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Deutschlandweit startet der Probebetrieb für neue Notruftechnik. Wählen wir auf unserem Smartphone die 112, kann die Rettungsleitstelle ab sofort den genauen Standort sehen. Die Technik hat die Freiburger Rettungsleitstelle für ganz Deutschland aufgebaut.

„Notruf Feuerwehr, Rettungsdienst! Wo genau ist der Notfallort?“ Diese Frage können viele Anrufer bei einem Notruf oft nicht direkt beantworten. Wichtige Sekunden vergehen. Immer wieder muss die Rettungsleitstelle lange nachfragen, bis sie den Standort herausgefunden haben. Das soll nun ein Ende haben: Mit der neuen Notruftechnik Advanced Mobile Location (AML) sehen die Rettungsleitstellen den genauen Standort direkt auf ihren Bildschirmen.

Funktioniert auch bei deaktiviertem GPS

Rettungshelikopter (Foto: picture alliance/Kohls/SDMG/dpa)
Mit der neuen Technik können Rettungskräfte künftig den Standort des Notfalls erfahren. picture alliance/Kohls/SDMG/dpa

Wählt jemand den Notruf, werden auf dem Smartphone alle verfügbaren Standortdienste aktiviert – auch wenn sie zuvor ausgeschaltet waren. Über die GPS-Funktion erhält das Smartphone seine aktuellen Koordinaten. Zusätzlich sucht das Smartphone nach WLAN-Netzen und Mobilfunkmasten in der Umgebung.

Alle Daten werden dann automatisch mit einer SMS verschickt. So kann die zuständige Rettungsleitstelle den Standort metergenau bestimmen. Die Rettungssanitäter und der Notarzt bekommen die Standortdaten direkt auf ihr Navigationsgerät geschickt und können so schneller zum Notfallort.

Freiburger Leitstelle bringt die Technik nach Deutschland

Andere EU-Länder nutzen die Technik schon seit über drei Jahren, zum Beispiel Belgien, Slowenien, Irland, die Niederlande und Österreich. In Deutschland haben Datenschützer und Mobilfunkunternehmen einen früheren Start verhindert. Außerdem hat sich keiner dazu bereit erklärt, die AML-Technik für ganz Deutschland aufzubauen. Einzig das Team der Freiburger Rettungsleitstelle sah die Notwendigkeit und beschloss, die Daten auch für alle anderen Leitstellen zur Verfügung zu stellen. Informatiker Henning Schmidtpott von der Freiburger Rettungsleitstelle hat mit Datenschützern gesprochen und die Mobilfunkunternehmen überzeugt.

Alle Standortermittlungen laufen nun über die Freiburger und Berliner Rettungsleitstelle, die sich ebenfalls für die AML-Technik eingesetzt hat. An beiden Standorten stehen nun Server, die für ganz Deutschland die Technik bereitstellen. Um den Datenschutz zu gewährleisten, werden die Mobilfunkdaten hier nach 60 Minuten wieder gelöscht.

Technik wird auf den Smartphones automatisch freigeschaltet

Die Technik muss auf unseren Smartphones nur aktiviert werden. Das passiert durch die üblichen Updates für die Smartphones. Sie wird dann natürlich nur bei einem Notruf freigeschaltet, wenn der Smartphone-Nutzer die 112 wählt.

Ganz perfekt ist die neue Notruftechnik aber noch nicht. Sie versagt, wenn wir über unseren eigenen Mobilfunkanbieter kein Netz haben. Die Rettungsleitstelle kann zwar mit uns telefonieren, aber keinen genauen Standort ermitteln. Das ist vor allem in ländlichen Gebieten ein Problem, weil hier nicht alle Mobilfunknetze gleich gut ausgebaut sind. „Zum Glück betrifft das aber nicht viele Notrufe“, sagt Henning Schmidtpott von der Freiburger Rettungsleitstelle. Andere EU-Länder seien schon dabei, die Technik zu verbessern.

Drei Jahre wird getestet

In Deutschland wird die AML-Technik ab jetzt drei Jahre lang getestet. Bis dahin stellen die Freiburger und Berliner Feuerwehr die Technik kostenlos für die deutschen Rettungsstellen zur Verfügung. Eine Technik, mit der beim Notruf wichtige Sekunden gespart werden können. Zeit, die im Ernstfall Leben retten kann.

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