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AUTOR/IN
Laura Bisch (Foto: SWR3)

Besonders zwei Stunden nach Sonnenuntergang ist die Lichterreihe am Himmel über Berlin, Süddeutschland, Nordhessen und dem Rhein-Gebiet zu sehen. Es handelt sich um Satelliten des US-Unternehmens Starlink. Dahinter steckt Tesla-Gründer Elon Musk – mit einem ganz bestimmten Ziel.

Dieses Bild bietet sich vielerorts am Nachthimmel: Eine Lichterreihe, die sich über den Himmel bewegt.

Just saw, for the first time, a train of @SpaceX #Starlink satellites 🛰 crosses in orbit above Amsterdam. It was a bit surreal to see them pass by It looked like this, which is not my video https://t.co/Yrp2zmeXmN

Das Ziel: Die Erde aus dem Weltall mit Internet zu versorgen – und das auch an abgelegenen Orten. Die Idee klingt innovativ, tatsächlich gibt es sie aber schon rund 15 Jahre. Sie war aber nie ein Erfolg.

Was war bisher das Problem?

Der Grund: Latenz, also die Signallaufzeit. Gemeint ist damit die Zeit, die ein Signal für den Austausch zwischen Erde und Satellit benötigt. Sie wäre bei bisherigen Modellen immer zu langsam gewesen. Bei Starlink ist das aber genau anders, sagt Lauren Lions, die als Ingenieurin für das US-Unternehmen arbeitet.

Das Starlink-System ist eine Konstellation aus ganz vielen Satelliten, die die Erde in einer viel niedrigeren Umlaufbahn, nämlich in 550 Kilometern Höhe, umkreisen und den gesamten Globus abdecken.

 Lauren Lions, Ingenieurin bei Starlink

Bisherige Satelliten umkreisten die Erde dagegen in einer Entfernung von mehr als 35.000 Kilometern. Das Problem dadurch: Internettelefonie oder Online-Spiele funktionieren damit nicht, weil das Signal zu lange unterwegs war. Weil die Starlink-Satelliten in einer niedrigeren Umlaufbahn kreisen, ist die Latenzzeit dabei viel geringer. Damit sind dann zum Beispiel auch Online-Spiele möglich.

Was ist der Ansatz von Starlink?

Erreicht werden kann das, weil das Starlink-System – im Gegensatz zu früheren Ansätzen – aus einem ganzen Schwarm von Satelliten besteht. Und es sollen noch mehr werden: Bis zum Jahresende sollen in einer ersten Ausbaustufe mehr als 1.500 auf eine erdnahe Umlaufbahn geschossen werden. Alle zwei Wochen werden zurzeit rund 60 Satelliten im Weltall ausgesetzt. In ein paar Jahren sollen es um die 12.000 sein. Vorteil: hohe Übertragungsraten mit bis zu einem Gigabit und Latenzzeiten von zwei Millisekunden. Untereinander kommunizieren die Satelliten mit Laserstrahlen.

Hat das System Potential?

Experten sagen: ja. Das Geschäftsmodell könnte sogar zu einer ernsthaften Konkurrenz für Glasfaseranschlüsse auf der Erde werden. Es gibt aber noch zwei andere Firmen, die an ähnlichen Systemen arbeiten: One Web in London und der Amazon-Konzern von Jeff Besos.

Die Zukunft von One Web ist allerdings ungewiss. Das Unternehmen hat vor ein paar Tagen Insolvenz angemeldet.

Astronomen sind nicht begeistert

Es gibt aber auch Kritik an Projekten dieser Art: Astronomen befürchten, dass durch die Tausenden neuen Satelliten ihre Forschungsarbeit behindert wird, weil sie die Sicht auf andere Sterne beeinträchtigen. Das sagt der Schweizer Physiknobelpreisträger Didier Queloz:

Jeder kann heute Dinge ins Weltall schießen. Das ist außer Kontrolle geraten. Mittlerweile ist es zu einer Bedrohung geworden, weil nicht ein paar Hundert Satelliten ins All geschossen werden, sondern gleich Tausende. Für uns Astronomen bedeutet das, bei Einbruch der Nacht sind die Satelliten zu sehen, weil sie das Sonnenlicht reflektieren.

Didier Queloz, Physiknobelpreisträger

Starlink hat mittlerweile versprochen, weniger stark reflektierende Außenhüllen auf seinen Satelliten anzubringen. In ein paar Wochen könnten sie dann also nicht mehr so prägnant am Abendhimmel zu sehen sein, wie jetzt noch.

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Laura Bisch (Foto: SWR3)

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