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In Ulm hat es einen Brandanschlag auf die Synagoge gegeben. Eine Ecke des Gebäudes ist rußgeschwärzt. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Nur weil ein Zeuge schnell reagiert hatte, konnte wohl ein größerer Brand verhindert werden. Gegen acht Uhr morgens hatte er einen Mann beobachtet, der zu Fuß über den Weinhof ging. An der Synagoge schüttete er eine Flüssigkeit aus einer Flasche auf den Boden und zündete diese an. Sofort verständigte der Zeuge dann die Polizei und Minuten später hatte die Feuerwehr den Brand gelöscht. Der Sachschaden bleibt deswegen gering: Die Fassade und eine Glasscheibe sind an einer Ecke etwas verrußt.

Unbekannter Täter geflüchtet

Der Unbekannte sei in Richtung Fischergasse geflüchtet, heißt es von der Ulmer Polizei. Sofort leitete sie eine Fahndung ein mit Unterstützung von Beamten und Beamtinnen aus Bayern. Nach Beschreibung des Zeugen ist der Unbekannte etwa 1,80 Meter groß. Er trug einen dunklen Kapuzenpullover und eine weiße Schutzmaske. Außerdem eine blaue Jeans und weiße Turnschuhe mit schwarzen Streifen. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise.

Ein Mann in weißem Anzug - Spurenermittlung an der Ulmer Synagoge  (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Ermittler sichern Spuren nach dem Brandanschlag auf die Ulmer Synagoge. Isabella Hafner

Rabbiner: Brandanschlag auf Ulmer Synagoge war gezielt

Nach Einschätzung des Rabbiners der Ulmer Synagoge, Shneur Trebnik, handelt es sich nicht um einen spontanen, sondern um einen gezielten Anschlag. Erst kürzlich waren in Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt Protestplakate vor der Ulmer Synagoge aufgestellt worden.

Trebnik lobte den Zusammenhalt der Gesellschaft. Er sagte, es sei enorm, wie viel Solidarität und Zivilcourage die Gemeinde in den vergangenen Stunden erlebt habe. Dass ein Passant nicht wegschaue, sondern Polizei und Feuerwehr rufe, sei ein wichtiges Signal.

Keine Verletzten, Staatsschutz ermittelt

Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Das Gelände um die Synagoge ist zur Zeit weiträumig abgesperrt. Die Polizei ist vor Ort und auch der Staatsschutz ermittelt.

BW-Landesregierung verurteilt den Brandanschlag

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verurteilte den Brandanschlag auf die Synagoge als „niederträchtig“. In einer Pressemitteilung erklärte Kretschmann, der Vorfall zeige „das heimtückische Gesicht des Antisemitismus, dem wir klar und deutlich entgegentreten.“ Jüdischen Gemeinden wolle man beistehen. Kretschmann betonte, dass man schon nach den Anschlägen von Halle die Sicherheitsmaßnahmen in Baden-Württemberg verstärkt habe.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) erklärte auf Twitter, dass den Täter die volle Härte des Rechtsstaats treffen werde.

„Brandsätze gegen Synagogen zu werfen ist widerwärtig. Wer versucht eine Synagoge anzuzünden, den wird die volle Härte des Rechtsstaates treffen. Wir schützen jüdisches Leben und bekämpfen Antisemitismus“, so Innenminister Thomas Strobl zum Brandanschlag auf die Synagoge in Ulm.

Antisemitismus-Beauftragter des Landes meldet sich auf Twitter zu Wort

Michael Blume, der Beauftragte gegen Antisemitismus in Baden-Württemberg, spricht auf Twitter von einem Brandanschlag und verurteilt die Tat. Am Abend fand eine Mahnwache statt.

Der Beauftragte gg. #Antisemitismus BW verurteilt #Brandanschlag gg. die #Synagoge in #Ulm. Steht bereits mit #Polizei & jüd. Gemeinde in Verbindung. Keine Verletzten, Fahndung läuft. https://t.co/YdvoUZAM5K

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