bei den Öffnungen der Kitas und Grundschulen sowie Friseursalons.

Die Reaktionen auf den verlängerten Lockdown einerseits und Lockerungen bei Schulen, Kitas und Friseurbetrieben andererseits: sehr unterschiedlich.

Kita- und Schulöffnungen: Sinnvoll oder verfrüht?

Die Kita- und Schulöffnung ist wohl mit der größte „Streitpunkt“ nach der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch. Viele Eltern sind froh über die Öffnungen, auch Bildungsministerin Franziska Giffey (SPD) ist zufrieden, schreibt sie auf Instagram:

Anderen gehen die Öffnungen allerdings nicht weit genug oder halten sie generell für verfrüht.

Opposition: „Viele Kinder und Jugendlichen bleiben weiter auf der Strecke“

Die Oppositionsfraktionen im rheinland-pfälzischen Landtag haben unterschiedliche Meinungen zu den geplanten Schulöffnungen:

Die CDU-Abgeordnete Anke Beilstein begrüßte die Entscheidung. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) müsse nun alle notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit ein sicherer Unterricht möglich sei, so Beilstein. Außerdem müsse das Land die Digitalisierung der Schulen vorantreiben.

AfD-Landeschef Michael Frisch kritisierte: Auch wenn die Öffnungsschritte zu begrüßen seien, sei nicht zu leugnen, dass viele Kinder und Jugendliche vorerst weiter auf der Strecke blieben. Alle Schulen sollten seiner Meinung nach geöffnet werden.

„Infektiologisch gesehen nicht gut“

Virologe Friedemann Weber sagte der Deutschen Presse-Agentur, er kann die frühen Lockerungen an Schulen aus gesellschaftlicher Sicht verstehen, aber sie seien „infektiologisch gesehen nicht gut“.

Was halten ihr von den Schulöffnungen?

Was denkt ihr über die Maßnahmen?Posted by SWR3 on Thursday, February 11, 2021

Keine Perspektive für den Einzelhandel

Es ist gestern keine Öffnungs-, sondern eine Schließungsstrategie verabschiedet worden.

Hauptgeschäftsführer Stefan Genth vom Einzelhandelsverband HDE

Ein weiterer Monat „Lockdown“ und Öffnungen nur, wenn eine stabile Inzidenz von unter 50 erreicht wird – da ist die Kritik des Einzelhandels zu den Vorgaben von Bund und Ländern vorprogrammiert:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Einzelhandelsverband übt scharfe Kritik an Lockdown-Beschluss

Dauer

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, hat sich auch zum verlängerten Lockdown geäußert: Es sei zwar ein richtiger Schritt, keine vorschnellen Lockerungen zu machen, aber:

Bund und Länder haben es erneut versäumt, eine klare Perspektive für ein bundeseinheitliches Vorgehen in der Pandemiebekämpfung und der stufenweisen Öffnung der Wirtschaft aufzuzeigen. Die deutsche Industrie benötigt einen verlässlichen Fahrplan mit einheitlich anwendbaren Kriterien für eine sichere und faire Öffnung der Wirtschaft, wo immer dies epidemiologisch verantwortbar ist.

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie

Kritisiert werden nicht nur die Schließungen, sondern auch die schleppende Umsetzung von Corona-Hilfen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt nennt das Vorgehen der Bundesregierung bei den Wirtschaftshilfen für Gewerbetreibende sogar ein „riesiges Versagen der Bundesregierung“.

Diese Kritik ist bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) inzwischen angekommen. Er lädt – nach massiver Kritik – am Dienstag Verbände zu einem „Wirtschaftsgipfel“ ein. Mit mehr als 40 Verbänden will Altmaier über die aktuelle Lage der Wirtschaft, die Beschlüsse von Bund und Ländern, die Wirtschaftshilfen und mögliche Öffnungsperspektiven sprechen.

Friseure dürfen öffnen – ist das fair?

Großes Aufatmen bei den Friseuren: Der Landesverband der Friseure im Rheinland ist froh über den Beschluss zur Öffnung der Betriebe zum 1. März. Es gebe den Betrieben und ihren Beschäftigten nach zehn Wochen Schließung „endlich wieder Sicherheit und eine Zukunftsperspektive“, erklärte der Landesverband Friseure & Kosmetik Rheinland.

Auch wenn Friseure erleichtert sind, viele können die Entscheidung, ausgerechnet die Friseursalons zu öffnen, nicht nachvollziehen:

@Cyclopentadien Und nicht zu vergessen die Friseure. Die konnten natürlich unmöglich bis zum 07.03.2021 warten. Nein, die müssen unbedingt zum 01.03.2021 wieder öffen. Aber OHNE mich! Und das obwohl ich normalerweise alle 3 Woche einen Termin habe! 😡

Warum haben die Friseure so einen hohen Stellenwert? Hier wo der Kontakt sehr nah ist und wo viel mit dem Fön Aerosole verteilt werden. Verstehe ich mich warum das so wichtig!?! Braucht man das so sehr? #CoronaGipfel

Natürlich ist es enorm wichtig, dass die Friseure vor den Museen öffnen, wie soll ich sonst die Kunst genießen können, wenn ich sie hinter meinem langen Pony nicht sehe? *Sicherheitshalber: Ironie off.

Reaktionen wie diese, gibt es viele. Aber dann gibt es auch noch die, denen eigentlich alles egal ist:

Kann mich als glatzköpfiger Norddeutscher einfach nicht entscheiden, was mich gerade mehr euphorisiert: Die Öffnung der #Friseure oder der Karnevalsbeginn.

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