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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Seit Mitternacht ist der Tankrabatt der Bundesregierung Geschichte: An den Tankstellen herrscht Frust und Wut, die Preise sind über Nacht stark gestiegen.

An die zwei vor dem Komma müssen wir uns jetzt wohl gewöhnen. Am Donnerstag ist der Tankrabatt ausgelaufen – die Spritpreise sind über Nacht stark gestiegen, vor allem beim Superbenzin.

Die Spritpreisdaten vom ADAC von knapp 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg im Zeitraum zwischen 6.00 und 6.30 Uhr am Donnerstagmorgen zeigen, dass die Preise bei vielen Tankstellen deutlich höher lagen als im gleichen Zeitraum am Mittwoch.

Sprit wieder teurer – aber noch nicht auf Maximalwert

Die Bundesregierung hatte die Steuern auf den Sprit von Juni bis August auf das von der EU erlaubte Mindestmaß gesenkt. Ohne den Rabatt könnte der Preis für E10 um 35 Cent und für Diesel um 17 Cent steigen.

Tatsächlich sieht es aber nach den ersten Daten so aus, als liege die tatsächliche Preissteigerung knapp unter diesen Werten. Für eine verlässliche Aussage sind die Daten laut ADAC aber noch zu ungenau.

Für jeden Tag berechnet SWRdata das obere (rot), mittlere (grau) und untere Preissegment (blau).

Hinweis: Alle Grafiken in diesem Artikel werden stündlich automatisch aktualisiert.

Auch E10 und Diesel wieder über zwei Euro

E10 kostete am Donnerstagmorgen bei einem Großteil der untersuchten Tankstellen mehr als zwei Euro. Am Mittwochmorgen lag der Preis noch deutlich darunter – meistens unter 1,90 Euro, in vielen Fällen auch unter 1,80 Euro.

Diesel dagegen kostete schon am Mittwoch an der Mehrheit der untersuchten Tankstellen mehr als zwei Euro. Am Donnerstag lag der Preis bei einem Großteil der Tankstellen deutlich jenseits von 2,10 Euro, teils auch bei mehr als 2,30 Euro.

Die Tankstellenbetreiber haben bis Mittwoch noch zum gesenkten Steuersatz eingekauft und könnten Benzin und Diesel eigentlich weiter günstiger abgeben. Bis die Aufhebung der Steuersenkung voll auf die Kunden durchschlägt, könnte es also noch etwas dauern.

Mit steigenden Preisen drängt sich Autofahrern umso mehr die Frage auf, wie sie günstig tanken können. Die stündlichen Durchschnittspreise zeigen: Am Morgen sind die Preise in der Regel am höchsten. Im Tagesverlauf sinken sie immer weiter ab, ehe sie in der Nacht ansteigen.

Tanken wieder teurer: Kunden ärgern sich über gestiegene Spritpreise

Der Punkt, der die Kunden am meisten verärgert: Als der Spritpreisrabatt eingeführt wurde, dauerte es Tage, bis die günstigeren Preise an der Tankstelle durchschlugen. Mit dem Ende des Tankrabatts verlangen die Tankstellen aber sofort die höheren Preise. Das kritisiert unter anderem Marc Raschke auf Twitter.

Als der #Tankrabatt eingeführt wurde, hat es lange gebraucht, bis er an der Anzeigentafel spürbar wurde. Angeblich haben die Tankfirmen den noch teuer eingekauften Sprit erst abverkaufen müssen. Jetzt an Tag 1 nach Ende des Tankrabatts sind die Preise sprunghaft teurer.

David Lütke regt sich über die schnell gestiegenen Spritpreise ebenfalls auf.

Der #Tankrabatt ist weniger als sechs Stunden weg und die Preise für #Benzin und #Diesel stiegen um +30 bzw. +20 Cent... Tja, im Juni dauerte es noch Wochen bis der teure Kraftstoff "abverkauft" war und die Preise sanken. Tja, die #Abzocke bei #Mineralöl kennt keine Grenzen.

Für Cassy bleibt nach dem Teuer-Schock nur Zynismus...

Der #Tankrabatt und damit die Zeit des „billigen” 🥲 Sprits ist vorbei. Als er eingeführt wurde, konnte man die Preisveränderung nur verzögert an die Kunden weitergeben, weil sich im Depot noch der teure Treibstoff befand. Bin sehr erleichtert, dass das diesmal besser klappt.🙃

Mary vergleicht Deutschland und Spanien – mit einem eindeutigen Ergebnis.

#Tankrabatt läuft aus #9EuroTicket läuft aus … #Spanien: 1.66 Euro für Liter Diesel Tankrabatt bis Ende 2022 Öffentliche Verkehrsmittel weitgehend gratis ab September (Ferienende) was macht #Spanien anders???? Ganz einfach …. Linke Regierung … kein @c_lindner @Wissing ‼️

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) steht hinter den Kritikern des Tankrabatt-Endes.

Der #Tankrabatt muss fortgesetzt werden, denn die Spritpreise ziehen wieder enorm an. Frankreich und Italien verlängern ihren Tankrabatt. Warum nicht Berlin? Es braucht rasch Hilfe, denn gerade der ländliche Raum und Pendler sind auf das Auto angewiesen.

Tankstellen-Interessenverband: Mineralölkonzerne „raubtierkapitalistisch“

Nicht nur die Kunden sind sauer über die stark gestiegenen Preise – auch die Spritbranche ist zum Teil geschockt. Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes, Herbert Rabl, wirft den großen Konzernen vor, schon eingekauften und damit billigeren Kraftstoff in den Tanks nun zu überhöhten Preisen zu verkaufen.

Rabl sagte im SWR, an den Zapfsäulen werde es in den kommenden Wochen einen großen Preiskampf geben. „Die großen Marken haben den Tankrabatt fast oder ganz draufgehauen - die kleinen Marken ziehen nun nach. Wir erleben ein Tauziehen, wer sich durchsetzt.

Dadurch stiegen die Einnahmen der Mineralölkonzerne drastisch, meint Rabl: „Dass die mit so viel Chuzpe Kasse machen, habe ich überhaupt nicht für möglich gehalten. Ich weiß, dass die ein bisschen raubtierkapitalistisch unterwegs sind. Aber dass die so hart drauf sind, habe auch ich nicht für möglich gehalten.

Der Tankstellen-Interessenverband ist eine Vereinigung, die die Anliegen von Tankstellenpächtern und Tankstelleneigentümern in Deutschland vertritt.

Ein Auto steht an einer Zapfsäule (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Lennart Preiss)

Nachrichten Die sind "ein bisschen raubtierkapitalistisch unterwegs"

Dauer

Sprit noch günstiger: Frankreich geht entgegengesetzten Weg

Bei unseren Nachbarn in Frankreich wurde der Tankrabatt in der Nacht zum Donnerstag im Gegensatz zu Deutschland sogar erhöht: Statt bisher 18 Cent wird im September und Oktober auf dem Festland ein Nachlass von 30 Cent pro Liter Benzin oder Diesel gewährt.

Allerdings ist danach auch in Frankreich Schluss mit vergünstigten Spritpreisen. In den Folgemonaten soll der Tankrabatt abschmelzen. Im November und Dezember soll er auf dem Festland auf 10 Cent verringert werden und zum Jahresende ganz auslaufen.

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