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Laura Bisch (Foto: SWR3)

Plastik und Verpackungen machen einen beachtlichen Teil des Straßenmülls aus. Eine Studie hat nun berechnet, wie viel Geld deren Entsorgung kostet. Denn: Künftig sollen auch Hersteller dafür zahlen. Wird es für Verbraucher deshalb günstiger?

Ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel, ein Kaffeebecher neben dem Mülleimer, eine Plastiktüte im Gebüsch: Die Entsorgung von Plastik- und Verpackungsmüll aus Umwelt und Abfalleimern kostet Stadtreinigungsunternehmen jährlich Millionenbeträge. Wie hoch genau einzelne Posten sind, hat nun eine Studie des Bundesumweltministeriums und des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) berechnet.

Alleine rund 700 Mio Euro für Plastik und Zigaretten

Über ein ganzes Jahr hinweg wurden dazu Daten aus 20 Städten gesammelt. Dabei kam raus: Allein für Einwegkunststoffe und Zigarettenreste sind es 700 Millionen Euro. Plastik- und Verpackungsmüll machen im Volumen mehr als zwei Fünftel des Straßenkehrichts aus. Am größten ist dabei mit 22 Prozent der Anteil von Einwegkunststoffen, wozu wegen des Plastiks im Filter auch Zigaretten gehören. Metall-, Glas- oder Papierverpackungen machen etwa 17 Prozent aus und ganz selten landen auch andere Kunststoffe, etwa Spielzeuge, im Straßenmüll. Zum Vergleich: Knapp die Hälfte des gesamten Mülls machen Straßensplit, Sand und Grünabfälle aus. Laut der Studie umweltbedingte, nicht vermeidbare Abfälle.

Schulze will Hersteller zur Kasse bitten

Geht es nach Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) soll sich künftig auch die Wirtschaft an den Kosten für die Müllentsorgung beteiligen. Ihre erklärte Absicht: Bürger und Bürgerinnen entlasten und Einwegplastikhersteller stärker zur Kasse bitten.

Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Svenja Schulze (SPD) , Bundesumweltministerin

Was soll sich konkret ändern?

Parks und Straßen sollten künftig sauberer werden. Und: Es gehe nicht darum, Plastebecher durch Pappbecher zu ersetzen. Die Alternative müsse Mehrweg sein, forderte Schulze.

Die Botschaft ist also klar: Im Umgang mit Müll soll sich in Zukunft etwas ändern. Was das genau sein wird, ist allerdings noch nicht klar. Konkrete Fragen wie zum Beispiel, wie viel Produzenten genau zahlen sollen und wie das Geld eingesammelt werden soll, könne sie noch nicht beantworten, so Schulze. Die Studie sei nun eine erste Grundlage, um ins Gespräch zu kommen und die ab nächstem Juli geltende EU-Kunststoff-Richtlinie vorzubereiten.

Klimaschutz, Plastikmüll, Tierwohl – zu diesen Themen diskutiert Umweltministerin Svenja Schulze hier live mit @louisadellert. Danke an alle, die zugeschaut und live mitdiskutiert haben! 👍

Schulzes Vorschlag kommt gut an

VKU-Präsident Michael Ebling sagte bei der Vorstellung der Studie, dass seit Jahren steigende Müllmengen beobachtet würden. Dies habe auch mit den To-Go-Verpackungen zu tun. Auch er wolle deshalb, „die in die Pflicht nehmen, die auch für das Verursachen stehen“. Und auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund begrüßt den Vorstoß. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte im SWR:

Wir haben immer mehr Wegwerfartikel, in manchen Städten eine regelrechte Müllflut in Parks und auf öffentlichen Straßen.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

Der Ansatz, dass Hersteller sich an den Entsorgungskosten beteiligen sollen, sei zutreffend, denn für die Bürger werde es teurer. Dass der Verursacher spätere Beseitigungskosten zu tragen habe, sei in allen Bereichen Grundsatz. Ob mit einer finanziellen Beteiligung der Hersteller aber die Gebühren für die Müllentsorgung wirklich gesenkt werden, ist unklar.

Kann der Vorschlag tatsächlich Bürger entlasten?

Eine reine Umverteilung der Kosten reiche ihr aber nicht, sagte Schulze am Donnerstag außerdem.

Mir reicht es nicht, wenn die Kosten nur anders verteilt werden, wir brauchen auch ein Plus für die Umwelt.

Svenja Schulze (SPD) , Bundesumweltministerin

Weniger zuversichtlich klang dagegen Ebling: „Wir sind Kommunale und Kommunale denken und handeln dezentral“. Demnach kann es sein, dass mancherorts Gebühren für die Müllentsorgung gesenkt und andernorts in die Ausweitung oder Verbesserung der Reinigungsmaßnahmen investiert werden wird.

Wirtschaft will nicht zahlen

Widerstand kommt hingegen – wenig überraschend – aus der Wirtschaft. Zwar sehe die EU-Kunststoffrichtlinie eine Beteiligung der Produzenten von Einwegplastik an deren Entsorgung vor, so Peter Feller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. „Diese gesetzliche Kostenbeteiligungspflicht beim so genannten Littering stellt allerdings keinen Freibrief für die Kommunen dar, mit extensiven finanziellen Forderungen an die Nahrungsmittelhersteller heranzutreten.“

Die Kostenbeteiligung sei an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, die Studie zudem nur eine Momentaufnahme. Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen warnte gar vor falschen Maßnahmen:

Achtloses Wegwerfen gilt es zu verhindern und nicht zu finanzieren. Der Konsument wird sein Verhalten dadurch nicht ändern.

Peter Feller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie

Wegen ihrer Ökobilanz seien Kunststoffverpackungen zum Mitnehmen zudem oft die bessere Wahl gegenüber Glas, Alu oder Papier. „Daher muss es darum gehen, eine kosteneffiziente Getrenntsammlung im öffentlichen Raum zu fördern, statt einfach Gelder für bestehende Geschäftsmodelle zu generieren und Kunststoff durch andere, womöglich weniger ökologische Materialien zu ersetzen.“

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Laura Bisch (Foto: SWR3)

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