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Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt wieder – und Baden-Württemberg passt die Corona-Verordnung an. Das sind die ab sofort gültigen neuen Regeln und Änderungen.

Die Delta-Variante des Coronavirus verbreitet sich in Deutschland immer weiter – mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit wieder deutlich über 10. In vielen Stadt- und Landkreisen gilt schon Inzidenzstufe zwei – wieder mit mehr Einschränkungen in der Pandemie.

Zwar ist die Corona-Verordnung überarbeitet worden – wirklich neue Regeln gibt es seit der aktualisierten Corona-Verordnung vom 28. Juni 2021 aber nicht. Es wurde lediglich ein bisschen nachjustiert und konkretisiert. Bei den grundlegenden Regeln bleibt es beim Stand von Ende Juni:

  • Es sind wieder größere Treffen erlaubt
  • Die Verbote und Auflagen beim Einkaufen, im Sport, Schwimmbad oder Restaurant fallen weg
  • Die Maskenpflicht bleibt aber erst einmal bestehen

Was steht im neuen Vier-Stufen-Plan in Baden-Württemberg?

In der Corona-Verordnung vom 28. Juni hat das Land Baden-Württemberg die verschiedenen Corona-Regeln neu geordnet, in der Verordnung vom 26. Juli wurden einzelne Punkt angepasst und eindeutiger formuliert. Nach wie vor gibt es einen Vier-Stufen-Plan, der so aussieht:

  • Stufe 4 gilt bei einer Inzidenz über 50
  • Stufe 3 gilt bei einer Inzidenz zwischen 50 und 35
  • Stufe 2 gilt bei einer Inzidenz zwischen 35 und 10
  • Stufe 1 gilt bei einer Inzidenz unter 10

Vier Pandemie-Stufen in Baden-Württemberg: Das sind die Regeln

Wie viele Menschen dürfen sich jetzt treffen?

Sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region sieben Tage lang unter 10 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner – das wäre Stufe 1 –, dürfen sich bis zu 25 Menschen aus beliebig vielen Haushalten treffen. Geimpfte und Genesene zählen nicht zu der Begrenzung. Kommen also 20 Ungeimpfte und 20 Geimpfte oder Genesene zusammen, ist das nach der neuen Verordnung erlaubt.

In Stufe 2 und 3 – also bis 35 und 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner – dürfen sich 15 Ungeimpfte aus vier Haushalten treffen. Geimpfte und Genesene zählen auch hier nicht mit, es dürfen also beliebig viele dazukommen.

Überschreitet ein Stadt- oder Landkreis an fünf aufeinanderfolgenden Tagen den jeweiligen Schwellenwert, werden die Öffnungen wieder zurückgenommen“, sagt die Landesregierung. Bisher war es so, dass sich bei einer anhaltenden Inzidenz von unter 50 nur bis zu zehn Menschen aus drei Haushalten treffen durften.

Welche Lockerungen der Corona-Regeln gelten in Baden-Württemberg noch?

Auch in vielen anderen Bereichen gibt es mit der neuen Corona-Verordnung Lockerungen: In der Gastronomie, dem Einzelhandel, in Hotels, Schwimmbädern und Freizeitparks, in Hochseilgärten und Bädern.

Dort fallen von Montag an alle Einschränkungen weg, wenn die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche unter 35 liegt. Auch der sogenannte 3G-Nachweis für Genesene, Geimpfte oder Getestete entfällt.

Wer will, kann bei einer Inzidenz unter 35 auch wieder Galerien, Museen und Bibliotheken wie in früheren Zeiten besuchen.

Welche neuen Corona-Regeln gelten in Baden-Württemberg für den Sport?

Im Amateur- und Freizeit-Sport fallen die Beschränkungen bei Stufe 1 und 2 weg – das heißt, unter einer Inzidenz von 35 sieht der Sport fast wieder aus wie vor der Pandemie.

Für Theater-, Opern- und Konzertaufführungen, Kinos, Flohmärkte, Jahrmärkte, Stadtfeste und Volksfeste in Städten und Kreisen mit Stufe 1 gibt es mehrere Möglichkeiten.

Wie viele Menschen dürfen Veranstaltungen besuchen?

Bei allem, was draußen stattfindet, dürfen 1.500 Menschen ohne Auflagen zusammenkommen. Drinnen sind allerdings nur 500 Menschen erlaubt, die nicht getestet, geimpft oder genesen sein müssen.

Alternativ kann ein Veranstalter nach Auslastung gehen und 30 Prozent der Plätze ohne oder 60 Prozent mit einem Nachweis von Impfung oder Genesung nutzen.

Wie sind die neuen Corona-Regeln in Baden-Württemberg für private Veranstaltungen?

An privaten Veranstaltungen wie Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern dürfen in Baden-Württemberg bis zu 300 Menschen teilnehmen. Wer drin feiert, muss allerdings darauf achten, dass die Gäste geimpft, genesen oder getestet sind.

Auch für Diskotheken, Clubs und ähnliche Einrichtungen gibt es endlich eine Perspektive: Sie dürfen bei einer Inzidenz unter 10 mit einer Person pro zehn Quadratmeter öffnen. Auch hier muss ein Nachweis mit dabei sein. Liegt die Inzidenz über 10, bleiben Discos und Clubs auch künftig geschlossen.

Prostitutionsstätten und Bordelle dürfen laut Verordnung in Inzidenzstufe 1 betrieben werden, es muss beim Zutritt allerdings ein Test-, Impf- oder Genesenennachweis vorliegen.

Maskenpflicht in Baden-Württemberg bleibt bestehen

Die Maskenpflicht dagegen bleibt auch über den 28. Juni 2021 hinaus bestehen. Der Schutz muss auch weiterhin in geschlossenen Räumen wie in Geschäften, Museen, Theatern, Kinos, Arztpraxen oder öffentlichen Gebäuden ebenso wie in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und Straßenbahnen getragen werden.

Mit dem neuen Stufenmodell will die grün-schwarze Landesregierung die Regeln nach eigenen Angaben deutlich vereinfachen und übersichtlicher machen. Der Entwurf für die neue Verordnung kommt aus dem Gesundheitsministerium. Ziel sei es, den Menschen nachvollziehbare Regeln an die Hand zu geben, die sie akzeptieren, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Ausbreitung der Delta-Variante bereitet Sorgen

Trotz aller Lockerungen weisen Wissenschaftler und Politiker darauf hin, dass wir die Pandemie noch nicht hinter uns haben. Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich nach wie vor aus – auch in Deutschland.

Das RKI schreibt in einem Bericht, dass man damit rechnen müsse, dass die Delta-Variante bald die vorherrschende Mutation in Deutschland sein könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor einer vierten Pandemie-Welle und schließt auch neue Einschränkungen nicht aus.

Kretschmann: Lockerungen nur bei bleibender oder sinkender Inzidenz

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, dass die Lockerungen nur so lange Bestand haben, solange die Sieben-Tage-Inzidenz stabil bleibe oder sinke.

Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg wieder steigen, werde die Landesregierung nicht warten. Und auch zur neuen Verordnung betont die Regierung: „Wir dürfen jetzt nicht zu leichtsinnig werden. Weiter gilt, nicht alles, was erlaubt ist, sollte man auch maximal ausreizen.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 3. August, 03:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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