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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Ben Bacon ist Möbelrestaurator in London und wollte einfach wissen, was die Punkte, Striche und „Y“-Zeichen bedeuten. Britische Wissenschaftler sagen, sie seien verdammt froh darüber.

Höhlenzeichnungen, die Wildtiere und jagende Menschen zeigen, haben bereits den Malerfürsten Pablo Picasso fasziniert: Er hielt sie für Beispiele hoher Malkunst. Für Archäologen gilt das natürlich erst recht. Und lange war da die Frage: Wieso stehen neben den Zeichnungen oft kleine Striche oder Punkte oder „Y“-Zeichen?

A London furniture conservator has been credited with a crucial discovery that has helped understand why Ice Age hunter-gatherers drew cave paintings. Ben Bacon analysed 20,000-year-old markings, concluding they could refer to a lunar calendar. 📲 https://t.co/LR7KbEhO6G https://t.co/Sqo1dPIc3L

Bacon war klar: Diese Striche sind keine Verzierung, sondern eine Information

Den Londoner Möbel-Restaurator Ben Bacon, ein Amateur-Archäologe, hat diese Frage nicht mehr losgelassen, wie die britische BBC berichtet. Von Anfang an vermutete er: Das ist eine Art Proto-Schrift – also eine mögliche Vorform späterer Schriftzeichen. Jedenfalls Zeichen, die nicht zur Zierde da sind, sondern irgendwelche Informationen weitergeben sollen. Nur welche?

Jetzt ist Bacon sicher, dass er das Rätsel gelöst hat – allerdings nicht nur er: Auch zwei Wissenschaftler der Durham University sowie ein weiterer des University College London sind davon überzeugt. Paul Pettitt, Professor an der Durham University, hat der BBC gesagt: „Ich bin froh, dass er das ernst genommen hat!“

Höhlen-Zeichen geben an, wann Tiere am besten gejagt werden können

Bacons wurde schon früh klar, dass die Zeichen praktisch nur mit der Jagd zu tun haben können. Sein Ergebnis: Die „Y“-Zeichen – man könnten auch sagen: ein Strich, der aus zwei anderen Strichen hervorgeht – stünden für die Geburtssaison einzelner Tiertarten.

Die Anzahl von Punkten und Strichen bezeichnete dagegen deren Paarungszeit – gemessen an den leicht beobachtbaren Mondphasen.

Späteren Jägern und Höhlenbewohnern sollte so die lebenswichtige Information zukommen, wann man in dem betreffenden Gebiet welche Tiere am besten jagen kann.

Zahllose Stunden in Bibliotheken

Um das herauszufinden und abzugleichen, hat Bacon zahllose Stunden in Londoner Bibliotheken verbracht: Gemeinsam mit den Wissenschaftlern arbeitete er die Geburtszyklen der Tierarten heraus und brachte sie mit den Zeichen in Einklang. Das Ergebnis ist eine kleine Sensation.

Denn: Die Entwicklung „echter“ Schriften beginnt etwa 2.700 vor Christus in Mesopotamien. Die Zeichen in den Höhlen – auch wenn sie noch keine Schrift darstellen – sind allerdings viel älter und zeigen möglicherweise die Anfänge der schriftlichen Information überhaupt.

Die Zeichen in der berühmten Höhle von Lascaux in Frankreich beispielsweise werden auf etwa 15-17.000 Jahre geschätzt. Sie könnten aber auch noch viel älter sein. Andere sollen etwa 10.000 Jahre alt sein.

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