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Während der Nordischen Ski-WM 2019 ist bei der „Operation Aderlass“ ein internationales Dopingnetzwerk aufgeflogen. Jetzt beginnt der Prozess gegen einen Erfurter Sportmediziner.

Der Mediziner Mark S. aus Erfurt soll gemeinsam mit vier Komplizen jahrelang Sportler gedopt haben — vor allem Rad- und Wintersportler. Die fünf Männer sitzen seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft.

Sie sind die mutmaßlichen Hintermänner eines Doping-Netzwerks, das bei der Nordischen Ski-WM 2019 im österreichischen Seefeld aufgedeckt wurde. Vor allem ein Bild ging damals um die Welt: Der Langläufer Max Hauke wurde von der Polizeirazzia überrascht, als er die Nadel der Bluttransfusion noch im Arm hatte.

Max Hauke (Austrian Nordic skier) - allegedly caught #doping #Seefeld2019 @seefeld2019 https://t.co/liRAVGffAx https://t.co/1O6pNPLOAw

NADA-Chef: Neue Dimension von Doping

Die „Operation Aderlass“ habe damals eine ganz neue Dimension von Doping im Sport aufgedeckt, sagte der Chef der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), Lars Mortsiefer, bei SWR3:

Doping von Sportlern seit 2011

Der Arzt Mark S. soll 2011 soll damit begonnen haben Sportler zu dopen. Von 2014 an soll er Helfer gehabt haben, die Transporte übernahmen und auch die Blutabnahme sowie Blutzufuhr bei den Sportlern durchführten. Den Angeklagten wird gewerbsmäßige und zum Teil bandenmäßige Anwendung verbotener Doping-Methoden oder die Beihilfe dazu vorgeworfen.

Die bekanntesten Sportler, die bei der „Operation Aderlass“ genannt werden, sind die ehemaligen Radprofis Alessandro Petacchi und Danilo Hondo. Der Italiener bestreitet eine Zusammenarbeit mit Mark S. — Hondo hat den Dopingmissbrauch eingeräumt.

Im Prozess vor dem Münchner Landgericht sitzen jetzt auch nur der Arzt und die vier Helfer auf der Anklagebank — keine Sportler. Für den Prozess sind rund 30 Zeugen geladen. Ein Urteil könnte kurz vor Weihnachten fallen.

Doping-Skandal durch ARD-Doku aufgedeckt

Die Affäre wurde durch Aussagen des österreichischen Langläufers Johannes Dürr in der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping: Die Gier nach Gold — Der Weg in die Dopingfalle“ ins Rollen gebracht. Daraufhin begann die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen, die zu den Razzien am 27. Februar 2019 führten.

In Österreich hat es auch schon Prozesse gegen involvierte Wintersportler gegeben — unter anderem auch gegen Dürr. Langläufer Max Hauke — der mit der Nadel im Arm erwischt wurde — wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Deutsche Athleten, die bei den Ermittlungen aufgefallen waren, dopten zu einer Zeit, als das in Deutschland noch nicht strafbar war. Das Anti-Doping-Gesetz gibt es hier erst seit Ende 2015.

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