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Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Cornelia Stenull
Cornelia Stenull (Foto: SWR3)

Am Wochenende veröffentlichte eine ukrainische Militäreinheit Videos, die Frauen und Kinder zeigen sollen, die sich in unterirdischen Tunneln des riesigen Stahlwerks in Mariupol verstecken. Sollten die Bilder echt sein, dann zeigen sie eine weitere humanitäre Katastrophe in diesem Krieg.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj harren rund 1.000 Zivilisten mit rund 2.000 ukrainischen Soldaten im Azowstal-Stahlwerk in Mariupol aus. Hunderte seien verletzt. Die Soldaten und Zivilisten haben dort kaum Zugang zu Wasser oder Nahrung. Einige hätten dort nach eigenen Angaben bereits Ende Februar, zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, Zuflucht gesucht – und seitdem kein Tageslicht mehr gesehen.

Videos zeigen Kinder und Frauen in Bunkern

Am Samstag und Sonntag veröffentlichte das sogenannte Azow-Regiment der ukrainischen Nationalgarde Videos, auf dem dutzende Frauen und Kinder in den Kellern der Anlage zu sehen waren. Die Echtheit der Aufnahmen konnte nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Stahlwerk in Mariupol hat unterirdische Tunnel

In dem ersten Video, das am Samstag veröffentlicht wurde, berichten Kinder, denen die Kämpfer offenbar Süßigkeiten und etwas Essen mitgebracht haben, dass sie ihre Verwandten und Freunde vermissen. „Ich möchte rausgehen. Ich möchte wieder die Sonne sehen“, sagt ein Mädchen. Auch ein anderes Mädchen hat diesen Wunsch: „Ich will raus … um in Sicherheit zu sein. Ich will nicht riskieren, herauszukommen, nur um zum Beispiel von Bombensplittern getroffen zu werden“, erklärt sie.

23/04/2022 #Azovstal bomb shelter update All 5 parts in thread below This is the price #Ukraine pays for the "we don't want to escalate things with #russia" approach by #Germany etc Passiveness is not free, we pay for it in lives #ArmUkraineNow #StandWithUkraine️ #Mariupol https://t.co/4F2IANmogT

Ein Mädchen in dem Video sagt, sie und ihre Verwandten hätten ihr Zuhause am 27. Februar verlassen. Seitdem hätten sie „weder den Himmel noch die Sonne“ gesehen.

Einige von ihnen müssten es dort schon seit zwei Monaten aushalten und sehnten sich danach, die Sonne zu erblicken. „Wir wollen einen friedlichen Himmel sehen, wir wollen frische Luft atmen“, sagt eine Frau in dem Video.

Sie haben einfach keine Ahnung, was es für uns bedeutet, einfach zu essen, und etwas gesüßten Tee zu trinken. Für uns ist das schon Glück.

Zivilisten im Stahlwerk in Mariupol flehen um Hilfe

In dem Video vom Sonntag flehen die eingeschlossenen Menschen die Weltgemeinschaft um Hilfe an. In den Aufnahmen ist auch zu sehen, wie die Kinder dort Geschenke zum orthodoxen Osterfest bekommen.

„Wir wollen in unserer Stadt leben, in unserem Land. Wir haben diese Bombardierungen, die andauernden Luftangriffe auf unser Land satt. Wie lange wird das noch so weitergehen?“, sagt eine Frau unter Tränen. „Ich bitte alle, bitte helft, uns zu befreien.“

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte letzte Woche angeordnet, das Stahlwerk weiter zu belagern. So engmaschig, dass „keine Fliege mehr heraus kann“. Dadurch sollten die Menschen offenbar ausgehungert und zur Kapitulation bewegt werden.

„Grauenvolle“ Lage in Stahlwerk Azovstal

Ein Berater des Bürgermeisters von Mariupol beschrieb die Lage als „grauenvoll“. Die bis zu 2.000 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, seien dort ohne „normale“ Versorgung mit Trinkwasser, Essen und frischer Luft. 

Sonntag wieder schwere Angriffe auf das Stahlwerk in Mariupol

Hoffnung auf Flucht gibt es nicht: Russland setzt nach ukrainischen Angaben seine Angriffe auf das belagerte Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol fort. Das Werk von Azowstal liege unter kontinuierlichem Beschuss, erklärt Präsidentenberater Mychajlo Podoljak auf Twitter am Sonntag. Es werde mit schweren Bomben aus der Luft und Artillerie angegriffen.

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