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Der Sänger R. Kelly ist im Prozess um Missbrauchsvorwürfe für schuldig befunden worden. Kelly hält weiter daran fest, nicht schuldig zu sein und will offenbar in Berufung gehen.

In einem Prozess um sexuellen Missbrauch wurde R. Kelly in allen neun Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die Jury – sieben Männer und fünf Frauen – hatte zuvor mehrere Stunden beraten.

Welche Strafe bekommt R. Kelly?

Welche Strafe der US-Musiker bekommt, ist noch unklar. Das Strafmaß gegen den 54-Jährigen soll erst am 4. Mai verkündet werden. Kelly – der mit „I Believe I Can Fly“ bekannt wurde – droht eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang. Er sitzt bereits seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis.

Missbrauchsprozess gegen R. Kelly

Dem Sänger wird vorgeworfen, jahrzehntelang Frauen, Mädchen und Jungen missbraucht und ausgebeutet zu haben. Laut Staatsanwaltschaft hatte Kelly sich dafür ein Netzwerk von Helfern aufgebaut. Der 54-Jährige selbst hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Vor Gericht stellte sein Anwalt Deveraux Cannick ihn als „Sexsymbol“ dar, das ganz einfach ein „Playboy-Leben“ geführt habe.

Dieses Urteil brandmarkt R. Kelly für immer als Raubtier, das seinen Ruhm und seinen Reichtum genutzt hat, um junge, verletzliche und stimmlose Menschen für seine eigene sexuelle Befriedigung auszubeuten.

Der Prozess fand in New York statt und hat rund sechs Wochen gedauert. Mehrere ehemalige Mitarbeiter hatten währenddessen ausgesagt. Außerdem lieferte der Sänger viele Beweisstücke selbst, da er Briefe seiner Opfer sammelte oder Videos gemacht hatte.

Kellys Anwalt will Berufung einlegen

R. Kelly selbst hatte sich während des gesamten Verfahrens nicht vor Gericht geäußert, es aber im Gerichtssaal verfolgt. Erst nach dem Urteil hat sich R. Kelly auf seiner Facebookseite mit einem Post gemeldet, der aber mittlerweile wieder gelöscht ist.

Laut Medienberichten habe er darin geschrieben, dass das heutige Urteil enttäuschend für ihn sei und er auch weiterhin seine Unschuld beweisen und für seine Freiheit kämpfen wolle. Die Nachricht habe R. Kelly mit dem Hashtag #notguilty versehen. Diese Berichte decken sich mit einem Tweet, den die Musik- und Unterhaltungswebsite UPROXX Music von R. Kellys Facebook-Post veröffentlicht hat:

R. Kelly shares a statement after being found guilty: ‘I will continue to prove my innocence.’ 🧑‍⚖️ https://t.co/mjfhnN0TnN https://t.co/TnmO4ZRXfL

Auch Kellys Anwalt Deveraux Cannick sagte, der Sänger sei von dem Urteil überrascht und enttäuscht. Die Zeugenaussagen seien voller Widersprüche gewesen, erklärte Cannick. Sie wollten gegen das Urteil Berufung einlegen, stellte der Anwalt in Aussicht.

Nach Weinstein und Cosby: Ein weiterer #MeToo-Prozess

Der Fall R. Kelly zählt neben den Fällen von Filmproduzent Harvey Weinstein und Komiker Bill Cosby zur juristischen Aufarbeitung der #MeToo-Ära. Wegen der Corona-Pandemie war der eigentlich für Mai 2020 geplante Prozess mehrfach verschoben worden. #MeToo-Begründerin Tarana Burke twitterte gleich nach der Verkündung des Urteils ein kurzes Video von einer tanzenden Frau mit dem Untertitel „Kannst du einen völlig neuen Tag fühlen?“.

🙃 https://t.co/QUzXlEBAFl

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 18. Oktober, 12:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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