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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Es ist deutlich zu spüren: Der Einkauf von Nahrungsmitteln bewirkt inzwischen einen wesentlich leichteren Geldbeutel als noch vor einem Jahr. Die gestiegenen Preise sind aber nur teilweise erklärbar.

Heute muss man für einen Einkauf, der vor einem Jahr noch 100 Euro gekostet hätte, ganze 122 Euro hinblättern. Es fühlt sich an, als sei wirklich alles teurer geworden. Klar, die Energiepreise sind explodiert. Das haben die meisten von uns wohl selbst leidvoll erfahren müssen – und das gilt natürlich auch für Firmen und Unternehmen wie den Einzelhandel. Dazu kommen höhere Rohstoffkosten. Aber das allein rechtfertige die Preissteigerungen bei Lebensmitteln nicht in allen Fällen, meinen Experten des Kreditversicherers Allianz-Trade, die die Inflation beobachten.

Experte: Mehr als ein Drittel der Preissteigerungen ungerechtfertigt

Übermäßige Gewinnmitnahmen“ der Unternehmen – das ist der sperrige Begriff, der nach Ansicht von Allianz-Trade-Experte Andy Jobst spürbar zur Lebensmittelinflation im vergangenen Jahr beigetragen hat. Demnach könnten „mehr als ein Drittel des jüngsten Anstiegs der Lebensmittelpreise“ darauf zurückzuführen sein, dass große Lebensmittelkonzerne unter dem Deckmantel der Inflation ihre eigene Gewinnmarge steigern wollen.

Es scheint zunehmend Anzeichen für Gewinnmitnahmen zu geben sowie unzureichenden Wettbewerb in den Bereichen mit besonders starken Preissteigerungen, wie zum Beispiel bei Herstellern von Milchprodukten und Eiern, aber auch bei nicht-saisonalem Gemüse und Obst.

Mit dem „Hunger auf Profit“ der großen Einzelhändler hat sich Andreas Hain im SWR3 Topthema beschäftigt:

Verbraucherzentralen: Kartellamt sollte sich hohe Lebensmittelpreise anschauen

Die Verbraucherzentralen beobachten auch gut versteckte Preissteigerungen. Da bleibt der Preis dann zum Beispiel zwar gleich, aber die Packungsgröße wurde verkleinert. Und während wir Lebensmittel wie Milchprodukte oder Öle und deren Preise eher auf dem Schirm haben, seien die Preise von Produkten wie Eis am Stiel oder Schokolade zuletzt extrem nach oben gegangen, sagt Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale. Bei Stiel-Eis seien die Preiserhöhungen in die 60 Prozent gegangen.

Es brauche von der Politik Maßnahmen gegen versteckte Preisänderungen, fordert Valet, zum Beispiel durch eine Kennzeichnungspflicht. Zudem müsse sich auch das Bundeskartellamt mit den Preissteigerungen beschäftigen.

Butter, Käse und Kaffee wieder billiger

Der Butterpreis war zwischenzeitlich ordentlich in die Höhe geschnellt – und hat sich in den vergangenen Monaten wieder etwas beruhigt. Auch Kaffee ist wieder billiger geworden. Und am Montag haben Kaufland, Lidl und Norma beispielsweise die Preise für zahlreiche Käse-Artikel dauerhaft gesenkt. Als Grund gaben sie die niedrigeren Rohwarenpreise an.

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Nachrichten Das hat es mit dem Butterpreis auf sich

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Die SWR-Wirtschaftsredaktion klärt auf.

Es ist ein Hoffnungsschimmer – die Experten von Allianz-Trade machen aber noch keine Luftsprünge: Sie erwarten, dass Nahrungsmittel bei uns in diesem Jahr nochmal um mehr als zwölf Prozent teurer werden. Optimistischer blicken sie erst ins nächste Jahr – wobei sie da eher von einer Stagnation der Preise ausgehen: „Durchgesetzte Preiserhöhungen werden erfahrungsgemäß nur selten zurückgenommen.

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