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Papst Franziskus hat die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften gefordert. Damit ist er der erste Papst, der sich öffentlich für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausgesprochen hat.

So deutlich hat sich ein Papst noch nie für gleichgeschlechtliche Parnterschaften ausgesprochen: „Wir müssen ein Gesetz über eingetragene Lebenspartnerschaften schaffen, so sind sie rechtlich geschützt“, sagt Papst Franziskus in dem Film „Francesco“, der am Mittwochabend beim einem Filmfestival in Rom präsentiert wurde.

Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes, sie haben das Recht auf eine Familie.

Papst bekommt Lob von homosexuellen Aktivisten

Damit ist Franziskus der erste Papst überhaupt, der sich öffentlich für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausgesprochen hat. Von homosexuellen Aktivisten wurden die Aussagen des Papstes gefeiert, aus Reihen der katholischen Kirche gab es aber auch Kritik.

Konservative Geistliche forderten eine Klärung, weil Franziskus mit diesen Aussagen der offiziellen Position des Vatikans widersprochen hat. Im Katholischen Katechismus — ein Werk in dem die grundlegenden Inhalte des katholischen Glaubens geregelt sind — heißt es, dass homosexuelle Handlungen „nicht in Ordnung sind“.

Nicht die erste Äußerung von Franziskus

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Papst Franziskus zum Thema Homosexualität geäußert hat. 2013 hatte er sich aber deutlich vorsichtiger ausgedrückt und gesagt: „Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen?“

Seit Beginn seiner Amtszeit habe er sich stets für Respekt gegenüber Homosexuellen und gegen deren Diskriminierung ausgesprochen, hat die Vatikan-Expertin Vania de Luca beim italienischen Sender Rainews gesagt. Neu sei aber, dass er als Papst ein Recht auf zivile Partnerschaften verteidige.

Die jüngsten Äußerungen des Papstes sind auf kein spezielles Land bezogen. Mit seinen Aussagen in dem Dokumentarfilm „Francesco“ kommentiert er den Bericht eines homosexuellen Mannes von seiner Partnerschaft und seinen drei Kindern. Diese hatten ihm zuvor über ihre Angst geschrieben, in ihrer Pfarrei in Rom nicht akzeptiert zu werden.

Unterschied zur Ehe zwischen Mann und Frau

Mit seinen Aussagen bestätigt Franziskus eine Haltung, die von Theologen, aber auch Kardinälen und Bischöfen bereits früher geäußert wurde. Demnach brauchen homosexuelle Paare von Seiten des Staates Rechtssicherheit. Trotzdem sieht der Papst einen Unterschied zur Ehe zwischen Mann und Frau. Diese müsse von anderen Verbindungen unterschieden werden, hatte er 2016 gesagt.

Was manche als spektakulären Kurswechsel bewerten, hält SWR-Religionsexperte Jörg Vins für eine Privatmeinung, die noch Probleme bereiten werde.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. September, 14:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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