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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Bierhoff vs. Bundeskanzler: Scholz fordert die gleiche Bezahlung für die Frauen-Nationalelf wie für Männer. Der DFB-Sportdirektor wirft ihm mangelndes Wissen vor. Wer hat recht?

Die deutschen Fußball-Frauen haben Spanien 2:0 besiegt. Doch Kanzler Olaf Scholz (SPD) sieht sie im Vergleich zu den sportlich unterlegenen Spanierinnen offenbar als die finanziellen Verliererinnen: Denn in Spanien würden die weiblichen Profis gleich bezahlt wie ihre männlichen Kollegen, twitterte der Kanzler am Dienstag vor dem Spiel:

Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften. Spanien hat da die Nase vorn. Viel Glück heute Abend @DFB_Frauen! #GERESP #equalpay

DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff wurde am Abend auf die Forderung von Scholz nach gleicher Bezahlung angesprochen. In der ARD-Sportschau warf er Scholz zwischen den Zeilen zu wenig Ahnung vor: „Ich lade ihn gerne mal ein, dann klär´ ich ihn ein bisschen besser über die Zahlen auf“, sagte Bierhoff dazu. Deutschland zahle schon eine Rekordprämie, sagte er. Ob er den Begriff Rekord auf den Vergleich zu bisherigen deutschen Prämien für Frauen bezog oder auf den Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise Spanien, ließ er offen.

Nationalelf-Teams: Deutliche Unterschiede bei Sieg-Prämien

Sollte die weibliche Nationalelf in diesem Jahr das Finale erreichen, soll jede Spielerin vom DFB 30.000 Euro bekommen. Bei einem Sieg sind es sogar 60.000 Euro und damit weit mehr als bei der EM 2017. Doch die männlichen Kollegen wären beim Sieg der EM 2021 auf mehr als die sechsfache Prämie gekommen, berichten Statistiker, nämlich auf 400.000 Euro.

Bierhoff attestiert Scholz mangelndes Wissen

Außerdem sei Spanien in Wirklichkeit gar kein Vorreiter in Sachen gleicher Bezahlung, wie Scholz in seinem Tweet suggeriere, sagte Bierhoff: „Da werden auch viele Dinge verdreht. Die Spanier haben angeblich ´equal pay´, aber es sind nur die prozentualen Anteile", sagte der Ex-Profi weiter. Damit wollte er offenbar ausdrücken, dass spanische Fußballerinnen zwar den gleichen Teil des Kuchens bekommen wie ihre männlichen Kollegen, aber deren Kuchen durch höhere Einnahmen von vornherein größer ausfällt.

Mehr Popularität, mehr Werbegeld

Diesem Argument begegnet man in der Debatte um die Bezahlung von weiblichen Sportstars immer wieder: Wo das Interesse des Publikums höher ist, werden auch mehr Einnahmen durch den Verkauf von TV-Rechten oder Sponsoring generiert – wodurch einer der Kuchen größer sei und es insgesamt mehr zu verteilen gebe. Und das sei nun mal bei vielen Sportarten ausschließlich bei männlichen Teams der Fall. So sieht es offenbar auch dieser Twitter-Nutzer:

@Bundeskanzler Gerade im Sport ist das grober Unfug, da die männliche Mannschaft ja nicht ausschließlich aufgrund ihrer Leistung, sondern auch wegen des ungleich viel höheren Interesses (siehe Einschaltquoten, Merchandising etc.) bezahlt werden.

Bayern-Star Thomas Müller äußerte sich vor kurzem allgemein über die Ursachen für die hohen Gehälter im Profifußball im Vergleich zu anderen Sportarten:

Equal Pay im Fußball: Nur eine Sache des Wollens?

Wegen der geringeren Umsätze sei es „rein betriebswirtschaftlich betrachtet“ schwierig, weiblichen Fußball-Profis gleichviel zu zahlen wie den Männern, sagt auch der Marketing-Experte Dennis Trautwein. Trotzdem könnten die Fußball-Frauen über ihre Verbände dasselbe Prämien-Niveau erreichen, glaubt er: „Aber es aus reiner Überzeugung zu tun, wäre möglich", so Trautwein von der internationalen Werbeagentur Octagon, die auch im Sport tätig ist.

Spielerinnen der Fußball-Nationalmannschaft freuen sich über den Sieg gegen Spanien. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Christoph Gollnow)
Die Spielerinnen könnten mehr Geld bekommen, wenn es der DFB nur wolle, sagt ein Marketingexperte. picture alliance/dpa | Sebastian Christoph Gollnow

Und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) könnte es „finanziell verkraften“, meinte Trautwein bei einer Podiumsdiskussion am Tag nach dem Spiel, also nach dem Motto „Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg“. „Vielleicht ließen sich für diese Idee auch aus dem Kreis der Partner und Sponsoren Befürworter finden, die das entsprechend unterstützen", so Trautwein.

Kanzler Scholz ließ übrigens am Tag nach dem Spiel durch einen Regierungssprecher ausrichten, er nehme gerne das Angebot von Bierhoff an, sich über die Bezahlung der Frauen-Nationalelf zu unterhalten.

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Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

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