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Strom- und Gaskunden, die ihren Anbieter häufig wechseln, könnten schon bald systematisch davon abgehalten werden. Offenbar sollen Kundendaten branchenweit ausgetauscht werden, um Wechsler zu identifizieren.

Nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung (SZ) haben die Schufa und die Münchner Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel Datenbanken entwickelt. Darin sollen offenbar branchenweit Vertragsdaten von Kunden gespeichert werden.

Strom (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa-tmn)

Nachrichten Datenbanken gegen Wechselkunden

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Bisher sind nur säumige Kunden erfasst

Verbraucher- und Datenschützer fürchten, dass Energieversorger mit ihrer Hilfe wechselfreudige Verbraucher identifizieren und ablehnen könnten. Anfang November wollen sich die Datenschutzbehörden bundesweit zu diesem Thema abstimmen.

Bisher dürfen nur Daten von Kunden, die ihre Rechnungen nicht zahlen oder die betrügen, branchenweit ausgetauscht werden. Die neuen Datenbanken sollen dagegen auch Daten vertragstreuer Kunden enthalten.

Anbieter könnten Kunden ablehnen

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale sieht die Entwicklung mit Sorge. Wenn Strom- und Gasunternehmen durch Datenbanken künftig sehen könnten, dass Kunden schon häufiger gewechselt haben, könnten sie diese dann entweder systematisch ablehnen oder ihnen attraktive Konditionen vorenthalten, befürchtet Verbraucherschützerin Barbara Saerbeck.

Auch Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink hält ein solches Register im SWR3-Interview für problematisch:

Brink (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Nachrichten BW-Datenschutzbeauftragter Brink

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Schufa bestreitet Vorwürfe

Die größte deutsche Wirtschaftsauskunftei, die Schufa, hat den Recherchen zufolge eine Datenbank namens „Schufa-E-Pool“ konzipiert, die laut einer Werbebroschüre unter anderem „wertvolle Hinweise“ zur Laufzeit des bestehenden Energievertrags enthalten solle.

Schufa-Sprecher Ingo A. Koch betonte jedoch, der „Schufa-E-Pool“ sei bislang nicht „marktfähig“. Ohnehin sei „die Idee hinter dem E-Pool nicht das Verhindern eines Wechsels“, so Koch. Es werde in der Datenbank „nach gegenwärtigem Entwicklungsstand lediglich die faktische und zeitliche Existenz des aktuellen Energiekontos gespeichert“.

Wie lange ein Verbraucher bei seinem letzten Versorger gewesen sei, sage nichts darüber aus, wie lange er bei seinem neuen Versorger bleibe oder ob er gar ein „Vielwechsler“ sei, so Koch. Mit solchen Informationen seien Energieversorger in der Lage, Kunden genauer zu bewerten und auch solche als Vertragspartner anzunehmen, die sie sonst vielleicht nicht annehmen würden.

Datenschutzbehörde prüft CRIF Bürgel

Auch die Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel hat nach Informationen von NDR und SZ einen Pool für Energieversorger entwickelt, dessen Konzept derzeit von der zuständigen bayerischen Datenschutzbehörde geprüft wird.

Das Unternehmen wollte sich auf Nachfrage nicht zu Details äußern. Ein Sprecher erklärte lediglich, dass man "generell keine Auskunft über mögliche zukünftige Projekte" gebe. Im November wollen die zuständigen Behörden beraten, wie es mit diesen Datenbanken weitergehen soll.

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