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Die Linke hat den Vorschlag aus dem Wirtschaftsministerium zu einer Rente mit 68 scharf kritisiert. Der DGB warnt vor Kürzungen in Folge einer Rentenreform.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) müsse das entsprechende Gutachten seiner Berater „sofort kassieren“, forderte Linken-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow, „sonst beginnt morgen der Rentenwahlkampf.“ Zum Reformvorschlag selbst sagte sie: „Das ist der asoziale Oberhammer.“

Ihre Partei werde „mit Zähnen und Klauen die Rechte der Rentnerinnen und Rentner verteidigen“. Notwendig wäre eine klare Rentengarantie, die Rentenkürzungen als Folge der Corona-Pandemie verbindlich ausschließe, so Hennig-Wellsow.

Die junge Generation könnte die Corona-Krise in der Rente spüren

Scholz: Mit mir keine Erhöhung des Renteneintrittsalters

Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sprach sich gegen eine Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 68 Jahre aus. Das Bundeswirtschaftsministerium entwerfe ein Horrorszenario, für das es keinen Anlass gebe, sagte er in Berlin. „Ich stehe dafür, dass wir keine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters, des gesetzlichen, diskutieren“, so der Bundesfinanzminister.

DGB-Kritik: Arbeitgeber sollen entlastet werden

Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt den Vorschlag zur Reform der gesetzichen Rentenversicherung ebenfalls ab. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium wolle „Renten drastisch kürzen, Sozialstaat abbauen und Alterssicherung privatisieren; all das, um Arbeitgeber massiv zu entlasten“.

Die Gewerkschafterin kritisierte außerdem, Altersgrenzen jährlich um gut einen Monat anzuheben bedeute für Jüngere: „Mehr einzahlen und weniger rausbekommen.“ Auch würde nach den Worten von Piel die Zahl der Arbeitslosen und Kranken vor Renteneintritt steigen, weil viele gar nicht länger arbeiten könnten.

Statt bei der Rente fallen die Kosten dann bloß an anderer Stelle im Sozialsystem an.

Wirtschaftsberater empfehlen Rente mit 68

Ein Beratergremium des Wirtschaftsministeriums hatte zuvor in einem Gutachten eine Rente mit 68 empfohlen. Das Renteneintrittsalter könne nicht langfristig von der Entwicklung der Lebenserwartung abgekoppelt werden, betonten die Expertinnen und Experten. Wegen der bevorstehenden Verrentung der Menschen aus den Babyboomer-Jahren steuere die Rente auf „schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025 zu“, prognostizieren die Experten.

Folge der Corona-Krise: „Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt ist alarmierend“

Der Expertenrat hatte angeführt, das Verhältnis der in Arbeit und in Rente verbrachten Lebenszeit solle konstant bleiben.Gemäß aktueller Prognosen würde demnach das Rentenalter im Jahr 2042 auf 68 Jahre ansteigen. Sollte die Lebenserwartung abnehmen, könnte auch das Rentenalter wieder sinken.

Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

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