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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

„Der Herr hat's gegeben“: Papst Franziskus hat wohl viel Geld locker gemacht – für eine Tat der Nächstenliebe. Sicherheitsexperten sind nicht begeistert.

Die Angestellten der britischen „Inkerman Group“ müssen ein Haufen harter Burschen sein. Auf ihrer Homepage bietet die Firma Dienstleistungen an, wie: Bewachung, Personenschutz, Krisenmanagement. Der letzte Angebotspunkt auf der Liste: „Special Investigations“, zu deutsch: Sonderermittlungen.

Nonne kam nach vier Jahren frei – dank Lösegeld aus dem Vatikan?

Im vergangenen Jahr haben sie damit wohl knapp eine Million Euro eingenommen, die aus einer besonderen Quelle kamen: dem Vatikan. Das hat jedenfalls Kardinal Angelo Becciu gesagt, der dort gerade wegen einer anderen kostspieligen Sache vor Gericht steht.

Papst Franziskus und die befreite Kolumbianerin Gloria Cecilia Narvaez Argori. (Foto: IMAGO, IMAGO / Independent Photo Agency Int.)
Er hat sich „um die Seinen“ gekümmert: Papst Franziskus und die befreite Kolumbianerin Gloria Cecilia Narvaez Argori. IMAGO / Independent Photo Agency Int.

Ihm zufolge hat Papst Franziskus die Zahlung von knapp über einer Million Euro autorisiert, um eine im afrikanischen Mali verschleppte Nonne zu befreien. Mit Erfolg: Im Oktober kam die Kolumbianerin Gloria Cecilia Narvaez Argori frei.

Wenige Tage später konnte man sie bei einer Papstaudienz in Rom sehen (siehe Foto). Da hatte sie vier Jahre in der Hand islamischer Extremisten in Mali verbracht. Das Land, in dem auch die Bundeswehr aktiv ist, beherbergt mindestens fünf verschiedene Al-Kaida-Gruppen sowie den IS. Entführungen gelten dort als eine Art Volkssport – ein gefährliches Pflaster also.

Kardinal: Papst willigt in die Zahlungen ein

Am Donnerstag sagte Becciu vor Gericht dass der Papst selbst eingewilligt habe, die britische Sicherheitsfirma „The Inkerman Group“ anzuheuern, um die Nonne zu finden und aus der Hand der Terroristen zu befreien.

Das hat ihm nach eigener Aussage eine selbsternannte vatikanische Sicherheitsexpertin geraten: Cecilia Marogna, die mit ihm zusammen vor Gericht steht. Sie habe die Auftragsvergabe an Inkerman empfohlen, den Kontakt hergestellt – und immer wieder Geld in London abgeliefert.

Kardinal: Verhandlungen geschahen mit vollem Wissen des Papstes

Echte Sicherheitsleute raufen sich die Haare: Wenn bekannt wird, dass der Vatikan hohe Lösegelder zur Befreiung der Seinen lockermacht, so die Befürchtung, dürfte die nächste Entführung nur eine Frage der Zeit sein.

Becciu sagte, er habe unter Geheimhaltung aber mit vollem Wissen des Papstes, mit der Inkerman Group verhandelt. Die habe ihm gleich gesagt, die Befreiungsaktion könne bis zu einer Million Euro kosten. Seine Aussage gibt auch Einlick, wie so etwas funktioniert:

In einem der folgenden Treffen sprach ich in Rom mit dem Heiligen Vater ausführlicher über unsere Unterhaltung mit den Inkermans und die in etwa mögliche Summer: rund eine Million Euro – teils um den Aufbau eines Netzwerks von Kontakten zu finanzieren, teils für die eigentliche Befreiung der Nonne. Ich sagte zu ihm, mehr sollten wir nicht investieren. Er stimmte zu.

Vom Spitzenkardinal zum Angeklagten

Becciu war einst einer der Spitzenberater des Papstes. Als einziger Kardinal ist er in einem aufsehenerregenden Prozess um ein Immobiliengeschäft des Vatikans mit Millionenverlusten in London angeklagt. Seine Mitangeklagte: Cecilia Marogna.

Übrigens: Beccious Aussage kam zustande, weil er zuvor von seiner Geheimhaltungspflicht entbunden worden war. Und zwar von Papst Franziskus.

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