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Drei Tage nach der Schießerei an der Uni Heidelberg sitzt der Schock noch tief. Die Studierenden wünschen sich jetzt einen Ort der Trauer. Außerdem gibt es neue Details zum Täter.

Es soll ein Zeichen gegen die Gewalt sein: Die Studierenden der Universität Heidelberg wollen, dass die Tat aufgearbeitet wird. Dafür soll ein Gedenkort an der Uni entstehen. „Wir denken darüber nach, einen dauerhaften Trauerort auf dem Campus zu etablieren“, sagte der Vorsitzende der Verfassten Studierendenschaft, Peter Abelmann, der Rhein-Neckar-Zeitung. Es müsse aber auch dauerhafte Unterstützungsangebote für die Studierenden geben, denn für viele sei es das erste traumatische Erlebnis in ihrem Leben gewesen. Ebenfalls soll die Universität weiterhin offen bleiben. „Wir können deswegen nicht aufhören zu leben. Wir müssen weitermachen.“, betonte er.

18-Jähriger hat Waffen wohl in Österreich gekauft

Drei Tage nach dem mutmaßlichen Amoklauf an der Uni Heidelberg haben die Ermittler der Gruppe „Botanik“ neue Details zu der Tat herausgefunden. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg teilte mit, dass der 18 Jahre alte Attentäter eine Woche vor der Tat in Österreich war und dort drei Langwaffen gekauft hat.

Zwei der Waffen und 150 Schuss Munition stellten Polizisten nach dem mutmaßlichen Amoklauf im Neuenheimer Feld in Heidelberg sicher. Die dritte Waffe, eine Büchse, wurde von der österreichischen Polizei in einem Zimmer in Österreich gefunden, das der 18-Jährige bei seinem Aufenthalt angemietet hatte.

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Ermittler: nicht sicher, ob Waffenkauf legal war

Polizei und Staatsanwaltschaft in Heidelberg sind sich sicher, dass er die beiden Tatwaffen bei einem Waffenhändler und die Büchse bei einer Privatperson gekauft hat. Ob er die Waffen legal gekauft hat, versuchen die Behörden zurzeit zu klären. Das sei schwierig, weil die rechtliche Lage in Österreich anders sei als in Deutschland, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Einen Waffenschein hatte der 18-Jährige nicht.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Schützen in Mannheim hat die Polizei mehrere Mobiltelefone, Laptops und ein Tablet sichergestellt. Spezialisten der Spurensicherung werten die Geräte zurzeit aus. Bisher hat es keine Hinweise gegeben, dass der 18-Jährige und seine Opfer eine persönliche Beziehung hatten.

Hier seht ihr die komplette Pressekonferenz von Montag:

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18-Jähriger soll früher Kontakte in rechte Szene gehabt haben

Allerdings gibt es Hinweise, dass der 18-Jährige in der Vergangenheit Mitglied der rechtsextremen Partei Der III.Weg gewesen sein soll. Vor zwei Jahren soll er aus der Partei wieder ausgetreten sein – zu der Zeit war er noch minderjährig.

Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass er in letzter Zeit noch Kontakte in die rechte Szene hatte oder radikalisiert war. Möglicherweise könnte aber eine mögliche psychische Krankheit ein Motiv für den mutmaßlichen Amoklauf sein.

Mittlerweile ist auch klar, wie er auf das Gelände der Uni Heidelberg kam: Er ließ sich mit einem Taxi von Mannheim ins Neuenheimer Feld fahren. Die beiden Waffen soll er in einer Sporttasche verstaut und im Kofferraum des Taxis abgelegt haben.

In diesem Rucksack des Täters sollen noch weitere Waffen gewesen sein. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
In diesem Rucksack des Täters sollen noch weitere Waffen gewesen sein. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Amoklauf an Uni Heidelberg: 18-Jähriger schießt um sich

Der 18-Jährige war selbst Student an der Uni Heidelberg und war am Montagmittag in einen Hörsaal der Universität Heidelberg gestürmt und hatte dort auf mehrere Menschen geschossen. Eine 23-Jährige starb, drei weitere Studierende wurden verletzt.

Danach nahm er sich vor dem Gebäude das Leben. Die Polizei sagte einen Tag nach der Tat, der Täter habe sich möglicherweise an irgendjemandem rächen wollen. Das gehe aus einem seiner Einträge in einem Messenger-Dienst hervor.

Schüsse in Heidelberger Hörsaal: „Hilfe! Hier ist ein Attentäter!“

Ann-Kathrin, eine Studentin, die aus einiger Entfernung das Geschehen miterleben musste, erzählte SWR3 von der Tat. Sie hatte ihrer Mutter nur einen Satz per WhatsApp geschickt: „Hilfe! Hier ist ein Attentäter!“ „Das war einfach furchtbar“, sagte ihre Mutter.

Studierende per WhatsApp-Nachrichten gewarnt

Ann-Kathrin war gerade in der Vorlesungspause vor dem Universitätsgebäude, einige Meter vom Tatort entfernt, als klar wurde, dass wohl ein Amokläufer auf dem Gelände ist. Per WhatsApp-Gruppen hatte es sich unter den Studierenden schnell rumgesprochen, dass es eine Schießerei auf dem Uni-Gelände gab und alle in die Gebäude gehen sollten.

Spätestens als draußen immer mehr Polizisten auftauchten und das Gelände absperrten, wurde den Studierenden klar, dass die Lage ernst war. Wieder in der Universität hätten dann alle die Türen der Vorlesungsräume von innen geschlossen. Außen lief Polizei Patrouille, erst da habe man sich dann etwas sicherer gefühlt, erzählte die Studentin.

Offenbar weitere Menschen mit der Waffe bedroht

Zwei Mitarbeiter des Heidelberger Forschungszentrums für biologische Grundlagenforschung (COS) sind womöglich nur knapp dem Amokschützen entkommen. Der Direktor des COS, Jan Lohmann, sagte am Dienstag, dass zwei seiner Kollegen die Treppe zum Foyer des Gebäudes hinunterkamen, als sie ein
Geräusch hörten, das sie zunächst Bauarbeiten im Haus zuordneten.

Dann standen sie fünf bis sechs Meter von dem jungen Mann entfernt, der gerade aus dem Hörsaal kam, wo er vier Studierende mit Schüssen verletzt hatte. Der 18-jährige richtete die Waffe auf die beiden Männer. Sie konnten aber unverletzt entkommen.

Trauerfeiern geplant

Sowohl die Stadt Heidelberg als auch die Universität planen Trauerfeiern. Die Kirchen und Opferschutzverbände wie der Weiße Ring haben Hilfen angeboten, an die sich die Verletzten, Angehörige und Zeugen der Tat wenden können. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) warb dafür, die angebotene Hilfe auch anzunehmen. Studierende, die in dem Tutorium saßen, müssten das schreckliche Ereignis verarbeiten.

Studierende wünschen sich Gedenkstätte

Laut dem Vorsitzenden der Verfassten Studierendenschaft, Peter Abelmann, wünschen sich viele Studierende der Universität Heidelberg, dass die Tat aufgearbeitet werde. «Wir denken darüber nach, einen dauerhaften Trauerort auf dem Campus zu etablieren», sagte Abelmann der «Rhein-Necker-Zeitung». Es müsse aber auch dauerhafte Unterstützungsangebote für die Studierenden geben, denn für viele sei es das erste traumatische Erlebnis in ihrem Leben gewesen. Ebenfalls soll die Universität weiterhin offen bleiben. «Wir können deswegen nicht aufhören zu leben. Wir müssen weitermachen.», betonte er.

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Radionachrichten 21. Mai, 5:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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