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Christian Kreutzer
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Nach fast drei Monaten ist der Vulkan auf der Kanareninsel La Palma zur Ruhe gekommen. Die Behörden haben den Ausbruch offiziell als beendet erklärt.

Es ist ungewohnt ruhig geworden am Cumbre-Vieja-Gebirgszug auf der Kanareninsel La Palma. Kein Zischen, kein Fauchen, keine Lavafontänen mehr. „Die Eruption hat 85 Tage und 18 Stunden gedauert“, sagte Julio Pérez von den Behörden auf La Palma. Seit dem 13. Dezember habe es „keine Lava, keine bedeutenden Gasemissionen und keine erheblichen seismischen Erschütterungen“ mehr gegeben.

Die Behörden auf der spanischen Insel haben den Ausbruch des Kanaren-Vulkans offiziell für beendet erklärt. Dass der Ausbruch nach so langer Zeit jetzt tatsächlich vorbei sein soll, können viele Menschen auf La Palma aber noch gar nicht glauben. „Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich vorbei ist“, sagte Jacqueline Rehm.

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Sie traut dem Vulkan überhaupt nicht. Die 49-jährige Deutsche hatte sich mit ihrem Mann aus ihrem gemieteten Haus im Dorf Todoque auf ihr kleines Segelboot gerettet. Jetzt will das Paar auf die Nachbarinsel Teneriffa umziehen.

Vulkanausbruch auf La Palma nach drei Monaten als beendet erklärt

Am 19. September 2021 war der Vulkan im Cumbre-Vieja-Gebirge zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren wieder ausgebrochen. Seitdem sorgte der Vulkan fast täglich für spektakuläre Bilder. Besonders beeindruckend: Viele Swimmingpools, die der Lava in die Quere kamen, sind einfach verdampft. Diese unglaublichen Bilder hat eine Drohne festgehalten.

Der Ausbruch 2021 war auch gleichzeitig der längste Ausbruch eines Vulkans auf La Palma. Der bisher längste Ausbruch liegt schon fast 500 Jahre zurück: 1585 galt die Eruption des Tehuya mit 84 Tagen als der längste Ausbruch auf der Atlantikinsel vor der Westküste Afrikas.

Experte: Vulkan kann jederzeit wieder ausbrechen

Vulkanexperte Miguel Ángel Morcuende teilte mit, der immer noch namenlose Vulkan bleibe unberechenbar und könne plötzlich wieder zu neuem Leben erwachen. Außerdem seien die immer noch austretenden Gase gefährlich, sagte der Sprecher des Notfallkomitees Pevolca.

Die mehr als 1.000 Grad heiße Lava hat seit Beginn des Ausbruchs im September mehr als 2.900 Wohnhäuser und Bauten unter sich begraben. Knapp 1.200 Hektar Land wurden mit einer meterdicken Lavaschicht bedeckt – das ist mehr als die Fläche des Tegernsees in Bayern.

La Palma: Schaden liegt bei fast einer Milliarde Euro

Mehr als 7.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Schäden durch den Vulkanausbruch auf La Palma werden auf mehr als 900 Millionen Euro geschätzt. Der staatliche Fernsehsender RTVE berichtete, dass die Menschen, die in ihre Häuser zurückkehren, um Asche weg zu fegen und wichtige Gegenstände zu holen, sollten mindestens 15 Minuten gut lüften.

Denn noch immer steigen aus der Gebirgskette giftige Gase und verteilen sich in der Gegend um den Vulkan. Von vielen Häusern schauen noch Teile aus der Lava, bewohnbar sind die Gebäude aber nicht mehr. Trotzdem wollen die ehemaligen Bewohner schauen, ob es noch irgendetwas zu retten gibt – Fotoalben, Wertsachen oder Andenken.

La Palma nach dem Vulkanausbruch: Jetzt geht's ans Aufräumen

Für den Wiederaufbau der zerstörten Gegend auf La Palma stellt die spanische Regierung mehr als 400 Millionen Euro in Aussicht. Aber viele Bewohner und Unternehmen klagen darüber, dass das Geld zu langsam ausgezahlt wird.

Viele Menschen auf La Palma leben vom Bananenanbau. Weil aber viele Straßen von der Lava begraben wurden, sind manche Plantagen nur noch vom Meer aus erreichbar. Manche sind aber auch komplett zerstört und die Menschen wissen nicht, wie es weitergehen soll.

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Radionachrichten 9. August, 21:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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