STAND
AUTOR/IN
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)

Es klingt einfach und gut: Wir pflanzen Bäume und tun somit etwas gegen den Klimawandel. Doch laut einer neue Studie könnte das Aufforsten weniger bringen als erhofft – das sind die Gründe.

Durch Bäume pflanzen das Klima retten – die Idee ist nicht neu und wird bei der Frage, wie der Klimawandel abgebremst werden kann, von Politik und Wirtschaft regelmäßig aufgegriffen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fand das sogar so gut, dass er ankündigte, gleich 30 Millionen Bäume in den kommenden Jahren in seinem Bundesland pflanzen zu wollen.

Bayerisches Wald-Konzept: Der #Wald ist unser großes Erbe. Wir leisten einen Beitrag zum #Klimaschutz. Bay Staatsforsten werden 30 Mio neue Bäume in fünf Jahren pflanzen. Wir stärken den Wald als Klima-Speicher.

Noch weiter geht das Weltwirtschaftsforum und will mit der Kampagne 1t.org bis 2030 eine Billion Bäume erhalten, großziehen und pflanzen. Und auch bei der Klimakompensation, wie man sie beispielsweise beim Kauf von Flugtickets kennt, spielt die Aufforstung eine wichtige Rolle.

Treibhausgas CO2 ist wie Dünger für die Pflanzen

Die Theorie, warum mehr Bäume gegen den Klimawandel helfen sollen, ist einleuchtend: Bei der Photosynthese verwandeln Pflanzen CO2 aus der Luft, mit Hilfe von Sonnenlicht, in energiereiche Biomoleküle. Sie binden also einen Teil der menschengemachten CO2-Emissionen. Die Photosynthese wird verstärkt, wenn mehr CO2 in der Luft ist. Durch diesen Düngeeffekt kann der Klimawandel gebremst werden.

Internationale Studie bremst Hoffnungen auf Klimarettung durch Aufforstung

Der Düngeeffekt geht allerdings bereits zurück – zu diesem Ergebnis kommt die Universität Augsburg in einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde. In den vergangenen vier Jahrzehnten habe ein internationales Team einen Rückgang um etwa 30 Prozent dieses Düngeeffekts beobachtet. Warum das so ist, ist laut den Forschern schwer zu erfassen, sie haben aber ein paar Vermutungen.

Verhältnis zwischen CO2, Wasser und Nährstoffen nicht ausgewogen

Die CO2-Konzentration nehme zwar zu, aber nicht Wasser und Nährstoffe. Vermutlich könnten die Pflanzen die hohe Konzentration des Gases deshalb nicht für sich nutzen. Die Forscher*innen stellten fest, dass die Nährstoffkonzentration in den Blättern der Pflanzen seit den 1990er-Jahren parallel zum CO2-Düngeeffekt abgenommen habe.

Pflanzen brauchen ein ausgewogenes Verhältnis von CO2, Wasser und anderen wichtigen Nährstoffen, um zu wachsen. Wenn die Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen nicht parallel zum Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentrationen zunimmt, können Pflanzen die erhöhte Verfügbarkeit dieses Gases nicht nutzen.

Daniel Goll, Augsburger Geograph und Co-Autor der Studie

In der Pressemitteilung der Uni Augsburg heißt es weiter: „Auch für die Hypothese der Wasserknappheit findet die Studie Hinweise und zeigt für bestimmte Regionen einen parallelen Trend: Die Photosynthese wird empfindlicher gegenüber der Wasserverfügbarkeit und der CO2-Düngeeffekt schwächt sich ab.“

Was bedeutet das jetzt für Klimaschutz-Maßnahmen?

Der Rückgang des CO2-Düngeeffekts könnte auch Folgen für die Wirkung einiger Klimaschutzstrategien haben. Dazu zählt das Aufforsten von Wäldern, erklärt einer der Leitautoren der Studie, Yongguang Zhang von der Universität Nanjing in China.

Dieser Rückgang könnte eine sich abzeichnende Sättigung der Kohlenstoffaufnahme in der Vegetation bedeuten, die auch wichtige Auswirkungen auf die Potenziale landgestützter Minderungsstrategien (z.B. das Aufforsten von Wäldern) hat“

Yongguang Zhang, Universität Nanjing, China und einer der Leitautoren der Studie

Gesellschaft braucht andere Strategien zur Reduzierung von Treibhausgaben

Alleine auf Aufforstung zu setzen, um so den Klimawandel zu bekämpfen, reicht laut den Autoren der Studie also nicht. „Diese wichtigen neuen Ergebnisse müssen auch in der Abschätzung des verbleibenden Budgets der Kohlenstoffemmissionen, das eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1.5 bzw. 2.0 Grad Celisius ermöglicht, berücksichtigt werden“, erklärt Wolfgang Buermann von der Uni Augsburg. Die Forscher*innen fordern deshalb, dass die Gesellschaft noch mehr auf andere Strategien setzen, um die Emissionen der Treibhausgase zu reduzieren.

STAND
AUTOR/IN
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)

Meistgelesen

  1. Best-of aus 250 Folgen Die größten Hits und ihre Geschichte feiern Jubiläum!

    Wir feiern heute die 250. Folge des Podcasts „Die größten Hits und ihre Geschichte“! Deshalb haben wir die beliebtesten und dazu noch einen ganzen Schwung neue Folgen im Gepäck.  mehr...

  2. Aktionen zum Tag der Pflegenden „Walk of Care“, „Rote Karte für Spahn“ und „Der Pflege geht die Luft aus“

    Ohne sie geht nichts. Doch vor Corona wurden sie weitläufig als selbstverständlich hingenommen: Pflegerinnen und Pfleger. Damit das nach der Pandemie nicht wieder so wird, haben sie zum Tag der Pflegenden auf sich aufmerksam gemacht. Mal wieder.  mehr...

  3. Stuttgart

    In Baden-Württemberg Der Hundeführerschein kommt bald: Das solltest du jetzt wissen

    Wer in Baden-Württemberg einen Hund hat, der soll künftig nachweisen, dass er auch richtig mit dem Tier umgehen kann. Was bedeutet das konkret?  mehr...

  4. Deutschland

    Überblick Deutschland Das sind die aktuellen, bundesweit gültigen Corona-Regeln

    Die von Bundeskanzlerin Merkel vorgeschlagene Osterruhe gab es nicht. Weil die Corona-Infektionszahlen weiter ansteigen, gelten aber nach wie vor einige Beschränkungen.  mehr...

  5. SWR3 Youtube-Format Kinder reagieren auf Haftbefehl

    Wie finden die Kids die Musik von Haftbefehl und warum heißt der so? Was bedeutet eigentlich „Chabos wissen, wer der Babo ist“ und warum ist es wichtig Fremdsprachen zu können? Antworten auf die Fragen und mehr gibt es im Video.  mehr...

  6. News-Ticker zum Coronavirus RKI: Indische Variante verbreitet sich auch in Deutschland

    Wegen der hohen Infektionszahlen gibt es in Deutschland zurzeit strengere Regeln und Beschränkungen im öffentlichen Leben. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Corona-Ticker.  mehr...