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Hans Liedtke
Hans Liedtke (Foto: SWR3)
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Katrin Stöver-Böhm
Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)

Will Smith hat Chris Rock live auf der Bühne bei den Oscars eine schallende Ohrfeige gegeben. Jetzt bestraft ihn die Oscar-Akademie.

Keine Ohrfeige dürfte derzeit so bekannt sein wie die, die Will Smith Chris Rock am Abend der Oscar-Verleihung verpasste. Viele hat geschockt, dass die Gala anschließend einfach weiterging: Smith bekam einen Oscar, alle applaudierten stehend. Jetzt gibt es Konsequenzen.

Oscar-Akademie hat entschieden

Hollywood-Star Smith wird nach dem Ohrfeigen-Eklat bei der diesjährigen Oscar-Gala für zehn Jahre von allen Oscar-Zeremonien ausgeschlossen. Der Schauspieler und Oscar-Preisträger wird in der Zeit auch keine andere Veranstaltung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences besuchen dürfen, wie die Leitung der Organisation mitteilte.

ARD-Korrespondent Marcus Schuler sagt, dass das noch nicht die härteste Strafe sei: Die schwerwiegendere Option hätte sein können, dass er für zukünftige Oscar-Nominierungen gesperrt wird.

Nach dem Eklat seien viele Hollywood-Studios bereits auf Distanz zu dem 53-Jährigen gegangen, berichtet Schuler. Es könnte für Smith also ohnehin in den nächsten Jahren schwierig werden, einen Film zu drehen. Den diesjährigen Oscar für seine Rolle im Film „King Richard“ wird er aber wohl nicht abgeben müssen.

Will Smith (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Invision/AP | Chris Pizzello)

Nachrichten Unerwünscht: Kein Oscar-Zutritt für Will Smith für zehn Jahre

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Nach Ohrfeige: Will Smith zieht Konsequenzen

Fünf Tage nach dem Eklat hatte sich Will Smith erneut zu Wort gemeldet: „Ich trete aus der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zurück und werde alle weiteren Konsequenzen akzeptieren“, schrieb der US-Schauspieler in einer Erklärung, die das Magazin Variety veröffentlichte.

Sein Verhalten bei der Oscar-Verleihung sei „empörend, schmerzlich und unentschuldbar“ gewesen, erklärte der Schauspieler. Er habe das Vertrauen der Akademie missbraucht und andere Nominierte und Sieger der Gelegenheit beraubt, zu feiern und sich für ihre außerordentliche Arbeit feiern zu lassen, so der Hollywood-Star. Er sei untröstlich und wolle den Fokus wieder auf diejenigen richten, die für ihre Leistung Aufmerksamkeit verdienten.

Er wolle daran arbeiten sicherzustellen, dass er es niemals wieder zulassen werde, dass Gewalt die Oberhand über die Vernunft gewinne, schloss Smith seine Erklärung.

Was war passiert?

Chris Rock stand auf der Bühne und hielt die Rede vor der Auszeichnung zum besten Dokumentarfilm. Der Schauspieler, Regisseur und Komiker witzelte und frotzelte über verschiedene Schauspielerpaare – auch über Will Smith und seine Frau Jada Pinkett Smith. „G.I. Jane 2 – ich kann es nicht abwarten, das zu sehen“, sagte Chris Rock und spielte auf den Film „G.I. Jane“ an. Darin rasiert sich Demi Moore als Soldatin den Kopf.

Will Smith gibt Chris Rock während der Oscar-Gala eine Ohrfeige

Zunächst lachte Will Smith darüber, doch dann stand er von seinem Platz auf. Er lief zur Bühne und gab seinem Kollegen eine Ohrfeige. Danach kehrte er auf seinen Platz zurück und rief zweimal laut in Rocks Richtung: „Lass den Namen meiner Frau aus deinem verdammten Mund!“ Dabei benutzte er zweimal das im US-Fernsehen verpönte Wort „fucking“, das in der US-Übertragung mit einem Piepton übertönt wurde. Warum aber ist Will Smith so ausgetickt? Hintergrund könnte sein, dass seine Frau Jada Pinkett Smith an einer Erkrankung leidet, durch die ihr die Haare ausfallen. Auf Instagram hatte sie darüber berichtet.

Will Smith kurz nach der Ohrfeige als bester Schauspieler ausgezeichnet

Kurze Zeit später kam Smith erneut auf die Bühne – diesmal allerdings, um den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in dem Film „King Richard“ abzuholen. Smith spielt darin den Vater der beiden Tennis-Spielerinnen Serena und Venus Williams. Als er den Preis abholte, entschuldigte er sich unter Tränen für den Vorfall – was dafür spricht, dass die Ohrfeige nicht abgesprochen war.

Polizei wollte Will Smith nach Ohrfeige sofort festnehmen

Hinter den Kulissen allerdings sah es offenbar nicht so entspannt aus wie im Saal. Smith sei unmittelbar nach dem Angriff aufgefordert worden zu gehen – und habe sich geweigert, hieß es. Doch die Sache war wohl noch brisanter: Laut dem Produzent der Oscar-Show, Will Packer, stand die Polizei wohl bereit, um Smith sofort mitzunehmen – wegen Körperverletzung.

Das hätten die Beamten Chris Rock auch gesagt. Damit sie hätten tätig werden können, hätte Rock allerdings Anzeige erstatten müssen. Chris Rock habe aber „sehr ablehnend“ auf den Vorschlag der Beamten reagiert. „Er meinte: ‚Mir geht es gut‘“, schilderte Packer die Reaktion des Komikers. Die Nachfrage der Polizisten, ob sie in der Angelegenheit irgendetwas unternehmen sollten, habe Rock verneint.

Smith entschuldigt sich auch bei Rock – einen Tag später

Später entschuldigte sich Smith auch bei Komiker Chris Rock – wenn auch erst am nächsten Tag. Auf Instagram schrieb er am Tag nach der Oscar-Verleihung: „Mein Verhalten bei den Academy Awards war inakzeptabel und unentschuldbar.“ Der Vorfall sei ihm peinlich. Er erklärte, wie es zu der Ohrfeige kam und was seine Frau damit zu tun hatte: „Witze auf meine Kosten sind Teil des Jobs, aber ein Witz über Jadas Gesundheitszustand war zu viel für mich zu ertragen und ich habe emotional reagiert.“

Oscar als beste Hauptdarstellerin für Jessica Chastain

Schauspielerin Jessica Chastain gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für „The Eyes Of Tammy Faye“. Chastain setzte sich mit ihrem ersten Oscar gegen Olivia Colman, Penélope Cruz, Nicole Kidman und Kristen Stewart durch.

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Oscar für besten Soundtrack geht an Hans Zimmer

Der aus Deutschland stammende Komponist Hans Zimmer hat einen Oscar gewonnen. Der 64-Jährige wird für die Filmmusik zum Science-Fiction-Epos „Dune“ ausgezeichnet.

It’s 2am in Amsterdam, and my daughter Zoë woke me up to go to the hotel bar. Wow!! #Oscars https://t.co/VlwnrElkaL

Für Zimmer, der seit Langem in den USA lebt, ist es bereits der zweite Oscar. In den 1990ern war er bereits für die Musik zum Disney-Zeichentrickfilm „Der König der Löwen“ ausgezeichnet worden.

Hans Zimmer hat den Oscar 2022 für die beste Filmmusik in  „Dune“ gewonnen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen)
Hans Zimmer hat den Oscar 2022 für die beste Filmmusik in „Dune“ gewonnen. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen

Gerd Nefzer gewinnt Oscar für visuelle Effekte in „Dune“

Doch Zimmer ist nicht der einzige Deutsche, der einen der begehrten Preise mit nach Hause nehmen darf. Gerd Nefzer hat den Oscar in der Kategorie Visuelle Effekte ebenfalls mit „Dune“ gewonnen. Das Sciene-Fiction-Epos bekam insgesamt die meisten Auszeichnungen.
Gerd Nefzer war am 27.03. bei Talk mit Thees zu Gast und hat dort mehr über seine Arbeit erzählt:

Talk Mit Thees (Foto: SWR)

Talk mit Thees Gerd Nefzer (Oscar-Preisträger)

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„Coda“ bekommt Oscar als bester Film

Die Tragikomödie „Coda“ hat den Oscar als bester Film gewonnen. Regisseurin Siân Heder erzählt darin von einem Mädchen, das in einer gehörlosen Fischer-Familie aufwächst. Der Film gewann insgesamt drei Auszeichnungen, wie die US-Filmakademie in der Nacht zum Montag bekannt gab. Erstmals hat damit ein Film eines Streamingdienstes den Oscar in dieser Kategorie geholt – der Film läuft beim Anbieter Apple TV+.

Der Western „The Power of the Dog“ von Jane Campion, der mit zwölf Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen war, gewann letztlich nur eine Auszeichnung für die beste Regie.

„Drive my Car“ gewinnt Oscar als bester internationaler Film

Das japanische Drama „Drive My Car“ von Regisseur Ryusuke Hamaguchi hat den Oscar als bester internationaler Film gewonnen. Der dreistündige Film setzte sich bei der Oscar-Zeremonie am 27. März gegen „Flee“ aus Dänemark, „Die Hand Gottes“ aus Italien, „Lunana: Das Glück liegt im Himalaya“ aus Bhutan und „Der schlimmste Mensch der Welt“ aus Norwegen durch. Der deutsche Kandidat für den Auslands-Oscar, „Ich bin dein Mensch“, hatte es nicht in die Endauswahl geschafft.

Oscars 2022: Schweigeminute für die Ukraine

Kurz nach der Vergabe des Auslands-Oscars wurde bei der Gala im Dolby Theatre in Hollywood eine Schweigeminute für die Ukraine abgehalten. In einer Botschaft auf der Leinwand auf der Bühne wurde dazu aufgerufen, „unsere Unterstützung für die Menschen in der Ukraine“ deutlich zu machen, die Opfer einer „Invasion“ seien. „Wir bitten Sie, der Ukraine auf jede erdenkliche Weise zu helfen“, hieß es weiter.

Bereits vor Beginn der Verleihung zeigten sich mehrere Stars auf dem roten Teppich mit blauen Schleifen, die die Aufschrift #WithRefugees (Mit Flüchtlingen) tragen. Diese sollen als Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen aus der Ukraine und anderen Krisengebieten stehen. Unter anderem die Schauspieler Jamie Lee Curtis und Samuel L. Jackson wurden mit solchen Schleifen fotografiert.

Sean Penn ruft zum Boykott der Gala auf – Selenskyj wurde nicht zugeschaltet

Schauspieler Sean Penn hatte zu einem Boykott der Oscar-Gala aufgerufen, wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht dabei wäre. Er sollte live zugeschaltet werden. Und Penn drohte mit weiteren Konsequenzen: Er wolle dann seine Oscar-Statuen „einschmelzen“. Präsident Selenskyj wurde im Dolby Theatre aber nicht zugeschaltet.

Penn ist selbst zweifacher Oscar-Gewinner, kritisierte die Veranstalter aber schon vor der Verleihung der wichtigsten Filmpreise. In einem Interview mit CNN sagte Penn, ein Erscheinen von Selenskyj bei der Show vor einem Millionenpublikum sei eine großartige Gelegenheit für eine Ansprache. Penn befürchtete aber, dass die Filmakademie das nicht weiter verfolgt habe. In diesem Fall wäre das der „schamloseste Moment in der Geschichte Hollywoods“.

ICYMI: Actor Sean Penn says the Oscars should be boycotted if the ceremony’s planners have decided against having Zelensky on the program. https://t.co/4LI2YIiKcD

Penn ist zurzeit in Polen und unterstützt dort mit seiner Hilfsorganisation Core ukrainische Flüchtlinge. Er hat Selenskyj auch schon mehrmals getroffen. Der Schauspieler und Regisseur arbeitet an einer Dokumentation über den Ukraine-Krieg.

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