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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Klimaaktivisten haben sich am Donnerstag am Boden des Berliner Flughafens festgeklebt. Das sorgt für viel Kritik – und für offene Fragen.

Straßen, Gemälde, Dirigentenpult – daran haben sich die Aktivisten der Letzten Generation schon festgeklebt. Am Donnerstag war es der Hauptstadtflughafen BER – deswegen wächst die Kritik.

Protestaktionen dieser Art sind vollkommen illegitim und können nicht länger einfach so hingenommen werden“, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai bei t-online. Es müsse die „volle Härte des Rechtsstaates“ greifen. Der Berliner FDP-Chef Sebastian Czaja nannte die Aktivisten „Klima-Kriminelle“.

Heute haben die Klima-Kriminellen eine weitere Eskalationsstufe gezündet, indem sie in den laufenden Betrieb des Flughafens BER eingegriffen haben. Ein solches Verhalten könnte leichtsinnig Menschenleben gefährden. Senat muss jetzt endlich konsequenter präventiv eingreifen.

CDU-Generalsekretär fordert Vorbeugehaft, Aufenthaltsverbote, Bußgelder

Sein Bruder, CDU-Generalsekretär Mario Czaja, schrieb auf Twitter: „Der Rechtsstaat kennt die nötigen Instrumente, um sich gegen solche Straftaten zu wehren. Sie müssen jetzt auch konsequent angewendet werden: Vorbeugehaft, Aufenthaltsverbote, Bußgelder.

Erneut wurden unter dem Deckmantel angeblichen Protests kriminelle Grenzen überschritten. Der Rechtsstaat kennt die Instrumente, um sich gegen solche Straftaten zu wehren. Sie müssen jetzt auch konsequent angewendet werden: Vorbeugehaft, Aufenthaltsverbote, Bußgelder. #BER 1/2

AfD-Partei- und Fraktionschef Tino Chrupalla forderte den Verfassungsschutz auf, im Fall der Letzten Generation aktiv zu werden. Nicht Meinungen, sondern Handlungen müssten für dessen Bewertung maßgeblich sein. „Die Sicherung kritischer Infrastruktur muss dabei oberste Priorität haben“, sagte Chrupalla.

SWR3-Reporter Dietrich Karl Mäurer fasst die Kritik an den Klimaprotesten zusammen:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Kritik an Klimaaktivisten nach Flughafen-Aktion

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SWR3-Reporter Dietrich Karl Mäurer fasst die Kritik an den Klimaaktivisten zusammen

Aktivisten besetzen Berliner Hauptstadtflughafen

Die Bundespolizei hat mitgeteilt, dass am Donnerstagnachmittag zwei Gruppen von Aktivisten auf das Gelände des BER eingedrungen sind. Einige hatten sich am Boden festgeklebt. Die Letzte Generation hatte auf Twitter geschrieben, dass einige Aktivisten mit Fahrrädern über das Gelände gefahren seien.

Aktuell blockieren Unterstützer:innen der Letzten Generation das Rollfeld des BER. Einige haben sich auf dem Asphalt festgeklebt, andere fahren mit Rad über den Rangierbereich und bringen so den Flugverkehr zum Erliegen. Vor dem Betreten des BER informierten sie die Polizei. https://t.co/c6UGVfPDI9

Die Folge der Aktion: Der Flughafen musste den Betrieb auf beiden Start- und Landebahnen einstellen. Fünf Starts fielen aus, 750 Passagiere waren laut Flughafen davon betroffen. Die Polizei nahm mehrere Demonstranten in Gewahrsam. Die Aktivisten bekommen Anzeigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.

Letzte Generation sorgt immer wieder für Aufsehen

Die Aktivisten hatten in den vergangenen Wochen immer wieder den Straßenverkehr blockiert, sich an Gemälden in Museen festgeklebt und in dieser Woche in der Hamburger Elbphilharmonie an einem Dirigentenpult.

Mit den Aktionen versuchen sie, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels zu lenken und Politiker zum Handeln aufzufordern. Allerdings lenken sie mit den Aktionen vom eigentlichen Ziel ab – stattdessen wächst die Kritik. In einer Umfrage haben 86 Prozent der Befragten gesagt, die Proteste seien kontraproduktiv.

SWR3-Hörer haben wenig Verständnis für Klima-Aktionen

Was wäre passiert, wenn in einem Flugzeug jemand auf sofortige medizinische Hilfe angewiesen wäre? Diese Frage hat SWR3-Hörer Carsten Biel gestellt – und er sagt: So eine Form der Proteste gehe überhaupt nicht.

Das ist ein gefährlicher Eingriff in den Luftraum. Es wurden Menschen unnötig in Gefahr gebracht. Dafür gibt es sogar Freiheitsstrafe und sollte auch so verurteilt werden.

Elisabeth aus Gottmadingen hat Verständnis für das Ziel der Aktionen – dass in Sachen Klima dringend etwas passieren müsse.

Allerdings finde ich, dass es immer nur gegen die Politiker geht. Die Gesellschaft muss dringend wachgerüttelt werden. Man kann auch freiwillig 130 fahren, auf Urlaub und Plastikmüll verzichten, zum Beispiel. Müssen wir immer warten, bis es Gesetze gibt? Bin mir unsicher, ob die Kleber zu radikal sind und somit den Trotz der Bevölkerung auf sich ziehen, oder ob sie wachrütteln…

Frank Ehrke schreibt, wer ohne triftigen Grund die Feuerwehr rufe oder vor einer Ausfahrt parke, müsse auch die Kosten zahlen.

Grund hin oder her – das ist nicht angemessen und sollte irgendwie Folgen für die Verursacher haben. Greta hat es mit einem Plakat geschafft, die Welt zu mobilisieren.

Susanne Main schreibt, sie finde es bewundernswert, wie sich die Aktivisten und Aktivistinnen der Letzten Generation einsetzten.

Traurig ist eher, dass es solche Mittel braucht, um gehört zu werden.

Ramona Löwer schreibt, die Proteste der Letzten Generation seien wichtig für Demokratie.

Aber das Recht des einzelnen endet dort, wo es die Freiheit des anderen einschränkt. Und die Sicherheit anderer zu riskieren, geht eigentlich gar nicht und schadet dem Umweltschutz mehr als er nützt. Weniger Egoismus hilft immer – auch der Umwelt!

Eva hat auch volles Verständnis für die Aktionen der Letzten Generation.

Ich persönlich würde mich nicht am Asphalt festkleben, aber es passiert in punkto Klimawandel definitiv zu wenig, zu langsam!

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

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