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Indien ist seit Wochen schwer von der Corona-Pandemie betroffen. Nun gibt es immer häufiger Mukormykose-Infektionen, auch „Schwarzer Pilz“ genannt. Hunderte sind bereits gestorben. Was wir bisher darüber wissen.

Mehr als 200.000 Neuinfektionen täglich, Engpässe bei der Sauerstoff- und Medikamentenversorgung, Tausende Tote. Die Corona-Pandemie trifft Indien derzeit mit voller Wucht. Nun bereitet eine zweite Krankheit den Menschen Sorgen, die noch tödlicher ist. Dabei geht es um eine Infektion namens Mukormykose, die auch „Schwarzer Pilz“ genannt wird. Die Infektion löst schwerste Beschwerden und sehr häufig den Tod aus. Eigentlich ist die Krankheit selten, während der heftigen zweiten Corona-Welle kommt sie nun aber tausendfach in Indien vor.

Mehrere Region in Indien erklären „Schwarzen Pilz“ zur Epidemie

Besonders stark betroffen von der Pilzinfektion sind die Bundesstaaten Maharashtra, Rajasthan und Telangana. Die Behörden in Rajasthan und Telangana haben Medien zufolge den „Schwarzen Pilz“ bereits zur Epidemie erklärt.

Was ist Mukormykose?

Die Krankheit wird durch den Mucor-Schimmelpilz verursacht. Dieser gedeiht in der Erde und in verwesendem organischen Material wie verrottendem Laub. In Krankenhäusern können sich die Pilze über Luftbefeuchter ausbreiten oder über Sauerstofftanks, die verschmutztes Wasser enthalten. Beim Einatmen infizieren sich die Menschen dann mit den Pilzsporen. Der Pilz gelangt so durch die Atmung oder Hautverletzungen in den Körper und befällt dort in der Regel die Nebenhöhlen.

Der „Schwarze Pilz“ ist häufig tödlich

Die Pilzinfektion ist sehr aggressiv und muss schnell behandelt werden. Laut der US-Seuchenkontrollbehörde CDC liegt die Todesrate bei Mukormykose bei 54 Prozent. Infizierte sterben oft binnen weniger Tage. Durch die Infektion abgestorbenes Gewebe muss abgetragen werden, manchmal müssen Ärzte ihren Patienten die Nase, Augen oder den Kiefer entfernen, damit der Pilz nicht ins Gehirn des Patienten vordringt.

In normalen Zeiten gibt es in Indien nur ein paar Dutzend Mukormykose-Fälle pro Jahr. Normalerweise kann das menschliche Immunsystem die Pilzinfektion abwehren. Nur Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie Transplantierte oder Krebspatienten erkranken. Eine gute Nachricht gibt es allerdings: Die Infektion ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Wieso sind gerade Covid-19-Patienten so schwer von der Infektion betroffen?

Bei Corona-Patienten kann ein gefährliches Phänomen namens Zytokin-Sturm auftreten. Dabei reagiert das Immunsystem des betroffenen Menschen über und greift auch dessen Organe an. Auch die übermäßige Verabreichung von Steroiden wie zum Beispiel Cortison an Corona-Patienten ist nach Einschätzung von Experten ein Risikofaktor. „Die Leute haben angefangen, sie reichlich, übertrieben und unangebracht einzusetzen“, sagt Srinath Reddy von der Public Health Foundation of India über Steroide.

Daneben haben auch Diabetiker*innen ein erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem „Schwarzen Pilz“. In Indien ist die Diabetiker-Rate hoch.

Wie viele Fälle sind bekannt?

Laut der Zeitung Hindustan Times gibt es mindestens 7.250 Fälle in Indien. Das Blatt beruft sich dabei auf Regierungsdokumente. Allein der Bundesstaat Maharashtra meldete mehr als 2.000 Fälle. Zur aktuellen Zahl der Todesopfer durch Mukormykose machen die Behörden bislang keine Angaben. Die Hindustan Times spricht von mindestens 219 Toten – doch die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich deutlich höher.

In der Hauptstadt Neu-Delhi gibt es in drei Kliniken bereits gesonderte Abteilungen für die wachsende Patientenzahl. In den Krankenhäusern dort werden laut Medienberichten mehr als 200 Mukormykose-Infektionen behandelt. Dutzende weitere Menschen stehen auf der Warteliste.

Wie kann eine Mukormykose behandelt werden?

Die Infektion ist mit dem Medikament Amphotericin B behandelbar. Doch das Problem: In Indien ist es laut Gesundheitsminister Satyendra Jain kaum vorhanden. Die Regierung und die Pharmabranche Indiens, das eigentlich als „Apotheke der Welt“ gilt, haben Mühe, die Produktion hochzufahren. Der Gesundheitsaktivist Amulya Nidhi kritisiert, die indische Regierung habe es bereits versäumt, genug von Corona-Medikamenten wie Remdesivir bereitzustellen. Nun wiederhole sich dieser Fehler beim „Schwarzen Pilz“. „Die Regierung hätte handeln müssen, als sie vom allerersten Fall erfuhr“, sagt Nidhi. „Die Leute sollten nicht um lebensrettende Medikamente betteln müssen.

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