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Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)

Es klingt unglaublich: Eine neue Studie hat ergeben, dass Buntbarsche und Stachelrochen addieren und subtrahieren können. Zwar nur von Eins bis Fünf aber das ist ja schon mal eine reife Leistung für einen Fisch!

Bei kuriosen Meldungen am 1. April sind wir immer etwas vorsichtig – denn diese stellen sich auch mal wieder als Aprilscherz heraus. Und so klingt auch diese Schlagzeile. Doch die Studie kommt von der Uni Bonn und ist dort als Pressemitteilung zu lesen. In der Fachzeitschrift Scientific Reports ist sie bereits publiziert. Und schließlich bestätigt auch die Zoologin Vera Schlüssel, von der die Studie stammt, per Mail: Es ist kein Aprilscherz.

Also halten wir fest: Buntbarsche und Stachelrochen können rechnen – zumindest im Zahlenraum von Eins bis Fünf. Und nun dazu, wie man so etwas herausfindet:

Buntbarsche und Stachelrochen können addieren und subtrahieren

Die Bonner Zoologin hat beide Fischarten in ihrer Studie einfache Plus- und Minusaufgaben rechnen lassen. „Dabei mussten sie einen Ausgangswert um eins erhöhen oder vermindern“, erklärte Schlüssel. Dazu zeigte das Forscherteam den Fischen eine Ansammlung geometrischer Formen wie etwa vier Quadrate. Wenn diese blau gefärbt waren, bedeutete das „addiere eins“. Gelb gefärbte Quadrate bedeuteten „subtrahiere eins“.

Stachelrochen (links) und Buntbarsche - können im Zahlenraum bis 5 einfache Additionen und Subtraktionen durchführen. (Foto: Foto: Prof. Dr. Vera Schlüssel/Uni Bonn)

Nachrichten Fische können rechnen: Das sagt die Studienleiterin

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Fische können rechnen: Bonner Forscher nutzten farbige Formen für Experiment

Danach seien die Aufgaben ausgeblendet und den Tieren neue Abbildungen gezeigt worden. Eine mit fünf und eine mit drei Quadraten. Das richtige Bild zu dem die Fische schwimmen sollten, wäre bei der Addition blau mit fünf statt vier Quadraten. Und bei der Subtraktion gelb mit drei. Schwammen die Fische zum richtigen Bild, gab es Futter. Bei der falschen Antwort bekamen sie nichts. „Mit der Zeit lernten sie so, die blaue Farbe mit der Erhöhung der anfangs gezeigten Menge um eins zu assoziieren, die gelbe Zahl dagegen mit ihrer Verminderung.“, schreibt die Uni Bonn.

Ein Beispiel für zwei Testaufgaben: Die Fische schwammen nach dem erfolgreichen Training meist zu der korrekten Lösung. (Foto: Abbildung: Esther Schmidt)
Ein Beispiel für zwei Testaufgaben: Die Fische schwammen nach dem erfolgreichen Training meist zu der korrekten Lösung. Abbildung: Esther Schmidt

Noch schwierigere Aufgabe für Fische, die rechnen können

Um zu testen, ob die Fische ihre Erkenntnis auch auf neue Aufgaben anwenden konnten, veränderten die Forscher ihre Aufgaben nach der Lernphase. Dabei habe sich gezeigt, dass die Fische nun auch die Aufgaben drei plus eins und drei minus eins lösen konnten. Auch in einer Kombination mehrerer geometrischer Formen wie Quadrat, Dreieck und Kreis hätten die Fische richtig gerechnet.

Bonner Forscher überrascht, dass Fische rechnen können

Barsche und Rochen haben keine Großhirnrinde, die beispielsweise beim Mensch für komplexe kognitive Aufgaben zuständig ist. Und auch in ihrem Alltag benötigen die Fische – nach heutigem Wissensstand – nicht unbedingt ein gutes Zahlenverständnis. Und genau aus diesen Gründen sind die Forscher überrascht. Studienleiterin Schlüssel sieht in dem Ergebnis ihrer Arbeit eine Bestätigung, dass der Mensch dazu neige, andere Spezies zu unterschätzen – gerade Fische, die kein kuscheliges Fell oder Gefieder haben, heißt es von der Uni. „Entsprechend weit unten stehen sie in unserer Gunst – und entsprechend wenig scheren wir uns darum, wenn sie etwa im industriellen Fischfang qualvoll verenden“, so Schlüssel.

Auch andere Tiere können rechnen

Die Methode, die das Forscherteam aus Bonn benutzt hat, wurde bereits bei anderen Tierarten erprobt. Beispielsweise sollen so schon die mathematischen Fähigkeiten von Bienen getestet worden sein, heißt es von der Uni.

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