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Alle 157 Tage beginnt das Radiosignal aus dem Weltall wieder von vorne. Forscher haben es jetzt untersucht und sind zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Vor acht Jahren haben Forscher in einer weit entfernten Galaxie ein mysteriöses Radiosignal aufgefangen. Seitdem haben es Astronomen aus der ganzen Welt untersucht, Forscher am Jodrell-Bank-Observatorium in Großbritannien haben jetzt ein Muster in dem Signal entdeckt: Es wiederholt sich alle 157 Tage.

Die Radioblitze von FRB 121102 senden immer 90 Tage lang Signale durch das Universum. Danach sind sie für 67 Tage nicht mehr nachzuweisen. Anschließend geht es wieder von vorne los, haben die Forscher in einer Studie herausgefunden, die jetzt veröffentlicht wurde.

Aufwändige Studie

Die Signale konnten die Forscher mit Hilfe des Lovell-Teleskops auffangen. Das sei allerdings sehr aufwändig gewesen, weil nicht nur die Signale aufgezeichnet werden mussten, sondern auch die Zeiten, in denen kein Signal empfangen wurde.

Das alles wollten die Forscher genau dokumentieren: „Nichterkennungen waren genauso wichtig wie die Erkennung", sagte der leitende Forscher Benjamin Stapper.

Lovell-Teleskop (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Phil Noble/PA Wire/dpa)
Das Lovell-Teleskop in England picture alliance/Phil Noble/PA Wire/dpa

Aliens stecken (ziemlich sicher) nicht hinter dem Signal

Wer jetzt ganz hektisch einen Aluhut bastelt, kann wieder ruhig atmen: Ein galaktisches Radiosignal hat nichts mit Rundfunk zu tun. In der Mini-Galaxie im Sternbild Fuhrmann sitzt kein Alien und funkt Musik in die Weiten des Alls.

Als Radioquellen bezeichnen Astronomen Objekte im Weltall, die Radiowellen ausstrahlen – also elektromagnetische Wellen mit einer Frequenz unter 3.000 Gigahertz. Quellen dafür können Sonnen, explodierende Sterne, Quasare und Radiogalaxien sein.

Rätseln über Entstehung der Signale

Im Jahr 2007 haben Astronomen die sogenannten Fast Radio Bursts zum ersten Mal in der kleinen Magellanwolke aufgezeichnet. Fünf Jahre später entdeckten andere Wissenschaftler in der Mini-Galaxie im Sternbild Fuhrmann FRB 121102, das anders war, als alle bis dahin entdeckten Signale. Während ein durchschnittlicher Fast Radio Burst nur einmal gemessen werden kann, wiederholte sich FRB 121102.

Die Blitze wurden unter anderem auch von Astronomen aus China und den USA aufgezeichnet. Die Forscher fanden unter anderem heraus, dass die Strahlenausbrüche in nur einigen Millisekunden so viel Energie freisetzen wie unsere Sonne an einem ganzen Tag.

Forscher finden mögliche Erklärung für Quelle der Blitze

Vor zwei Jahren haben Forscher aus Amsterdam zum ersten Mal eine mögliche Erklärung geliefert, was die Blitze in etwa drei Milliarden Lichtjahren Entfernung auslöst. In dem Moment, in dem die Signale entstehen, werden sie auch stark polarisiert. Durchlaufen diese polarisierten Radiostrahlen ein Magnetfeld im Weltall, wird die Polarisation verdreht. Wissenschaftler sprechen dabei vom Faraday-Effekt.

Je stärker das Magnetfeld ist, desto stärker werden auch die Radiostrahlen verdreht. Bei FRB 121102 ist der Faraday-Effekt so stark, wie bei keiner anderen bekannten Radioquelle im Universum. Das sagt den Forschern, dass die Strahlung ein außergewöhnlich starkes Magnetfeld durchläuft.

Signale könnten aus Schwarzem Loch stammen

„Die einzigen Quellen in unserer Milchstraße, deren polarisierte Strahlung so stark verdreht wird, liegen im Galaktischen Zentrum in unmittelbarer Nähe zu einem massereichen Schwarzen Loch“, sagt Daniele Michilli von der Universität Amsterdam, als dessen Studie 2018 vorgestellt wurde.

Somit könnte also ein Schwarzes Loch die Blitze auslösen. Die Quelle könnte aber auch ein Neutronenstern sein, der sich in einem leuchtkräftigen Nebel oder Supernovaüberrest befindet, vermuten die Forscher.

Einfache Erklärung für Nicht-Physiker

Wem das zu viel Physik war: Aliens stecken nicht dahinter. Es handelt sich bei der Quelle des Signals vermutlich um ein extrem massereiches Schwarzes Loch oder einen Stern, der in den Resten einer Supernova herumschwirrt.

Noch ein Fun Fact: Die Blitze entstehen in einer Galaxie im Sternbild Fuhrmann in etwa drei Milliarden Lichtjahren Entfernung. Das sind 28,5 Quadrillionen Kilometer – oder ausgeschrieben 28.500.000.000.000.000.000.000.000 Kilometer.

Würde man mit einem Weltraumauto mit 100 Stundenkilometern durchs All fahren, würde die Reise dorthin etwa 32,5 Trillionen Jahre dauern – ausgeschrieben 32.534.246.575.342.465.024 Jahre.

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