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Eigentlich gilt sie als nüchtern, unaufgeregt und eher kühl. Doch beim Abschied, dem Großen Zapfenstreich, wird die scheidende Bundeskanzlerin dann doch etwas emotional.

Als das Stabsmusikkorps der Bundeswehr „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen spielt, hat die scheidende Bundeskanzerlin Angela Merkel (CDU) leicht feuchte Augen. Die Mundwinkel zucken ein wenig, ganz leicht bewegt die Kanzlerin manchmal den Kopf im Takt des DDR-Erfolgshits der Punk-Ikone hin und her. Als die Kapelle danach Hildegard Knefs „Für mich soll's rote Rosen regnen“ spielt, sieht es dann doch schon deutlich nach Rührung und etwas Abschiedsschmerz aus.

Die Stücke hatte sich Merkel bei ihrer Verabschiedung, dem Großen Zapfenstreich im Hof des Bendlerblocks in Berlin gewünscht.

Merkels Rede beim Zapfenstreich ist von der Corona-Situation geprägt

Dass es aber ein nicht ganz unbeschwerter Abschied werden würde, war allein schon wegen der aktuellen Corona-Lage klar. Noch am Nachmittag hatten Bund und Länder erneut strengere Maßnahmen beschlossen. In ihrer kurzen Rede würdigte die Kanzlerin dann auch gleich zu Beginn jene, „die sich zeitgleich mit all ihrer Kraft der vierten Welle der Pandemie entgegenstemmen“ - Ärzte, Pfleger und Impfteams nannte sie in dem Zusammenhang.

Die Zeit der Corona-Pandemie habe „wie in einem Brennglas gezeigt, von welch großer Bedeutung das Vertrauen in Politik, Wissenschaft und den gesellschaftlichen Diskurs ist“, sagte Merkel. Es habe sich aber auch gezeigt, „wie fragil das sein kann“.

Unsere Demokratie lebt von der Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung und zur Selbstkorrektur. Sie lebt vom steten Ausgleich der Interessen und von dem Respekt voreinander. Sie lebt von Solidarität und Vertrauen. Im Übrigen auch vom dem Vertrauen in Fakten und davon, dass überall da, wo wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet, Verschwörungstheorien und Hetze verbreitet werden, Widerspruch laut werden muss.

Zum Abschied wird Merkel persönlich und optimistisch

In ihrer Rede streift Merkel auch kurz die großen Krisen ihrer Amtszeit: Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008, die Flüchtlingskrise 2015. Sie sagt, dass sie die 16 Jahre Kanzlerschaft gefordert haben. Politisch und menschlich. Und sie wirbt für ihr Credo: Die internationale Zusammenarbeit bei den riesigen Herausforderungen der Zeit, Klimawandel, Flucht, Migration.

Die 16 Jahre als Bundeskanzlerin waren ereignisreiche und oft sehr herausfordernde Jahre. Sie haben mich politisch und menschlich gefordert. Und zugleich haben sie mich immer auch erfüllt.

Am Ende schlägt Merkel aber einen optimistischen Ton an: Sie sei „überzeugt, dass wir die Zukunft auch weiterhin dann gut gestalten können, wenn wir uns nicht mit Missmut, mit Missgunst, mit Pessimismus, sondern (...) mit Fröhlichkeit im Herzen an die Arbeit machen“. So habe sie selbst es immer gehalten.

Die Ära Merkel, was war das für eine Kanzlerschaft?

Unsere Kollegen und Kolleginnen von Funk haben die Ära Merkel zusammengefasst und gehen nicht nur der Frage nach, wie sie die erste deutsche Bundeskanzlerin werden konnte, sondern auch was bleibt, nach 16 Jahren Bundeskanzlerin Merkel.

Noch ausführlicher geht die ARD-Doku „Merkel-Jahre. Am Ende einer Ära“ von Rainald Becker und Thomas Schneider darauf ein.

Und zuletzt haben unsere Kollegen von der Deutschen Welle einen Kurzzusammenschnitt von witzigen Szenen mit der Kanzlerin erstellt. Der lässt auch einen kleinen Blick auf den Menschen Angela Merkel zu und zeigt nicht nur die Politikerin.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 23. Januar, 4:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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