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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Ein Stich der Feuerqualle brennt und tut weh, seit Mitte Juni herrscht eine Plage. Doch zum Glück ist es nicht der „box jellyfish“, laut Forschern der „Ferrari des Todes“...

Quallen scheinen generell übermütige kleine Tierchen zu sein. Denn sie sind zwar nur ungefähr so groß wie ein Apfel – und Menschen dadurch in Sachen Größe hoffnungslos unterlegen. Trotzdem legt sich die Feuerqualle mit dem lateinischen Namen Pelagia noctiluca vor den Küsten Korsikas und der Côte d'Azur immer wieder mit Urlaubern an.

Eine Feuerqualle 2013 am Ostseestrand von Rostock-Warnemünde  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Bernd Wüstneck)
Eine Feuerqualle 2013 am Ostseestrand von Rostock-Warnemünde picture alliance / dpa | Bernd Wüstneck

Qualle „Pelagia noctiluca“ nervt Urlauber im Mittelmeer

Das liegt aber laut Ozeanograf Fabien Lombard daran, dass sie einfach nicht sieht, wen sie da vor sich hat:

Quallen sind blind und stechen daher alles, was ihnen begegnet, um zu probieren, ob sie es fressen können.

Sie injizieren Nervengift, um ihre Beute zu lähmen, und Enzyme, um sie zu verdauen", erklärt Lombard. Weil die Feuerqualle also aus ihren Tentakeln winzig kleine Harpunen mit einem giftigen Cocktail abschießt, ist die Begegnung mit der lila Qualle schmerzhaft.

Feuerquallen bereits seit Juni im Mittelmeer

Seit Mitte Juni hat sich die Feuerqualle vor den Küsten der Mittelmeerinsel Korsika und an der Côte d'Azur in Südfrankreich explosionsartig vermehrt. Aber zum Glück ist sie bei weitem nicht so gefährlich wie ihre Verwandten, die in den tropischen Gewässern im Norden von Australien zuhause sind: tödliche Würfelquallen, auf englisch „box jellyfish". Die Biologin Lisa Gershwin sprach im Interview mit australischen Medien vom „Ferrari des Todes mit eingebautem Kompressor“ („supercharged Ferrari of death“).

‘Heck of a find’: Unknown box jellyfish species spotted in Cronulla | @angus_dalton https://t.co/96wLmzjYAt

Die lila Qualle hat einen tödlichen Verwandten

Die Würfelquallen stammen aus der Gruppe der Seewespen, die als die giftigsten Tiere der Welt gelten. Ihre Nesselzellen, die an bis zu drei Meter langen Tentakeln sitzen, können einen Menschen innerhalb weniger Minuten töten. Wer sichergehen will, geht mit einem nesselsicheren Surf-, Tauch- oder Quallenschutzanzug baden.

Quallen in der Ostsee – und zuhause im Aquarium

Generell sind Quallen aber mehr als nur nervige, schmerzhafte – oder in Extremfällen tödliche – Tiere. Firmen verwenden ihr Collagen, also ein Protein, teilweise für Windeln und Tampons, um Feuchtigkeit zu binden. Es könne sogar dazu beitragen, Beton flexibler und damit erdbebenfester zu machen, sagt der Meeresforscher Fabien Lombard. Außerdem will die US-Raumfahrtbehörde Nasa mithilfe von Quallen herausfinden, wie auch in der Schwerelosigkeit Fortpflanzung möglich ist.

Die YouTuberin Jette alias „The Jellyfish Experience“ besitzt Quallen als Haustiere:

Haben Quallen mittlerweile zu wenige Fressfeinde?

Forscher haben mehrere Vermutungen, warum es in der freien Natur immer wieder so viele Quallen gibt wie jetzt vor den Mittelmeer-Küsten. Eine der Thesen lautet, Schuld daran sei letztlich der Mensch, der zu viele Thunfische und Meeresschildkröten fange und damit die natürlichen Fressfeinde. Eine Möglichkeit sei, dass deswegen nun der Mensch einspringe und die Quallen aufesse, damit sie weniger werden – natürlich nur die ungiftigen. Das hat die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO schon 2013 vorgeschlagen. Na dann: Guten Appetit!

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Radionachrichten 11. August, 7:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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