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Es ging um Sprengstoffexplosionen bei Lebensmittelfirmen: Im Prozess gegen einen Ulmer Rentner sah das Gericht einfach nicht genug Beweise für seine Schuld.

Der Fall hatte im Februar Furore gemacht: Die Serie der explosiven Postsendungen hatte am 16. Februar in Eppelheim in Baden-Württemberg begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden, als er ein Paket annahm.

Am Folgetag kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale im baden-württembergischen Neckarsulm zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen und entschärft.

Richter: Im Zweifel für den Angeklagten

Kurz darauf wurde der Ulmer Rentner verhaftet. Seitdem beteuerte er allerdings seine Unschuld. Ein Video, das die Polizei zuvor veröffentlicht hatte, schien ihn zu überführen (hier könnt ihr das Video sehen).

Ein von der Polizei herausgegebenes Video zeigt die Übergabe einer der Briefbomben in Ulm. (Foto: Screenshot: Polizei)
Ein von der Polizei herausgegebenes Video zeigt die Übergabe einer der Briefbomben in Ulm. Screenshot: Polizei

Jetzt der Freispruch. Begründung: Wie der Vorsitzende Richter Markus Krumme in der Urteilsbegründung betonte, seien trotz umfassender Beweisaufnahme und akribischer Kleinarbeit der Ermittler Zweifel an der Täterschaft des Mannes nicht ausgeräumt worden. Deshalb gelte das Prinzip „im Zweifel für den Angeklagten“.

Ende eines „Alptraums“ – Ulmer Rentner erhält Entschädigung

Der Mann muss laut dem Urteil lediglich eine Geldstrafe von 1.800 Euro wegen unerlaubten Waffenbesitzes zahlen. Er hatte dem Gericht zufolge illegal alte Bundeswehrmunition gelagert. Zudem sprach das Gericht dem 66-Jährigen aus dem Raum Ulm eine Entschädigung zu.

Der kleine Mann mit schütterem Haar zeigte sich erleichtert. „Hören Sie nicht den Knall?“, sagte der 67-Jährige auf die Frage, wie es ihm nach dem Freispruch gehe. „Das ist der Stein, der mir vom Herzen fällt“, fügte der Mann in Jeans und Karohemd hinzu. Hinter ihm liegen über 200 Tage in Untersuchungshaft. Erst kürzlich war der Rentner dann mangels dringenden Tatverdachts auf freien Fuß gesetzt worden. Für seinen Mandanten gehe ein Alptraum zu Ende, so sein Verteidiger.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 5. Dezember, 14:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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