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Franziska Thees
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Katrin Stöver-Böhm
Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)

Der Gesundheitsminister will die Booster-Kampagne bis Mitte Februar abgeschlossen haben. Dafür fehlt es aber an Impfstoff. Er hat aber einen Plan, wie es doch noch klappen könnte.

Die Omikron-Variante des Coronavirus darf sich in Deutschland nicht so schnell verbreiten wie in England – das sagt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Um das zu erreichen, soll die Boosterkampagne das Hauptwerkzeug sein.

Um schnell zu boostern, müsse der Impfstoff aber auch schnell verfügbar sein – dabei hake es aber ein bisschen, sagte Lauterbach. Ziel sei es, im ersten Quartal 50 Millionen Booster-Dosen und 20 Millionen Erst- und Zweitimpfungen zu verimpfen. Dafür reiche die zugesagte Liefermenge aber nicht aus.

Lauterbach wäre es am liebsten, wenn das Impftempo von zurzeit bis zu 1,5 Millionen Dosen am Tag gehalten wird, dann könnte die Booster-Kampagne bis Anfang Februar abgeschlossen sein. Bis Ende März sei das bei der Omikron-Variante zu langsam.

Um schnell genügend Impfstoff zu bekommen, sei Lauterbach unter anderen mit der EU-Kommission in Gesprächen. Über die EU-Kommission will die Bundesregierung 80 Millionen Impfdosen von Biontech kaufen – ein Teil davon erwartet Lauterbach im ersten Quartal des neuen Jahres, den Rest im zweiten bis vierten Quartal. Moderna habe zugesagt, 35 Millionen Impfdosen vorgezogen zu liefern.

Wie sollen mehr Impfdosen beschafft werden?

Er arbeite bereits an einer Lösung und hoffe nun, in den kommenden Tagen eine positive Botschaft übermitteln zu können, sagte Lauterbach in der ARD.

Wir müssen hier Geschwindigkeit gewinnen, von daher bin ich auf mehreren Ebenen hier unterwegs schon seit dem Wochenende.

Der Minister erläuterte weiter, dass er über alle Kanäle, die ihm zur Verfügung stünden, versuche, eine schnelle Lösung zu finden. „Ich nutze auch die Kanäle, die wir direkt zu den Unternehmen haben“, so Lauterbach weiter.

SWR3-Berlin-Reporterin Angela Tesch erklärt, warum der Mangel so gefährlich ist und jetzt schnell behoben werden soll:

Eine Spritze vor einem Omicron-Schild (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire | Pavlo Gonchar)

Nachrichten Bundesregierung will Mill. Impfstoffdosen nachbestellen

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Wenig Impfstoff – was ist da schief gelaufen?

Schon am Dienstagabend sagte Lauterbach in den ARD-Tagesthemen: „In der Tat, wir haben zu wenig Impfstoff. Das hat viele überrascht – mich auch.“ Lauterbach hatte vergangene Woche angekündigt, sich einen Überblick über die vorrätigen Impfstoff-Mengen zu verschaffen. Das Ergebnis dieser Inventur ist nun, dass die Reserven und Bestellungen für eine schnelle Booster-Kampagne von Januar bis März nicht ausreichen. Dadurch könnte die Corona-Impfkampagne gewaltig ins Stocken geraten.

Lauterbach in den tagesthemen: "Wir haben zu wenig Impfstoff" https://t.co/UWs0qUeUzp #GMK #BoosterImpfung #Testpflicht

Warum fehlt jetzt Impfstoff?

Laut dem Spiegel hatte Lauterbach schon in einer Sitzung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern gesagt, dass von der Vorgängerregierung zu wenig Impfstoff beschafft worden sei. „Die Mengen reichen nicht, um die Booster-Impfkampagne zu fahren“, wurde der Minister zitiert. Dies gelte für das gesamte erste Quartal. Im Januar würden nur rund 1,2 Millionen Impfdosen von Biontech für Booster-Impfungen zur Verfügung stehen, hieß es. Dies sei etwa ein Sechstel der vorherigen Menge.

Baden-Württemberg

Wenig Impfstoff für erstes Quartal 2022 angekündigt Mangel an Corona-Impfstoff: Folgen für Baden-Württemberg noch nicht absehbar

Deutschland hat im ersten Quartal 2022 zu wenig Impfstoff. Das hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach angekündigt. Die Folgen für BW lassen sich jedoch noch nicht abschätzen.  mehr...

Die Union warf dem Gesundheitsminister vor, die Lage zu dramatisieren. „Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen –, obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt“, schrieb der gesundheitspolitische Sprecher Tino Sorge an seine Fraktionskollegen im Bundestag.

Ärztepräsident zu absehbarem Impfstoffmangel: „Bin etwas sprachlos“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich fassungslos über den im nächsten Jahr absehbaren Mangel an Corona-Impfstoff für die Auffrischungskampagne gezeigt.

Wenn man das hört, bleibt einem der Mund offen stehen. Ich bin etwas sprachlos angesichts der Nachricht.

Es sei völlig unvorstellbar, dass die Logistik in einem Land wie Deutschland nicht funktioniere.

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Radionachrichten 9. August, 21:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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