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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

In Schweden gibt es seit Tagen Ausschreitungen, nachdem die Behörden Kundgebungen der rechtsradikalen Partei „Stram Kurs“ genehmigt hatten. Was steckt dahinter?

Er werde bei seinen Kundgebungen einen Koran verbrennen, hatte Rasmus Paludan, Gründer der einwanderungs- und islamfeindlichen Partei „Stram Kurs“ (deutsch: „Strammer Kurs“), im Vorfeld angekündigt. Der Politiker und Anwalt tourt gerade durch verschiedene schwedische Städte und hält dort Versammlungen ab. Im September will er mit seiner Partei bei den schwedischen Parlamentswahlen antreten.

Krawalle in Schweden an Ostern

Die Behörden hatten die Veranstaltungen des bekannten Rechtsextremisten Paludan genehmigt. Das löste heftige Kritik und Empörung aus – und die Situation eskalierte. Das ganze Osterwochenende kam es vor allem in Südschweden zu Ausschreitungen von Gegendemonstranten – vor allem in Malmö, Norrköpping, Linköping und Stockholm. Polizisten wurden mit Steinen und Molotowcocktails beworfen und teilweise gezielt eingekesselt.

ARD-Korrespondent Arne Bartram berichtet aus Stockholm über die Lage und die Erkenntnisse der Polizei:

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Nachrichten Eskalierte Gewalt in Schweden – so ist die Lage

Dauer

Ausschreitungen in Malmö: Bus und Schule brennen

Nachdem bereits am Gründonnerstag und Karfreitag mehrere Polizeiautos in Brand gesetzt wurden, fanden einige der geplanten Koran-Verbrennungen doch nicht statt oder wurden verlegt. Eine am Samstag ursprünglich in Landskrona geplante Kundgebung fand letztlich auf einem abgelegenen Parkplatz der Küstenstadt Malmö statt.

Hier kam es in mehreren Vierteln Malmös zu Protesten: In der Nacht zum Ostersonntag stand ein Bus in Flammen, in der Folgenacht zündeten Randalierer eine Schule, Autoreifen und Mülltonnen an.

In Norrköping und der Nachbarstadt Linköping gingen am Sonntag rund 200 Demonstranten gegen „Stram Kurs“ auf die Straße. Nach Polizeiangaben wurden Steine auf Polizisten geworfen und Autos angezündet. Als die Polizei in Norrköping Warnschüsse abfeuerte, wurden nach Polizeiangaben drei Menschen von Querschlägern getroffen und verletzt. 26 seien in beiden Städten festgenommen worden, so die Polizei.

Schwedens Polizeichef bringt Bandenkriminalität ins Spiel

Insgesamt sind nach Angaben der schwedischen Polizei bis zum Ostermontag 26 Polizisten und 14 andere Beteiligte verletzt worden. 200 gewalttätige Randalierer seien beteiligt gewesen, hieß es. Bis Ostermontag seien 44 vor allem jüngere Menschen festgenommen worden.

Laut dem schwedischen Polizeichef Anders Thronberg gebe es Anzeichen, dass kriminelle Gangs an den Ausschreitungen beteiligt gewesen seien. „Kriminelle“ hätten die Situation ausgenutzt, um „unabhängig von den Demonstrationen“ zu randalieren. In einigen Fällen könnten die Attacken auf Polizisten als versuchter Mord gewertet werden. Es gebe Hinweise darauf, dass aus dem Ausland zu Gewalt angestachelt worden sei. Unklar blieb dennoch, wie und weshalb die Lage so eskalierte.

Muslimisch geprägte Länder üben scharfe Kritik

Auch über Schweden hinaus sorgten die Krawalle für Aufsehen.

Diese Angelegenheit hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Schweden und Muslimen.

Das irakische Außenministerium warnte, das gelte für arabische Staaten und europäische Länder mit muslimischen Gesellschaften gleichermaßen.

Auch der einflussreiche schiitische Geistliche Muktada al-Sadr appellierte an Schwedens Regierung, sich gegen Angriffe wie Paludans Koran-Verbrennung zu stellen, um Frieden zu wahren.

Zuvor hatte schon das mehrheitlich muslimisch geprägte Malaysia die Aktion verurteilt. Sie gehe über „die moralischen Grenzen und Normen des Rechts auf freie Meinungsäußerung hinaus“.

Ein solches Vorgehen ist provozierend und schürt Hass, der von allen zurückgewiesen werden muss, die Frieden suchen und ein friedliches Zusammenleben fördern.

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