STAND
AUTOR/IN
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Nur wenige Tage nach der Rettung des Zoos in Neuwied gerät der nächste Tierpark in Rheinland-Pfalz in finanzielle Schräglage. Weil wegen der Corona-Pandemie keine Besucher ins Reptilium Landau dürfen, droht dem Zoo Ende Januar die Insolvenz.

Das Reptilium in Landau ist der größte Reptilien-Zoo in Deutschland – etwa 1.200 Tiere leben dort. Von Chamäleons über Schlangen, Spinnen bis Krokodilen und Äffchen. Außerdem hat der Zoo 19 Mitarbeiter. Jetzt bringt die Corona-Pandemie auch das Reptilium in finanzielle Nöte. „Sollten die Zahlungen weiter ausbleiben, droht uns die Insolvenz Ende Januar“, sagte Reptilium-Chef Uwe Wünstel.

Unsere Kosten belaufen sich pro Monat auf rund 50.000 Euro, und wir warten derzeit auf die Auszahlung aller Posten von gut 80.000 Euro.“ Seit November ist das Reptilium wegen der Corona-Maßnahmen geschlossen. Für die Tiere im Zoo aber auch für die Mitarbeiter eine unangenehme Situation. Denn ohne Besucher fehlen den Zoos und Tierparks in Deutschland wichtige Einnahmen, um damit unter anderem Futter für die Tiere zu kaufen.

Auf hoffentlich bald bessere Zeiten!Posted by Reptilium Terrarien- u. Wüstenzoo Landau on Saturday, January 9, 2021

Wir haben am 25. November die Novemberhilfe beantragt, da kam Anfang Dezember eine Abschlagszahlung von 10.000 Euro. Am 23. Dezember haben wir die Dezemberhilfe beantragt, da haben wir aber bisher nichts gehört. Im November haben wir auch Kurzarbeit für November und Dezember beantragt – auch hier ist noch nichts gekommen“, sagt Wünstel.

Wünstel: „1.200 Tiere vermitteln – nahezu unmöglich“

Sollte das beantragte Geld weiter nicht kommen, wäre der Reptilien-Zoo Ende Januar zahlungsunfähig und müsste Insolvenz anmelden. Das wäre ein schwieriger Schritt, denn die 1.200 Tiere im Zoo müssten ein neues Zuhause finden. „Ich hoffe mal nicht, dass es so weit kommt“, sagte der Reptilium-Chef dem SWR.

Eine Echse im Reptilium Landau (Foto: SWR, Elvis Martjan)
Sollte das Reptilium in Landau in Insolvenz gehen, müssen 1.200 Tiere ein neues Zuhause finden. Elvis Martjan

Reptilium auch dankbar für Futterspenden

Neben der finanziellen Unterstützung sind vor allem die Tiere im Zoo auf Futter angewiesen. „Wir bekommen einiges an Futterspenden gebracht. Obst, Gemüse – auch Tiefkühlmäuse und andere Tiere, die Terrarianer gerne verfüttern, sind darunter“, sagt Wünstel. Bei den Fütterungen könnten die Menschen das Reptilium zusätzlich unterstützen, „damit wir unseren Tieren auch was zu Fressen geben können“.

Nur: Was fressen Schlangen, Spinnen und Leguane? Der Chef des Reptiliums weiß genau, was seinen Schützlingen schmeckt: „Die fressen so ziemlich alles an Obst und Gemüse – außer Kohlgewächsen wie Zwiebeln und Knoblauch und solche Sachen. Aber alles andere können wir für die Tiere immer gut gebrauchen.

Reptilium wartet auf Corona-Hilfen

Das größte Problem seien aber die noch nicht ausbezahlten Finanzhilfen, von den das Reptilium abhängig ist. Allerdings weiß niemand, wann das Geld kommt. „Das ist ein sehr ungutes Gefühl“, sagte Wünstel.

Ich denke, dass uns eine Öffnung vor Ostern verwehrt bleibt – so, wie sich die Corona-Fallzahlen entwickeln. Daher müssen wir schauen, wie das erste Quartal überbrückt werden kann.“ Wenn die Hilfen jetzt schnell im Reptilium ankommen, komme man mit einem „blauen Auge“ über die ersten beiden Monate des Jahres.

Private Spender retten Zoo in Neuwied

Das Reptilium in Landau ist nicht der einzige Zoo, den die Corona-Pandemie fast in die Knie zwingt. Der Zoo Neuwied geriet ebenfalls wegen fehlender Einnahmen bei weiterlaufenden Ausgaben in Finanznöte. Erst vor wenigen Tagen haben Hunderte Spender den angeschlagenen Tierpark gerettet.

Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) ist optimistisch, dass der Zoo auch weiterhin erhalten bleibt: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Neuwieder Zoo die Pandemie überstehen wird“, sagte Dreyer. „Ich danke den zahlreichen Spendern und Spenderinnen für die unglaubliche Summe von 250.000 Euro. Das zeigt, wie sehr der Zoo den Menschen in und um Neuwied am Herzen liegt.

Zoo Neuwied bekommt noch mehr Hilfen

Die coronabedingt geschlossene Einrichtung mit 1.800 Tieren und 80 Mitarbeitern soll laut Dreyer aus Landes- und Bundesmitteln in den kommenden Wochen zusätzlich mit insgesamt gut 150.000 Euro unterstützt werden.

Wilhelma in Stuttgart kann sich über Wasser halten

Einer der meistbesuchten Zoos in Deutschland ist die Wilhelma in Stuttgart. Mehr als eine Million Menschen waren vor der Pandemie jedes Jahr im zoologisch-botanischen Garten im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstadt. Mehr als 11.000 Tiere aus aller Welt leben dort – aber auch in der Wilhelma schlagen die Pandemiefolgen zu Buche.

Das Jahr habe „auch bei der Wilhelma ins Kontor geschlagen“, sagte Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. Der Zoo war bislang gewohnt, sich überwiegend selbst zu finanzieren. Die wegen der Infektionsschutz-Maßnahmen auf etwas über 800.000 „glatt halbierten“ Besucherzahlen hinterlassen ihre Spuren und machen es schwer, sich ohne fremde Hilfe über Wasser zu halten.

Wilhelma trotz Corona-Folgen erfolgreich

Aber die Wilhelma hat es geschafft, sich über Wasser zu halten und ihre  inhaltliche Arbeit in Zoologie, Botanik, Parkpflege und Artenschutz fortzusetzen. Und das mit Erfolg: Unter anderem gab es Geburten bei extrem seltenen Tierarten wie den Okapis, den Bongo-Antilopen und den Säbelantilopen.

In diesem Jahr stehen Neu- und Umbauten sowie die Vorbereitung der Gepardenzucht auf dem Programm. Außerdem sollen neue Bären einziehen.

Wann der Park nach der momentanen Corona-Schließung wieder öffnen dürfe, stehe aber noch nicht fest. Derzeit gelte die Schließung bis mindestens Ende Januar, hieß es in einer Mitteilung.

STAND
AUTOR/IN
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Meistgelesen

  1. SWR3 Tatort-Check Nuschelorgien im Hamburger Tatort

    Klingt etwas ausgelutscht: Waffengeschäfte bei einer Clanfamilie. Darum geht’s im Hamburger Tatort-Team. Aber wer weiß, vielleicht fesselt uns das ja doch dringend an die Couch.  mehr...

  2. News-Ticker zum Coronavirus Verbraucherschützer fordern: Haushalte in der Krise entlasten

    Wegen der hohen Infektionszahlen gibt es in Deutschland zurzeit strengere Regeln und Beschränkungen im öffentlichen Leben. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Corona-Ticker.  mehr...

  3. Baden-Baden

    Impfreihenfolge in Deutschland Wann kann ich mich gegen Corona impfen lassen?

    Wann kann ich einen Impftermin ausmachen? Wann kann ich mich gegen Corona impfen lassen? Hier erfahrt ihr, wie es aktuell in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aussieht.  mehr...

  4. Stuttgart

    Corona-Notbremse kommt Ausgangssperren & Co: Ab Montag neue Regeln in Baden-Württemberg

    Seit dem 29. März gelten in Baden-Württemberg neue Corona-Regeln. Jetzt hat die Landesregierung auch die „Notbremse“ mit den möglichen Ausgangssperren konkret festgelegt. Was bedeutet das für uns?  mehr...

  5. Informationen zum Coronavirus So hoch ist die Inzidenz in deinem Landkreis oder deiner Stadt

    Wie viele Menschen wurden positiv auf Corona getestet? Und wie genau ist die Lage in Deutschland? Hier findest du Karten, die ständig aktualisiert werden.  mehr...

  6. Deutschland

    Recherche von Report Mainz Gefälschte Impfpässe werden über Telegram in ganz Deutschland verkauft

    Bundesweit sollen gefälschte Impfpässe über den Messengerdienst Telegram zum Verkauf angeboten werden – das hat das ARD-Politikmagazin Report Mainz herausgefunden und mit einem der Händler gesprochen. Der sagt, er wolle seine Grundrechte zurück.  mehr...