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Mit zweimonatiger Verspätung wurden die Oscars verliehen. „Nomadland“ sicherte sich unter anderem den Titel als bester Film. Doch es gab auch eine große Überraschung.

Er war als Favorit in die Oscar-Gala gegangen und hat es geschafft: „Nomadland“ wurde als bester Film ausgezeichnet und hat damit den wohl wichtigsten Filmpreis der Welt gewonnen.

Oscars 2021: „Nomadland“ wird Favoritenrolle gerecht

Doch das war nicht die einzige Auszeichnung für „Nomadland“: Regisseurin Chloé Zhao gewann den Regie-Oscar. Sie ist erst die zweite Frau, die diesen Preis bekommt, und die erste weibliche Person of Colour mit dieser Auszeichnung. Außerdem wurde Hauptdarstellerin Frances McDormand als beste Schauspielerin mit einem Oscar ausgezeichnet.

Schauspieler und Filmproduzent Peter Spears (l-r), Schauspielerin Frances McDormand, Regisseurin Chloe Zhao, Filmproduzentin Mollye Asher und Produzent Dan Janvey mit dem Oscar für den besten Film für «Nomadland» (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die „Nomadland“-Gewinner: Regisseurin Chloé Zhao (Mitte) erhielt den Oscar für die beste Regie. Neben ihr Frances McDormand (links), die auch noch als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde. Picture Alliance

„Nomadland“ handelt von den modernen Nomaden der USA. Frances McDormand spielt eine Frau, die aus wirtschaftlicher Not ihr Hab und Gut in ein Auto lädt, ihre Kleinstadt verlässt und als Nomadin durch die USA zieht.

China verschweigt und zensiert Gewinnerin Zhao

Regisseurin Zhao ist zwar US-Amerikanerin, aber in Peking geboren und aufgewachsen, bis sie mit 15 an ein Internat in England geschickt wurde. Statt ihren Sieg bei den Oscars zu feiern, wollte China allerdings nichts davon wissen. Wichtige Staatsmedien, darunter die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und der Staatssender CCTV, berichteten zunächst überhaupt nicht über die Verleihung des Preises an die gebürtige Chinesin. Beiträge in sozialen Netzwerken dazu wurden teilweise gelöscht.

Nach ihrer Auszeichnung bei den Golden Globes Anfang März wurde sie von der chinesischen Zeitung Global Times noch als „Chinas Stolz“ gefeiert. Die Begeisterung der Volksrepublik hörte dann wohl allerdings auf, als ein altes Interview mit Zhao im chinesischen Internet auftauchte, in dem sie China als „Ort der Lügen“ kritisierte. Daraufhin wurden auch Informationen und Werbematerial für „Nomadland“ von Websites gelöscht.

Oscar-Gewinner Anthony Hopkins sorgt für Verwirrung

Als bester Schauspieler wurde Anthony Hopkins ausgezeichnet. Er bekam den Oscar für seine Darstellung eines Demenzkranken in dem Drama „The Father“. Die 83-jährige Hollywood-Legende ist damit der älteste Darsteller, der je einen Oscar bekommen hat.

Doch seine Auszeichnung sorgte auch ein bisschen für Verwirrung. Hopkins war nicht vor Ort und wurde auch nicht zugeschaltet, sodass die Oscar-Verleihung nur Sekunden nach Bekanntgabe seines Siegs plötzlich und für alle sehr unerwartet beendet wurde.

Das Ende war jetzt so: Ähhh puuhh, ja auch egal jetzt. Tschüss. Dann hätte ich halt wenigstens Best Actress zum Schluss gemacht. Unsinn. #Oscars

Auf dieses merkwürdige Ende erst einmal versuchen einzuschlafen. Gute Nacht! #Oscars

Trotz der weirdness am Ende, hat es Spaß gemacht mit euch. Gute Nacht ❤️ #Oscars

Überraschung am Ende: #AnthonyHopkins erhält für #TheFather den #Oscar als Bester Hauptdarsteller - 29 Jahre, nachdem er ihn für "Das Schweigen der Lämmer" bekam. Leider war er nicht präsent. Den Preis für den Besten Film nicht als letztes zu vergeben, war echt ein Flop. #Oscars https://t.co/xgv70ybpep

In der Kategorie „Bester Schauspieler“ war auch der im August 2020 verstorbene Chadwick Boseman nominiert gewesen. Vor der Preisverleihung war spekuliert worden, Boseman werde den Preis posthum gewinnen.

Kein Oscar für „Der Maulwurf – Ein Detektiv im Altersheim“

Die SWR-Koproduktion „Der Maulwurf – Ein Detektiv im Altersheim“ war in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert – konnte aber leider nicht gewinnen. Der Oscar ging an den Film „My Octopus Teacher“. Die Doku von Pippa Ehrlich und James Reed erzählt von der ungewöhnlichen Beziehung zwischen dem Taucher und Tierfilmer Craig Foster und einem Octopus-Weibchen.

„Der Maulwurf“ ist ein ziemlich ungewöhnlicher Dokumentarfilm über einen Rentner, der undercover in einem Altenheim herumschnüffelt. Der 83-jährige Sergio lässt sich selbst als Heimbewohner einweisen, spioniert aber in Wahrheit die Bewohner*innen aus, um Missstände aufzudecken. Der Film der chilenischen Regisseurin Maite Alberdi überrascht ein bisschen: Anstelle vermeintlicher Verstöße des Heimpersonals legen die Recherchen unfreiwillig offen, wie wenig sich viele Angehörige um ihre Verwandten im Heim kümmern – wie Sergio ermittelt, ist dabei trotz des ernsten Themas urkomisch.

Die Oscars in Zeiten der Corona-Pandemie

Nachdem die Oscar-Verleihung Anfang des Jahres wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, fand sie nun unter speziellen Sicherheitsbedingungen statt. Hauptschauplatz der 93. Verleihung der Academy Awards war dieses Mal nicht das Dolby Theatre. Die Preisverleihung fand im historischen Bahnhofsgebäude der Union Station in Los Angeles statt.

Außerdem durften statt mehr als 3.000 Zuschauern nur 170 Personen, die sich in einer „Sicherheitsblase“ befanden, teilnehmen. Alle Teilnehmer mussten zuvor mehrere Corona-Tests machen. Wegen der Reiseschwierigkeiten durch die Corona-Auflagen wurden einige Oscar-Kandidaten und Laudatoren auch von internationalen Standorten per Video zugeschaltet.

Mit Crocs auf dem Roten Teppich

Die Stars des Abends liefen aber trotz allem über den – wenn auch kurzen – Roten Teppich. Dabei gab es neben den gewohnten Designer-Roben auch ein paar ungewöhnlichere Looks.

Einen davon lieferte Questlove – er kam mit goldenen Crocs zu den Oscars. Doch den bequemen Look kann man dem Musiker nicht einmal übel nehmen. Questlove ersetzte nämlich das Orchester und war für die musikalische Untermalung zuständig. Das heißt, er verbrachte die ganze Show stehend hinter seinem DJ-Pult.

Musiker Questlove kam mit ungewöhnlichem Schuwerk zur großen Gala... Der Produzenten und Schlagzeuger, der mit richtigem Namen Ahmir Khalib Thompson heißt, hatte sich für goldene Crocs entschieden. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Musiker Questlove kam mit ungewöhnlichem Schuwerk zur großen Gala... Der Produzenten und Schlagzeuger, der mit richtigem Namen Ahmir Khalib Thompson heißt, hatte sich für goldene Crocs entschieden. Picture Alliance

Nicht nur das Orchester war wegen der Corona-Regeln gestrichen worden, insgesamt gab es während der Oscar-Show keine großen Showeinlagen. Nicht einmal als es um die Preise für die Filmmusik ging, gab es Live-Auftritte. Doch ein verstecktes Highlight hatte die Preisverleihung dann doch noch: Bei einem Musikquiz legte Glenn Close eine Tanzeinlage ein – das Publikum war begeistert.

Glenn Close, everyone! #Oscars https://t.co/akwOxvRS6s

Oscars 2021 – die Gewinner, alle Nominierten:

Bester Film

  • The Father
  • Judas and the Black Messiah
  • Mank
  • Minari
  • Nomadland
  • Promising Young Woman
  • Sound of Metal
  • The Trial of the Chicago 7

Beste Hauptdarstellerin

  • Viola Davis ("Ma Rainey's Black Bottom")
  • Andra Day ("The United States vs. Billie Holiday")
  • Vanessa Kirby ("Pieces of a Woman")
  • Frances McDormand ("Nomadland")
  • Carey Mulligan ("Promising Young Woman")

Bester Hauptdarsteller

  • Riz Ahmed ("Sound of Metal")
  • Chadwick Boseman ("Ma Rainey's Black Bottom")
  • Anthony Hopkins ("The Father")
  • Gary Oldman ("Mank")
  • Steven Yeun ("Minari")

Beste Nebendarstellerin

  • Maria Bakalova ("Borat Subsequent Moviefilm")
  • Glenn Close ("Hillbilly Elegy")
  • Olivia Colman ("The Father")
  • Amanda Seyfried ("Mank")
  • Yuh-Jung Youn ("Minari")

Bester Nebendarsteller

  • Sacha Baron Cohen ("The Trial of the Chicago 7")
  • Daniel Kaluuya ("Judas and the Black Messiah")
  • Leslie Odom, Jr. ("One Night in Miami...")
  • Paul Raci ("Sound of Metal")
  • LaKeith Stanfield ("Judas and the Black Messiah")

Beste Regie

  • Thomas Vinterberg ("Der Rausch")
  • David Fincher ("Mank")
  • Lee Isaac Chung ("Minari")
  • Chloé Zhao ("Nomadland")
  • Emerald Fennell ("Promising Young Woman")

Bester internationaler Film

  • Der Rausch (Dänemark)
  • Better Days (Hong Kong)
  • Collective (Rumänien)
  • The Man who Sold his Skin (Tunesien)
  • Quo Vadis, Aida? (Bosnien-Herzegowina)

Bester Animationsfilm

  • Onward - Keine halben Sachen
  • Over the Moon
  • A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
  • Soul
  • Wolfwalkers

Bester Dokumentarfilm

  • Collective
  • Crip Camp
  • The Mole Agent
  • My Octopus Teacher
  • Time

Bestes Originaldrehbuch

  • Judas and the Black Messiah
  • Minari
  • Promising Young Woman
  • Sound of Metal
  • The Trial of the Chicago 7

Bestes adaptiertes Drehbuch

  • Borat Subsequent Moviefilm
  • The Father
  • Nomadland
  • One Night in Miami...
  • The White Tiger

Beste Kamera

  • Sean Bobbitt ("Judas and the Black Messiah")
  • Erik Messerschmidt ("Mank")
  • Dariusz Wolski ("News of the World")
  • Joshua James Richards ("Nomadland")
  • Phedon Papamichael ("The Trial of the Chicago 7")

Bestes Kostümdesign

  • Alexandra Byrne ("Emma")
  • Ann Roth ("Ma Rainey's Black Bottom")
  • Trish Summerville ("Mank")
  • Bina Daigeler ("Mulan")
  • Massimo Cantini Parrini ("Pinocchio")

Bester Schnitt

  • Yorgos Lamprinos ("The Father")
  • Chloé Zhao ("Nomadland")
  • Frédéric Thoraval ("Promising Young Woman")
  • Mikkel E. G. Nielsen ("Sound of Metal")
  • Alan Baumgarten ("The Trial of the Chicago 7")

Beste Original-Filmmusik

  • Da 5 Bloods
  • Mank
  • Minari
  • News of the World
  • Soul

Bester Original-Filmsong

  • Fight for You ("Judas and the Black Messiah")
  • Hear My Voice ("The Trial of the Chicago 7")
  • Húsavik ("Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga")
  • Io sì (Seen) ("The Life Ahead"/"La Vita Davanti a Se")
  • Speak Now ("One Night in Miami...")

Bestes Produktionsdesign

  • The Father
  • Ma Rainey's Black Bottom
  • Mank
  • News of the World
  • Tenet

Bester Kurzfilm

  • Feeling Through
  • The Letter Room
  • The Present
  • Two Distant Strangers
  • White Eye

Bester Kurz-Dokumentarfilm

  • Colette
  • A Concerto is a Conversation
  • Do not Split
  • Hunger Ward
  • A Love Song for Latasha

Bester animierter Kurzfilm

  • Burrow
  • Genius Loci
  • If Anything Happens I Love You
  • Opera
  • Yes-People

Bestes Make-up

  • Emma
  • Hillbilly Elegy
  • Ma Rainey's Black Bottom
  • Mank
  • Pinocchio

Bester Ton

  • Greyhound
  • Mank
  • News of the World
  • Soul
  • Sound of Metal

Beste visuelle Effekte

  • Love and Monsters
  • The Midnight Sky
  • Mulan
  • The One and Only Ivan
  • Tenet
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