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Nach den Ausschreitungen auf der Heidelberger Neckarwiese wird die Wiese in der Nacht zukünftig gesperrt – ab Donnerstag gilt ein nächtliches Aufenthaltsverbot.

Die Stadt und die Polizei erhöhen den Druck: Nachts darf ab Donnerstag niemand mehr auf die Neckarwiese. Am Dienstag hatten sich Spitzen der Stadt mit der Polizei getroffen und das beschlossen.

Die Stadt Heidelberg hatte davor schon für eine Nacht nach Pfingsten ein Aufenthaltsverbot von 20 Uhr bis morgens früh um 6 Uhr verhängt. Dieses wird nun also verlängert und tritt ab dem kommenden Donnerstag, 27. Mai, in Kraft.

Ausschreitungen an Pfingsten haben Konsequenzen

Mit der Sperrung sollen künftig Krawalle verhindert werden. An Pfingsten hatte es Ausschreitungen und Randale gegeben von Hunderten Menschen.

„Unsere Botschaft ist ganz klar: Stadt und Polizei dulden keinen Krawalltourismus. Solche Szenen wie am Pfingstwochenende sind inakzeptabel“.

„Wir sind uns einig, dass wir konsequent und niederschwellig einschreiten werden, um Verstöße und Straftaten zu verhindern. Sollten Straftaten dennoch begangen werden, werden sie mit aller Härte und Konsequenz verfolgt. Um es deutlich zu sagen: Unsere Maßnahmen richten sich nicht gegen solche, die einfach nur feiern wollen, sondern gegen Krawallmacher und Straftäter“, erklärt der Leiter des Polizeipräsidiums Mannheim, Polizeivizepräsident Siegfried Kollmar.

Aufenthaltsverbot auf der Neckarwiese gilt ab Donnerstag

BW-Innenminister Thomas Strobl (CDU) kündigte zusätzlich eine verstärkte Präsenz der Polizei vor Ort an. Es soll strenge Kontrollen geben. Ob in den kommenden Tagen weitere Maßnahmen nötig sind, darüber beraten sich die Stadt und die Polizei.

Strobl sagte, nun werde man gemeinsam mit der Stadt erneut dafür sorgen, dass wieder Ordnung herrsche und die Neckarwiese für alle ein Ort der friedlichen und sicheren Begegnung bleibe. „Das lassen wir uns von ein paar Prolls nicht nehmen.“

Wir sind schockiert über das Ausmaß an Gewaltbereitschaft und inakzeptablem Verhalten, das wir an den Pfingsttagen in Heidelberg gesehen haben.

Nach Ausschreitungen auf der Neckarwiese: Stadt verfügt Aufenthaltsverbot. Das Verbot gilt ab Montag, 24. Mai, 20 Uhr. Ein Großaufgebot an Polizei und Ordnungskräften wird im Einsatz sein, um das Verbot durchzusetzen. Mehr: https://t.co/L06FmIdtCa

Polizei-Chef für Alkohol-Verkaufsverbot

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg (DPolG), Ralf Kusterer, ist dafür, in der Umgebung zeitweise den Verkauf von Alkohol zu verbieten. Damit habe zum Beispiel die Polizei Mannheim im Stadtteil Jungbusch gute Erfahrungen gemacht. Ein Verbot, an bestimmten Plätzen Alkohol zu trinken, sei dagegen kaum von der Polizei durchzusetzen, so Kusterer.

Die Lage auf den Neckarwiesen sei seit Jahren ein Dauerproblem, sagte Kusterer im SWR. Das Gebiet am Wochenende zu sperren, war seiner Ansicht nach richtig. „Die Frage wird jetzt sein: Wie geht es weiter, und kann die Wiese für längere Zeit gesperrt werden? Denn das Problem wird wieder auftauchen.“

Was ist auf der Heidelberger Neckarwiese passiert?

Am Pfingstwochenende haben auf der Neckarwiese in Heidelberg hunderte Menschen gefeiert. Zunächst fing am Samstagabend alles ganz entspannt an, dann kippte die Stimmung in der Nacht.

Die Polizei wollte die Party von bis zu 1.000 Jugendlichen gegen 1 Uhr auflösen – wegen einer zu lauten Musikanlage. Anwohner hatten sich beschwert. Dabei kam es nach Polizeiangaben zu schweren Krawallen. Eine kleinere Gruppe von Jugendlichen bewarf die Polizisten demnach mit Flaschen und beschädigte Parkbänke, Tische und ein Corona-Testzelt. Dabei wurden sie von weiteren rund 300 Umstehenden angefeuert. Mit einem Großaufgebot konnte die Polizei die Feier schließlich auflösen.

Gegen die Randalierer wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet und wertet Bildmaterial aus.

Polizei räumt Neckarwiese auch am Sonntagabend

Am Sonntagabend ging es dann weiter mit der Party. Gegen 21:30 Uhr entschied die Polizei, die Neckarwiese zu räumen. Zu dem Zeitpunkt hatten sich rund 400 Jugendliche versammelt, die sich nicht an die Corona-Regeln hielten, lautstark feierten und die Polizei anpöbelten.

Ausschreitungen wie in der Nacht zum Sonntag, als Randalierer unter anderem Polizisten mit Flaschen beworfen hatten, gab es diesmal jedoch nicht.

Jugendliche in Heidelberger Altastadt unterwegs

Nach der Auflösung waren laut Polizei noch viele Jugendliche in der Heidelberger Altstadt unterwegs, die im öffentlichen Raum Alkohol tranken – die Beamten gehen dabei von rund 500 Personen aus. Diese verhielten sich aber wohl einsichtig. „Auf Ansprache reduzierten sie ihre Lautstärke und achteten die Corona-Bestimmungen“, so das Polizeipräsidium Mannheim. Im weiteren Verlauf des Abends kam es zu Personen- und Verkehrskontrollen.

Selbst außerhalb einer Pandemie wäre das völlig untragbar.

Mit Blick auf die nächsten Tage sagte der Mannheimer Polizeisprecher Christopher Weselek, er hoffe, dass keine weiteren Straftaten mehr begangen werden. Er habe vollstes Verständnis dafür, dass die Menschen nach draußen möchten, „aber bitte friedlich bleiben und das nicht unterstützen, wenn ein paar wenige aus dem Rahmen fallen“, sagte Weselek.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Polizeisprecher Weselek: Aufenthaltsverbot war „erster Schritt“

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Radionachrichten 24. September, 01:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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