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In Österreich muss man nun beim Einkaufen im Supermarkt einen Mundschutz tragen. Auch in Deutschland denken einzelne Bundesländer über so eine Pflicht nach. Doch nicht alle halten solche Maßnahmen für sinnvoll.

Die Bundesregierung ist beim Thema Maskenpflicht nach dem Vorbild Österreichs zurückhaltend. Momentan sieht es nicht danach aus, dass eine deutschlandweite Regelung getroffen wird.

Ein solcher Schutz sei „vielleicht eine sinnvolle Ergänzung zu den ohnehin geltenden Hygieneregeln“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Dies dürfe aber nicht dazu führen, „dass sich ein falsches Sicherheitsgefühl einstellt“ und die Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und Kontakte vermeiden nicht mehr eingehalten würden.

WHO gegen allgemeines Mundschutztragen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht ebenfalls keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. „Unser Rat: Wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist.“

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Warum trägt man Schutzmasken?

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums erklärte, dass sich bei der Anordnung in Österreich nicht um medizinische Masken handele, sondern um einen sogenannten Mund-Nase-Schutz. Diese Masken sind meist aus einem dünnen Papier oder werden gerade von vielen selbst genäht, da sie in Geschäften kaum noch erhältlich sind. Laut Wissenschaftler bietet diese einfache Form des Mundschutzes allerdings kaum Schutz vor Infektionen. Wie auch die WHO stufen die Experten solche Masken nur als sinnvoll ein, wenn jemand bereits erkrankt ist. Dann lasse sich dadurch eine Ansteckung anderer verhindern. Denn: Beim Sprechen, Husten oder Niesen setzen wir Tröpfchen frei.

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Genauer geht darauf der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten ein. Wenn man etwa ein Stück Tuch vor dem Mund habe, würden die großen Tröpfchen abgefangen, erklärte er. „Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger“, so Drosten vor einigen Tagen im Podcast beim NDR. Neben dem wirklichen Nutzen sieht er allerdings einen wichtigen psychologischen Effekt: Wenn viele in der Öffentlichkeit eine Maske trügen, werde man daran erinnert, dass die Lage ernst sei.

Debatte um Maskenpflicht in Deutschland

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hat angekündigt, dass ab Mittwoch in den Märkten des Landes Mundschutzmasken an Kunden verteilt werden. Das werde einige Tage dauern. Sobald alle Märkte mit den Masken ausgestattet seien, werde das Tragen eines Mundschutzes beim Einkaufen Pflicht. Selbstgemachte Masken würden ebenfalls als ausreichender Mundschutz akzeptiert.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: „Uns beschäftigt der Gedanke ehrlich gesagt auch.“ Konkrete Pläne gebe es dafür aber noch nicht. Ähnlich sieht es auch in Baden-Württemberg aus. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält einen Mundschutz beim Einkaufen für sinnvoll, will ihn aber noch nicht zur Pflicht machen. „Dazu müssen wir erst die ausreichende Zahl an Masken haben, ohne dass der vorrangige Einsatz im medizinischen und pflegerischen Bereich beeinträchtigt wird. Dieser hat absolute Priorität“, erklärte er.

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