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Frankreichs Präsident Macron will Hände schütteln, als plötzlich ein Mann ausholt. Das 43-jährige Staatsoberhaupt setzt seine Tour fort – doch ganz Frankreich fragt sich: Warum schlug der Angreifer zu?

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist bei einer Reise in Südfrankreich von einem Mann angegriffen worden – ein Video zeigt die Ohrfeige. Der Élyséepalast bestätigte am Dienstag den Vorfall, sprach aber von einem „versuchten Schlag“. Videoaufnahmen zeigen jedoch, dass der „Versuch“ durchaus „erfolgreich“ war:

Macron-Angreifer ruft bei Ohrfeige: „Nieder mit der Macronie“

Der Vorfall ereignete sich in der 6.000-Einwohner-Gemeinde Tain-l'Hermitage nördlich von Valence. Dort ging der mit Hemd, Krawatte und Corona-Maske bekleidete Staatschef auf Schaulustige hinter einer Absperrung zu, um Hände zu schütteln.

Kurz nach der Ohrfeige: Ein Leibwächter reißt Macron zurück. (Foto: Reuters)
Kurz nach der Ohrfeige: Ein Leibwächter reißt Macron zurück.

Ein Mann hielt den Präsidenten am Arm fest, ohrfeigte ihn und rief nach Medienangaben „Nieder mit der Macronie“. Sicherheitskräfte zogen den Präsidenten sofort weg.

Die Polizei nahm zwei Menschen fest, darunter den mutmaßlichen Täter, wie die Präfektur mitteilte. Beide seien 28 Jahre alt. „Der Mann, der versucht hat, den Präsidenten zu ohrfeigen, und ein anderes Individuum werden von der Polizei vernommen“, so die Behörde. Die Motive sind bislang unklar.

„Den Präsidenten zu ohrfeigen heißt, die Republik zu ohrfeigen“

Die Ohrfeige verbreitete sich rasch im Internet und beherrscht auch sofort die französischen Nachrichten. Bei Macrons politischen Verbündeten stieß sie ebenso wie bei seinen Gegnern auf Kritik.

Premierminister Jean Castex sah darin einen Angriff auf „die Grundlagen unserer Demokratie“. „Den Präsidenten zu ohrfeigen heißt, die Republik zu ohrfeigen“, empörte sich der Fraktionschef der konservativen Republikaner, Damien Abad. Rechtspopulistin Marine Le Pen nannte die Ohrfeige „zutiefst verwerflich“.

Macron wiegelt nach Ohrfeige an: Es geht mir gut

Macron selbst spielte den Vorfall später herunter. Ihm gehe es gut, sagte der Staatschef der Zeitung Le Dauphiné Libéré, und fügte hinzu, seiner Meinung nach handelte es sich um die einzelne Tat von „ultra-gewalttätigen Individuen“. Derartige Leute dürften aber nicht die öffentliche Debatte bestimmen.

Knapp ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist Macron seit einigen Tagen auf „Tour de France“. Bei der Rundreise will der 43-Jährige den Franzosen nach eigenen Worten „den Puls fühlen“, um seine Chancen für eine Wiederwahl auszuloten. Der Vorfall ereignete sich gut zehn Tage vor Beginn der französischen Regionalwahlen, die als wichtiger Stimmungstest gelten.

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