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An der Hamburger Universitätsklinik liegen immer mehr schwer erkrankte schwangere Corona-Patientinnen. Einige Mediziner raten nun, Schwangere gegen das Virus zu impfen. Aber wie gefährlich ist das?

Beunruhigende Nachrichten kommen aus der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE): Dort liegen immer mehr an Covid-19 schwer erkrankte Schwangere. Es gab es im gesamten Jahr 2020 nur einen solchen Fall, in den ersten Monaten 2021 schon sieben. „Wir sehen diese Fälle nun häufiger, das ist ein neues Phänomen“, so der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge. Das liege auch an der Variante B.1.1.7, die deutlich ansteckender ist und im Verdacht steht, schwerere Krankheitsverläufe zu verursachen.

„Schwangere wahrscheinlich bei den eigenen Kindern angesteckt“

Der Intensivmediziner und sein Team vermuten, dass ein Teil der Frauen sich wahrscheinlich bei den eigenen Kindern angesteckt habe. Meist sei die ganze Familie positiv. Die betroffenen Patientinnen seien Frauen um die 30 und hätten keine Vorerkrankungen.

„Diese Frauen stehen mitten im Leben. Für die behandelnden Teams sind diese Fälle sehr belastend“

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Die meisten Frauen erkranken ab dem 7. Monat

Wenn eine Schwangere so schwer an Covid erkrankt, dann stünden Ärzte und Pflegekräfte auch vor der Frage, ob und wann das Kind entbunden werden müsse. Auch die Gabe von Medikamenten sei bei Schwangeren natürlich ein heikles Thema.

„Wir sollten in Deutschland unbedingt auch Schwangere impfen“ - der Intensivmediziner Kluge spricht sich klar für eine Impfung von Schwangeren aus. Das sei auch die Einschätzung im Kollegenkreis. Schwangere hätten ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wenn sie sich mit Sars-CoV-2 infizieren. Bei ihnen sei das Immunsystem generell etwas herabgesetzt und die Sauerstoffaufnahme reduziert.

Eine Impfung gegen Covid-19 wird Schwangeren in Deutschland bislang nicht generell empfohlen. Bei Vorerkrankungen etwa ist es aber möglich, „nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung“, wie es in der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) heißt.

Berufsverband der Frauenärzte: Schwangere impfen ist „äußerst sinnvoll“

Eine Impfung aller Schwangeren wäre „äußerst sinnvoll“, erklärte der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring. Schwangere mit Covid-19 erlitten prozentual häufiger schwere Krankheitsverläufe als gleichaltrige, nicht schwangere Frauen. Bei den erkrankten Schwangeren zeige sich ein Anstieg von Tot- und Frühgeburten und eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten.

Die Stiko beschäftige sich intensiv auch mit der Frage der Impfung von Schwangeren, so Marianne Röbl-Mathieu. Sie ist die Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in dem Expertengremium. Dass die Impfung nicht generell empfohlen wird, liege an den bislang fehlenden Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit. Die Stiko werde die Impfung Schwangerer gegebenenfalls dann allgemein empfehlen, wenn die Studien es zulassen.

@GildaSahebi @habichthorn Meine schwangere Frau hat die Infektion grade überstanden. War kein Spaß.

Werden Schwangere in anderen Ländern geimpft?

In mehreren anderen Ländern werden mRNA-Impfstoffe bei Schwangeren eingesetzt und die Impfung empfohlen. In Israel hatten der Frauenärzteverband sowie das Gesundheitsministerium bereits im Januar eine Empfehlung zur Impfung schwangerer und stillender Frauen abgegeben. Es gab in dem Land mehrere Todesfälle schwangerer Frauen sowie Totgeburten nach einer Corona-Infektion.

@GildaSahebi Ich bin Impfarzt in Luxemburg. Dort sind Schwangere bereits seit März eine Priorisierungsgruppe und werden bevorzugt geimpft. Die Datenlage spricht klar für Impfung. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum #STIKO, @PEI_Germany und @rki_de sich noch nicht dafür ausgesprochen haben.

Nach einer Corona-Impfung geben schwangere Frauen einer US-Studie zufolge die gebildeten Antikörper an ihr Baby weiter. Später könne es diese auch über die Muttermilch bekommen. In den USA haben sich schon mehr als 100.000 Schwangere impfen lassen.

Frankreich und Österreich: Hier ist man ab dem 7. Monat impfberechtigt

Der Virologe Christian Drosten sagte, ein Vorgehen wie etwa in Frankreich sei anhand der jetzt vorliegenden Daten zu unterstützen. Dort zählen Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu den impfberechtigten Gruppen. Auch Österreich verfährt neuerdings so.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. September, 15:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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