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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Das idyllisch gelegene Brienz in Graubünden könnte bald nicht mehr da sein. Gartenhausgroße Felsbrocken rollen auf das Bergdorf zu. Die Bewohner mussten jetzt umsiedeln.

Ich wollte ein letztes Mal hochgehen und mich vom Haus meiner Eltern verabschieden. Wir wissen nicht, ob es unser Brienz in zwei Wochen noch geben wird.

So die Worte einer Frau, die in dem Graubündener Bergdorf aufgewachsen ist. Sie ist eine der über 80 Einwohner, die ihre Heimat vorübergehend, aber vielleicht auch für immer verlassen mussten.

Dorf Brienz rutscht einen Meter pro Jahr

Ihre Heimat ist Brienz, ein kleines Schweizer Alpendorf 25 Kilometer Luftlinie südwestlich von Davos (nicht zu verwechseln mit Brienz am Brienzersee). Es ist schön dort – es gibt nur ein Problem: Das Dorf rutscht seit 20 Jahren mit etwa einem Meter pro Jahr Richtung Tal. Und nicht nur das Dorf: Die ganze Region ist seit Jahrhunderten in Bewegung, regelmäßig kommt Geröll den Berg hinunter.

Moderatorin Daniela Hilpp hat am 11. Mai in SWR3 PUSH mit unserer Schweizer Korrespondentin Kathrin Hondl gesprochen. Sie war vor Ort in Brienz und berichtet, wie es klingt, wenn sich die Felsen bewegen, und was die Evakuierung für die Einwohner bedeutet:

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Nachrichten Schweizer Korrespondentin: „Trügerische Idylle“

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Moderatorin Daniela Hilpp hat in SWR3 PUSH mit unserer Schweizer Korrespondentin Kathrin Hondl gesprochen. Sie war vor Ort in Brienz und berichtet, wie gruselig es klingt, wenn sich die Felsen bewegen, und was die Evakuierung für die Einwohner bedeutet.

Und hier hört ihr die ganze Reportage aus Brienz von Katharina Hondl:

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Nachrichten Drohender Bergsturz: Schweizer Dorf Brienz wird evakuiert

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Plötzlich geht alles ganz schnell: Bis heute (Freitag) Abend 18 Uhr muss das Dorf Brienz in Graubünden geräumt sein. Auf dem darüberliegenden Berg sind zwei Millionen Kubikmeter Fels so stark in Bewegung, dass sie bald herabstürzen und den Ort zerstören könnten. Die Menschen im Ort leben schon lange mit der Gefahr. Seit Jahrzehnten rumpelt es am „Brienzer Rutsch“, immer wieder rollen Steinbrocken den Hang hinunter. Aber jetzt ist die Bedrohung auf einmal akut. Das Dorf wird evakuiert, und die Menschen wissen nicht, ob sie jemals in ihre Häuser zurückkehren können.
Eindrücke aus Brienz von Kathrin Hondl ...

Schon 2019 wurden den Bewohnern Evakuierungspläne vorgestellt. Damals hoffte man allerdings noch, das Dorf mithilfe eines Drainage-Tunnels retten zu können, der das Wasser aus dem Berg hätte ziehen können. Denn Wasser begünstigt das Rutschen des Gesteins.

Die Bündner Gemeinde #Brienz rutscht bis zu einem Meter pro Jahr. Bevölkerung und Wissenschaft kämpfen fieberhaft um die Rettung des Dorfes. #srfeinstein hat Forscher begleitet, die versuchen, das Dorf zu retten. #PlaySRFhttps://t.co/beItN7EE0u pic.twitter.com/FeHgPfBYeY

Bergsturz: Brienz könnte unter Felsen begraben werden

Jetzt wird die Bedrohung durch die Felsen akut: Die Gesteinsmassen oberhalb des Dorfes bewegten sich mehr als doppelt so schnell wie noch vor wenigen Wochen, berichtete der Leiter des Frühwarndienstes, Stefan Schneider, vor der Evakuierung. Bis zu zwei Millionen Kubikmeter Felsmaterial seien in Bewegung – das ist ein bisschen weniger als das Volumen der Cheops-Pyramide. Man rechnet damit, dass die Felsen in den nächsten 7 bis 24 Tagen abstürzen oder abrutschen werden.

Außerdem war für die kommenden Tage durchweg Regen vorhergesagt, wodurch sich die Rutschgeschwindigkeit noch mehr erhöhen könnte. Ob und wie viel Felsmasse Brienz treffen könnte, ist unklar. Aber:

Aber im extremsten Fall (...) kann es einen Bergsturz geben. Das ist etwas, wobei mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 200 Kilometern in der Stunde der Hang herabdonnert, in 30 Sekunden im Dorf ist und das Dorf zerstört.

Evakuierung von Schweizer Bergdorf Brienz

Am Dienstag (9. Mai) informierten die Lokalbehörden die Einwohner von Brienz über die Einzelheiten zur Evakuierung. Bis Freitag (12. Mai) musste das Dorf geräumt sein. In der jetzt eingetroffenen Phase Rot darf niemand mehr das Dorf betreten. Zunächst war nur eine Phase Orange vorgesehen, in der der Ort tagsüber vorübergehend hätte betreten werden können. Die Behörden schätzten die Gefahr aber nun als zu groß ein.

Phase rot ausgerufen: Das Bündner Bergdorf #Brienz darf ab heute 18 Uhr nicht mehr betreten werden. https://t.co/mVjMEOWUbE

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