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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Der Präsident der Bundesärztekammer hat einen kontroversen Vorschlag gemacht, wie man der Knappheit an Medikamenten begegnen könnte. Dafür muss er viel Kritik einstecken.

Diese Idee sorgt für ordentlich Zündstoff: Der Präsident der Bundesärztekammer hat einen Vorschlag gemacht, wie man dem Mangel an Medikamenten begegnen könnte.

Wir brauchen sowas wie Flohmärkte für Medikamente in der Nachbarschaft.

Wer gesund ist, muss vorrätige Arznei an Kranke abgeben“, sagte Klaus Reinhardt dem Berliner Tagesspiegel. Für solche Flohmärkte könnten auch Arzneimittel infrage kommen, die schon abgelaufen seien. In der Not könne man viele davon immer noch gefahrlos verwenden.

Bundesärztekammer: Brauchen Reform der Arzneimittelproduktion

Reinhardt sagte, es gehe auch darum, wieder zu lernen, „Krisenzeiten pragmatisch und standfest abzuwettern“. Es könne und müsse wieder Grundsätzliches angegangen werden, wie die Reform der Arzneimittelproduktion.

Ein Milliardenprogramm, um Medikamente weltweit einzukaufen, findet Reinhardt nicht gut. „Das hilft nicht. Andere Länder der Welt haben dasselbe Problem. Denen können wir doch die Arzneien nicht wegkaufen.

Flohmarkt für Arznei? „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“

Diesen Vorschlag findet der stellvertretende Geschäftsführer des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg überhaupt nicht cool: „Das kann man ja fast nicht ernst nehmen“, sagte Frank Eickmann in SWR3. In Deutschland gebe es ein sehr hohes Maß an Arzneimittelsicherheit. Er habe die Aussagen von Reinhardt nochmal nachlesen müssen: „Ich kann wirklich gar nicht glauben, dass der Herr Reinhardt das so gesagt hat.

Mit seinem Vorschlag bringe der Ärztekammer-Chef sogar Menschenleben in Gefahr: „Wenn ein Patient, der Blutverdünner nimmt, dazu ein unverträgliches Schmerzmittel einnimmt – das ist lebensgefährlich.“ Die Idee eines Medikamenten-Flohmarktes sei nicht nachvollziehbar.

Da kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln.

Eickmann hat ein einfaches Beispiel, warum er die Idee so abwegig findet: „Stellen Sie sich mal vor, dass Sie ein Nasenspray weitergeben, das schon benutzt ist – da merken Sie doch schon, wie absurd diese Idee ist.“ Zugegeben: Das wäre schon die eklige Variante eines Medikamententausches – aber auch mit unbenutzten oder schon angebrochenen Medikamenten sollte man vorsichtig sein, sagt Eickmann.

Was mache ich, wenn ich auf Medikamente angewiesen bin?

Wer auf Dauermedikation angewiesen sei, müsse sich aber keine Sorgen machen, dass es plötzlich gar keine Medikamente mehr gebe, sagte Eickmann. Solche Patienten müssten eigentlich nur zwei Tipps beachten.

Dauermedikationspatienten sollten sich rechtzeitig ein Folgerezept ausstellen lassen“, wenn die Arznei zur Neige geht. Und dann einfach 14 Tage vor der letzten Dosis das Rezept in die Apotheke bringen. Dann sei mit großer Wahrscheinlichkeit rechtzeitig Nachschub da.

Und wer akut erkrankt sei, habe auch noch Möglichkeiten, wenn die verschriebene Arznei gerade aus sei: „Wenn ein verordnetes Medikament nicht da ist, dann sollte man in die Apotheke gehen und sich beraten lassen.“ Es gebe Möglichkeiten, auf ein anderes Präparat auszuweichen, zur Not könnten Apotheken auch selbst einige Medikamente herstellen. Generell gelte in den Apotheken: „Wir finden eine Lösung“, sagte Eickmann.

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