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Drei Monate ist der Brand im Flüchtlingslager Moria her – es gab danach ein provisorisches Lager und viele Versprechungen. Was davon wurde gehalten und was gebrochen? SWR3-Korrespondent Thomas Bormann mit einer Zwischenbilanz.

Rund 7.300 Menschen leben aktuell in dem provisorischen Zeltlager in Kara Tepe, etwa ein Drittel davon sind Kinder. Es gibt weder Spielplatz noch Schule für sie.

Moria war die Hölle für uns, aber das hier, das ist schlimmer als die Hölle.

Francisco, lebt seit September im Lager in Kara Tepe

Hilfen für die Flüchtlinge auf Lesbos brauchen zu lange

Versprechungen gab es sowohl vom griechischen Staat als auch von der EU. Fast täglich heißt es, die Lage werde sich bessern. Erst jetzt, nach drei Monaten, werden erste Duschen aufgebaut, Warmwasser gibt es noch nicht. Die Regierung hatte außerdem schon vor Wochen angekündigt, die Zelte winterfest zu machen und mit Heizgeräten auszustatten. Nachts sinkt die Temperatur auf der Insel Lesbos mittlerweile auf fünf Grad, aber die Heizgeräte sind noch nicht da.

Wir frieren jede Nacht, es ist sehr kalt und es gibt keine Heizung. Weder für die Kinder noch für uns.

Francisco, lebt seit September im Lager in Kara Tepe

Wenn Geflüchtete mit einem Schlauchboot eine griechische Insel erreichen, dann müssen sie bleiben, bis über das Asylverfahren entschieden ist. So will es die EU. Wenn es bei Ankunft automatisch weiter ginge – so die Befürchtung – könnten sich noch mehr Menschen auf den gefährlichen Weg machen.

Asylverfahren: Auf gelöste Probleme folgen neue

Deutschland hat seit dem Feuer im September rund 800 Menschen aus dem ehemaligen Lager in Moria aufgenommen. Etwa halb so viele wie versprochen, aber weitere Flüge sollen folgen. Auch Frankreich, Finnland und sechs weitere EU-Länder haben Flüchtlinge aufgenommen, aber nur in geringer Zahl.

Das löst das Problem nicht. Natürlich ist es für die Leute, die ausgewählt werden, eine großartige Lösung. Aber wenn wir einzelne Menschen herauspicken wie Früchte von einem Baum, dann gehen wir dem Problem nicht auf den Grund.

Andrea Contenta, Ärzte ohne Grenzen

In den vergangenen Monaten durften auch Tausende Menschen von den Lagern aufs griechische Festland umziehen, weil ihre Asylverfahren abgeschlossen wurden. Das geht mittlerweile deutlich schneller in Griechenland, bringt aber neue Probleme. Viele der anerkannten Asylberechtigten finden auf dem Festland keine Arbeit.

Es gibt Familien, die in Moria im Lager waren und dann nach Athen durften – dort aber landeten sie auf der Straße.

Andrea Contenta, Ärzte ohne Grenzen

Leben nach Kara Tepe: anerkannt und obdachlos

Tausende Menschen mit anerkanntem Asyl-Status harren nun in Lagern auf dem Festland aus; Hilfsprogramme gibt es kaum; Griechenland scheint überfordert. Aber Migrationsminister Notis Mitarakis will das Problem anpacken – mit zwei Mitteln.

Erstens: Griechenland „will nicht mehr das Eingangstor nach Europa für Menschenschmuggler sein“, so der Minister. Deshalb bewacht die griechische Küstenwache die Seegrenze zwischen dem türkischen Festland und griechischen Inseln sehr streng und lässt keine Schlauchboote mit Geflüchteten mehr durch – es kommen also kaum noch neue Menschen an.

Und zweitens appelliert der Minister an europäische Solidarität: EU-Länder sollen doch bitte Geflüchtete aus Griechenland übernehmen. Deutschland sei mit gutem Beispiel vorangegangen. Ein frommer Wunsch aus Athen, schon oft geäußert – und genauso oft ignoriert von den meisten anderen EU-Ländern. So sitzen nach wie vor Tausende Menschen in griechischen Lagern fest.

Um die Situation im Lager zu verbessern will die EU beheizte Wohncontainer bauen und eine Schule für die Kinder einrichten. Aber diese neuen Lager mit Wohncontainern werden vor dem kommenden Winter wohl nicht mehr fertig.

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