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Kurz nach 12 Uhr war es so weit: Nach einer weiträumigen Evakuierung wurde die Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden-Biebrich gesprengt.

Am Ende ging es ganz schnell: Innerhalb von Sekunden war die 310 Meter lange und rund 30 Meter hohe Autobahnbrücke (A66) Geschichte. Zuerst fiel der südliche, wenige Momente später der nördliche Teil der Brücke. Dazu wurden 220 Kilogramm Sprengstoff genutzt. Die Brücke war 1963 gebaut worden und bis Juni 2021 in Betrieb.

Sprengmeister Eduard Reisch war überzeugt gewesen, dass alles „wie am Schnürchen“ klappt und hatte Recht behalten. „Das war eine Bilderbuch-Sprengung. Wir haben das Sprengergebnis kontrolliert. Es ist ein voller Erfolg.“

Zuschauer vor Ort waren aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen, der Bereich rund um die Brücke wurde weiträumig abgesperrt.

Seit September montierte die Bahn zur Vorbereitung der Sprengung Gleise und Oberleitungen ab, Muldenkipper karrten 50.000 Kubikmeter Sand heran, um die Bahntrasse und die Bundesstraße zu schützen. Der Salzbach wurde verrohrt, das Klärwerk gesichert. Fast 1.200 Löcher für den Sprengstoff mussten gebohrt, 1.160 elektrische Zünder angebracht und 15.300 Meter Zündleitungen verlegt werden.

Die Ereignisse um die Brücke in Bildern

Der Verkehr rollt über die Wiesbadener Salzbachtalbrücke (Autobahn A66). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Arne Dedert)
Ein Bild aus besseren Zeiten – damals, als sie noch stand: die Salzbachtalbrücke im Jahr 2018. picture alliance/dpa | Arne Dedert Bild in Detailansicht öffnen
Das sieht gar nicht gut aus. Da sollte man besser nicht mehr drüberfahren. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow Bild in Detailansicht öffnen
Hier geht es nicht weiter. Nachdem starke Beschädigungen an der Brücke festgestellt worden waren, wurde sie im Juni vollgesperrt. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow Bild in Detailansicht öffnen
Bevor sie gesprengt wird, rettet man noch schnell dieses Spezialfahrzeug von der Brücke – es ist immerhin 750.000 Euro wert. Das Fahrzeug war zuvor monatelang da oben gestanden, seit die Brücke gesperrt worden war. picture alliance/dpa | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme der Salzbachtalbrücke und der „roten Zone“ für die Sprengung. picture alliance/dpa | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Die südliche Brücke wird gesprengt: Die Pfeiler knicken in sich zusammen. picture alliance/dpa/dpa-POOL | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Einen Augenblick später wird auch die nördliche Brücke gesprengt. picture alliance/dpa/dpa-POOL | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Das Ergebnis wird von Mitarbeitern der Sprengfirma begutachtet.v picture alliance/dpa/dpa-POOL | Boris Roessler Bild in Detailansicht öffnen
Jetzt muss aufgeräumt werden. picture alliance/dpa | Arne Dedert Bild in Detailansicht öffnen

Polizei will hart gegen Schaulustige durchgreifen

Gegen Schaulustige wollte die Polizei hart durchgreifen. 140 Anwohner mussten für die Sprengung ihre Häuser verlassen. Auch Teile des nahegelegenen Tierheims wurden evakuiert. Die Hunde, die dort untergebracht sind, sind in eine Hundepension am Frankfurter Flughafen gebracht worden. Die Außengehege wurden zum Schutz vor Staub abgedeckt und die Rollläden der Hundehäuser geschlossen.

Warum wurde die Salzbachtalbrücke abgerissen?

Ein Passant meldete am 18. Juni dieses Jahres herabfallende Betonbrocken vom südlichen – also vom laufenden Verkehr abgekoppelten – Teil der Salzbachtalbrücke. Daraufhin wurde die Brücke komplett gesperrt. Die A66 war seitdem zwischen Wiesbaden-Biebrich und Mainzer Straße nicht befahrbar. Für die Anwohner fühlte es sich fast wie ein Erdbeben an. „Es hat einen Schlag getan, wir haben erst gedacht, da sei vielleicht ein Auto ins Haus gerast.“ Alles habe gewackelt, man habe das richtig im Körper gespürt. Die Fahrbahn hatte sich schlagartig abgesenkt.

Wiesbaden

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Seit der Sperrung im Juni: Verkehrskollaps rund um die Salzbachtalbrücke

Noch am gleichen Abend wird die Salzbachtalbrücke wegen Einsturzgefahr voll gesperrt, ebenso die darunterliegenden Bahngleise und eine Bundesstraße. Die Rede ist von einem Spontanversagen. „Es ist so, dass der Brückenüberbau sich abgesenkt hat, quasi auf den Pfeilerkopf sich abgelegt hat, weil das Lager, das das wie so ein Kissen oder eine Rolle abfedert, kollabiert ist“, erklärt Alexander Pilz von der Autobahn GmbH des Bundes. Was folgt, ist ein verkehrstechnischer Albtraum. So drückt es der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) aus.

80.000 Fahrzeuge, die täglich die Brücke queren, suchen sich nun Schleichwege durch die Stadt. Fahrten, die eigentlich 15 Minuten dauern, dauern jetzt 45, die Straßen sind verstopft. Züge und S-Bahnen können den Hauptbahnhof nicht anfahren, Bahnfahrer stranden in Wiesbadener Vororten und müssen mit Ersatzbussen vorliebnehmen.

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Warum ist die Salzbachtalbrücke eigentlich so wichtig?

Die Salzbachtalbrücke ist eine Autobahnbrücke der A66, die Wiesbaden und den Rheingau mit Frankfurt verbindet. Die Brücke wurde im Jahr 1963 als sogenannte Südumgehung Wiesbaden eröffnet. Die Teilbrücken Nord und Süd waren für eine Belastung von rund 20.000 Fahrzeugen pro Tag ausgelegt und mussten seit 1985 angesichts des zunehmenden Verkehrs immer wieder verstärkt werden. Bis zur Sperrung der Brücke fuhren zuletzt rund 90.000 Fahrzeuge täglich darüber. Seit 2009 war bekannt, dass die Brücke marode ist und dringend erneuert werden muss.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 17. Mai, 15:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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