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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Wo ist die Gefahr am größten, sich mit dem Coronavirus zu infizieren? In der Schule, im Öffentlichen Nahverkehr oder im Fitnessstudio? Darum geht es in einer Studie der TU Berlin.

Neben der Corona-Impfung beschäftigt Deutschland vor allem ein Thema: Mit welcher Öffnungsstrategie kommen wir wieder aus dem Lockdown heraus? Teil der Debatte ist dabei auch, in welcher Reihenfolge beispielsweise Einzelhandel oder Gastronomie öffnen dürfen. Viele Unternehmer kritisieren, dass ihnen die Öffnungsperspektive fehle.

Wo ist das Corona-Ansteckungsrisiko besonders hoch?

Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin haben sich angeschaut, in welchen Räumen sich viele Menschen mit dem Coronavirus infizieren könnten. Besonders gut kommen in der Studie Theater und Kinos weg – wenn sie nur zu 30 Prozent belegt sind und wenn alle eine Maske tragen. Auch beim Friseur sei das Risiko, wenn Mund- und Nasenbedeckungen getragen werden – demnach vergleichsweise gering. Anders sieht das laut der Studie in Schulen und Großraumbüros aus. Sie gehören in der Liste der zwanzig ausgewählten Szenarien zu den Räumen mit einem vergleichsweise hohen Corona-Ansteckungsrisiko. Die Studie ist bisher nur ein Preprint - die Ergebnisse wurden also noch nicht von Fachkollegen begutachtet und für eine Veröffentlichung freigegeben.

Wie ist die Studie entstanden?

Für die Studie haben die Forscher ein Infektionsrisikomodell erstellt, mit dem sie untersuchten, wie sich Aerosole in den geschlossenen Räumen verteilen. In diesem Zusammenhang haben die Wissenschaftler einen Reproduktionswert (R) berechnet. Der gibt an, wie viele Personen von einem infizierten Menschen durchschnittlich im Raum angesteckt werden. Liegt dieser Wert über 1 verbreitet sich das Virus.

Die Wissenschaftler haben in ihrer Studie angenommen, dass sich alle in den unterschiedlichen Räumen an die Abstands-, Hygiene, und Lüftungsregeln halten. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Gegebenheiten im jeweiligen Raum. Das erklärt Anne Hartmann, Lüftungstechnikerin an der TU Berlin und Mitautorin der Studie, im Gespräch mit dem MDR:

Ein ganz entscheidender Faktor ist immer erst mal: Wie lange halte ich mich in dem Raum auf? Nehmen wir jetzt den Fall, ich gehe nur ganz kurz in den Supermarkt: Wir haben hier schon mit einer Stunde gerechnet, was für den Supermarkt wahrscheinlich eine lange Aufenthaltszeit ist. Dann bin ich da nur relativ kurz. Auf der anderen Seite das Thema Schule, Büro, wo ich mich sehr, sehr lange aufhalte, wo das Risiko schnell hoch wird, wenn eine infizierte Person im Raum ist. Dann komme ich da sehr lange nicht weg und atme viele Partikel ein.

Anne Hartmann, Mitautorin der Studie

Die Informationen in der Tabelle stammen aus der Studie der Technischen Universität Berlin.

Art des Innenraumsx-faches Risiko zu R. ≤ 1
Theater, Oper, Museen, 30 Prozent Belegung mit Maske0,5
Friseur Frauen mit Maske0,6
Theater, Oper, Museen, 40 Prozent Belegung mit Maske0,6
Öffentliche Verkehrsmittel mit Maske0,8
Supermarkt mit Maske1,0
Kino, 30 Prozent Belegung, ohne Maske1,0
Shopping mit Maske, 10 qm pro Person1,1
Kino, 40 Prozent Belegung ohne Maske1,1
Restaurant, 25 Prozent Belegung1,1
Fitnessstudio, 30 Prozent Belegung ohne Maske1,4
Sporthalle (Freizeitsport), 50 Prozent Belegung ohne Maske1,5
Fernbahn, Busreise von 3 Stunden, 50 Prozent Besetzung mit Maske1,5
Großraumbüro, 20 Prozent Belegung mit Maske1,6
Hallenbad2,3
Restaurant, 50 Prozent Belegung2,3
Weiterführende Schule, 50 Prozent Belegung mit Maske2,9
Fitnessstudio, 50 Prozent Belegung ohne Maske3,4
Weiterführende Schulen, 50 Prozent Belegung, ohne Maske5,8
Großraumbüro, 50 Prozent Belegung, ohne Maske8,0
Weiterführende Schulen, ohne Masken, normale Belegung11,5
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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

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