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Er hat absichtlich mehrere Brände ausgelöst. Eins davon zerstörte ein Singener Wahrzeichen. Jetzt steht der 37-Jährige vor Gericht und versucht, alles zu erklären.

Er habe „Druck“ verspürt, beschreibt der 37-Jährige vor Gericht einen jener Abende, um die es geht. Druck durch Streit mit der Freundin. Es ging um Geld und gegenseitige Verletzungen. Zuvor hatte er mit Kumpels ein paar Bier getrunken.

Ex-Feuerwehrmann: „Bis der Müll brennt, habe ich mich nicht unter Kontrolle“

An jenem Abend wurde der Druck mal wieder zu groß. Der frühere Feuerwehrmann ging nochmal hinaus. Es war der 16. November 2020. Als der Mann an der Scheffelhalle vorbeikam, einem Wahrzeichen der Stadt, zündet er Papier in einem Müllcontainer an.

Bald darauf steht die Halle in Flammen und brennt ab. Sie steht unter Denkmalschutz. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. Es ist eine von vier Brandstiftungen, die dem Mann vorgeworfen werden.

„Es musste was brennen“, sagt der 37-Jährige über den ersten Mülltonnenbrand an einem Jugendhaus in Singen. „Es war einfach wieder diese innerliche Befriedigung für mich.“ Bis der Müll brenne, habe er sich nicht unter Kontrolle. Erst später habe er ein schlechtes Gewissen wegen der Tat bekommen.

Angeklagter steht vor Landgericht Konstanz und verdeckt Gesicht mit Mappe (Foto: SWR, Friederike Fiehler)
Erster Prozesstag für den 37-Jährigen vor dem Landgericht Konstanz. Friederike Fiehler

Angeklagter in Singen: Brandstiftungen, Fehlalarme, Alkohol, Spielsucht....

An dem Abend, als die Scheffehalle abbrannte, will er ein schlechtes Gewissen bekommen und nochmal geschaut haben. Er habe aber weder Rauch noch Feuer gesehen und dachte, der Brand sei erstickt, so das ehemalige Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr im Kreis Konstanz. „Das kann man glauben, muss man aber nicht“, sagt der Vorsitzende Richter Marc Gerster.

Aus seinen Aussagen wird auch klar: Der Angeklagte ist ein Mann mit vielen Problemen. Schon in der Vergangenheit war er wegen Brandstiftung verurteilt worden. Seinen ehrenamtlichen Dienst als Feuerwehrmann musste er aufgeben, nachdem er mehrmals Fehlalarme ausgelöst hatte.

Neben einer Persönlichkeitsstörung hätten eine Spielsucht und Alkohol Probleme in seinem Leben verursacht, sagt der 37-Jährige. Mehrere Therapieversuche brachten nur vorübergehend Erfolg. Er wolle sich aber bessern und beruflich Fuß fassen, gelobt der Mann: „Meine Eltern sollen einfach mal wieder stolz sein können auf mich.“

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 5. Dezember, 14:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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