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Laura Bisch
Laura Bisch (Foto: SWR3)
Sarah Neumeyer, SWR3

Fritten, Kekse, Kaffee – alles Lebensmittel in denen nach der Verarbeitung Acrylamid enthalten sein kann. Ab heute gilt die neue EU-Regelung zur Reduzierung dieses Stoffes. Das bedeutet die neue Regelung für Verbraucher.

Auch Deutschland kommt nicht drum herum

Müssen wir uns von kross frittierten Fritten verabschieden? Zumindest wenn es um Pommes geht, die wir nicht selbst machen. Und vorausgesetzt, dass sich alle Imbissbuden, Restaurants und Lebensmittelhersteller daran halten.

Denn: Bereits letztes Jahr hat die Europäische Union neue Richtlinien für Acrylamid beschlossen. Damals hatten 22 Länder den Vorschlägen der Kommission zugestimmt. Deutschland hatte sich enthalten. Die Regelungen traten im Dezember 2017 in Kraft. Nach einer Übergangsfrist sind diese ab heute verbindlich.

Was ist Acrylamid?

Acrylamid entsteht beim starken Erhitzen von kohlehydratreichen Lebensmitteln, also zum Beispiel beim Frittieren von Pommes und beim Backen von Keksen und Brot. Grund für die Bildung des Stoffs sind unter anderem Glukose und Fruktose, hohe Temperaturen bei der Zubereitung und ein geringer Wassergehalt des Lebensmittels.

Das Problem: Die EU stuft Acrylamid als krebserregend ein. In Tierversuchen wirkte Acrylamid krebserregend und erbgutschädigend. Die EU beruft sich dabei auf Studien, denen zufolge zu viel Acrylamid im Essen das Krebsrisiko erhöhe.

Was passiert jetzt?

Seit heute gelten nun verbindlich strengere Vorgaben für Lebensmittelhersteller, Restaurants und Imbissbuden. Sie müssen dem Gesetzestext zufolge zum Beispiel darauf achten, dass die Produkte nicht zu lange und nicht zu heiß geröstet oder gebacken werden.

Außerdem sind sie dazu angehalten, den Zuckergehalt zu reduzieren – etwa durch das Blanchieren der Kartoffelprodukte vor dem Erhitzen. Zu den betroffenen Lebensmitteln zählen auch Kaffee und Frühstückszerealien.

Neue Regeln werden kontrolliert

Viele Gastronomen sehen keinen großen Handlungsbedarf. „Wer bis jetzt auf die Qualität seiner Ware geachtet hat, der müsse eigentlich nichts ändern,“ so der Imbissbudenbesitzer und frühere Sternekoch Raimund Ostendorp. Kontrolliert wird die Umsetzung der neuen Regelungen von lokalen Lebensmittelüberwachungs- oder Veterinärämtern. Diese können dann auch Produkte aus dem Verkehr ziehen.

Verbraucher können auch selbst etwas dafür tun, um sich vor hohen Mengen an Acrylamid zu schützen. „Ein großer Teil der Acrylamidbelastung entsteht durch selbstzubereitete Speisen“, sagt der gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion. Beim Braten, Backen und Frittieren sollten möglichst niedrige Temperaturen gewählt werden und starke Bräunung vermieden werden.

Acrylamid gefährlicher als Glyphosat und Fipronil

Bei der EU-Richtlinie ginge es nicht darum bestimmte Fritten zu verbieten – das wurde bereits im Sommer betont:

Die Kommission hat in keinem Fall vor – ich wiederhole: in keinem Fall – belgische oder irgendeine andere Art von Fritten zu verbieten.“ Margaritis Schinas, Chefsprecher von EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker

Der EU-Politiker Peter Liese (CDU) bezeichnete in den Funke-Zeitungen das Handeln der EU beim Acrylamid als „richtig“. Bei dem Stoff gebe es ein „echtes Gesundheitsproblem“, sagte er, die Gefahr sei größer als bei den schädlichen Stoffen Glyphosat und Fipronil.

Auch wenn die letzte Gewissheit fehlt, müssen wir davon ausgehen, dass hohe Mengen von Acrylamid das Risiko an Krebs zu erkranken, erhöhen.“ Peter Liese (CDU), Europaabgeordneter

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