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Der Junge, der bei dem Seilbahnunglück am Pfingstsonntag beide Eltern und seinen Bruder verloren hatte, muss von Israel zurück nach Italien. Das hat ein Gericht entschieden.

Als wäre der kleine Eitan vom Schicksal nicht schon schwer genug getroffen. Der damals fünfjährige Eitan verlor bei dem Seilbahnunglück am 23. Mai im norditalienischen Stresa am Lago Maggiore seine Mutter, seinen Vater, seinen jüngeren Bruder und seine Urgroßeltern. Eitan hatte als Einziger den Absturz der Gondel überlebt, 14 Menschen starben damals.

Aber um den Waisenjungen war auch noch ein Sorgerechtsstreit entbrannt, der in Israel und Italien für Schlagzeilen sorgte.

Monte Mottarone

Nach Seilbahnunglück in Italien Tante passt auf ihn auf: Überlebender Junge kann Intensivstation verlassen

14 Menschen haben beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore ihr Leben verloren. Ein Fünfjähriger überlebte als Einziger schwer verletzt. Jetzt soll er auf die Normalstation verlegt werden.  mehr...

Mutmaßlicher Entführungsfall um den kleinen Eitan

Jetzt hat ein israelisches Familiengericht in Tel Aviv entschieden, dass Eitan damals von seinem Großvater mütterlicherseits „unrechtmäßig“ nach Israel gebracht worden sei – was quasi einem Entführungsfall gleichkomme. Die in Norditalien lebende Tante sei Eitans rechtmäßiger Vormund und der Junge müsse zu ihr zurück. Der Großvater in Israel muss außerdem rund 19.000 Euro an Gerichtskosten übernehmen.

Eitans Großvater hatte den Jungen im September, nachdem der das Krankenhaus verlassen hatte, in einem Privatjet nach Israel gebracht. Die italienischen Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen wegen Entführung ein. Denn ein Jugendgericht hatte damals schon geurteilt, dass Eitan bei einer Tante väterlicherseits im Norden von Italien wohnen solle.

picture alliancedpaAP | Tsafrir Abayov (Foto: dpa Bildfunk, Die Tante des kleinen Eitan, der beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore seine Eltern und seinen Bruder verloren hat)
Die Tante des kleinen Eitan. Bei ihr in Italien soll der sechsjährige Junge zunächst leben, ordnete ein Gericht in Tel Aviv an. Die Tante des kleinen Eitan, der beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore seine Eltern und seinen Bruder verloren hat

Richterin: Familie soll sich zum Wohl des Kindes versöhnen

Das Urteil des Gerichts in Tel Aviv ist nur eine Entscheidung über den aktuellen Aufenthaltsort des Jungen. Es ist keine Entscheidung darüber, wer langfristig die Vormundschaft für ihn bekommt. Ein entsprechendes Verfahren soll am 1. Dezember fortgesetzt werden.

Eitan wurde Medienberichten zufolge in Israel geboren, zog aber kurz nach der Geburt mit seinen Eltern nach Italien. Er hat demnach einen israelischen und einen italienischen Pass.

Die israelische Richterin rief die Familienmitglieder auf, sich zu versöhnen. „Es ist von oberster Bedeutung, sich auf den medizinischen und emotionalen Zustand des Minderjährigen zu konzentrieren und ihm die Unterstützung, Behandlung und Umarmung zu geben, die er nach der Tragödie braucht, die ihm und seiner Familie widerfahren ist.“

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 18. Mai, 5:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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