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US-Präsident Donald Trump und sein brasilianischer Amtskollege Bolsonaro feiern Hydroxychloroquin und Chloroquin als wirksame Mittel gegen das Coronavirus. Doch eine Studie zeigt: Das Gegenteil könnte der Fall sein.

Covid-19-Patienten, die mit den Malariamitteln Hydroxychloroquin und Chloroquin behandelt werden, haben offenbar eine höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben. Das geht aus einer Studie hervor, bei der Daten von 96.000 Patienten verglichen wurden.

„Hydroxychloroquin und Chloroquin zeigen keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten“, erklärte Studienautor Mandeep Mehra vom Brigham and Women's Hospital der Harvard Medical School in Boston am Freitag. Zudem seien bei Patienten, die die Malariamittel bekommen hätten, häufiger Herzrhythmusstörungen aufgetreten.

Studie zeigt: Bessere Überlebenschancen ohne Malariamittel

An der Studie arbeiteten Forscher aus den den USA und der Schweiz. Sie arbeiten an der Harvard Medical School in Boston und im Herzzentrum am Universitätsspital Zürich. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.

Die untersuchten Patienten wurden in der Studie nach vier Kriterien unterschieden: Ein Gruppe bekam Hydroxychloroquin, eine andere Gruppe wurde mit Chloroquin behandelt, eine weitere mit einem der beiden Mittel und zusätzlich mit Antibiotika. Eine vierte Gruppe bekam keines der Medikamente.

Patienten mit Herzerkrankungen offenbar besonders gefährdet

Das Ergebnis: Die Gruppe ohne Malariamittel und Antibiotika hat eine Sterberate von 9 Prozent, bei Hydroxychloroqin-Patienten liegt die Sterberate bei 18 Prozent, bei Chloroquin-Patienten bei 16,4 Prozent. Wurden die Mittel mit Antibiotika kombiniert, lag die Sterberate bei 22,8 beziehungsweise 23,8 Prozent – je nachdem, welches Malariamittel verwendet wurde.

Frank Ruschitzka ist Leiter der Kardiologie am Universitätsspital Zürich und einer der Studienautoren. Er warnt: „Insbesondere bei Covid-19-Patienten mit Herzerkrankungen beobachteten wir schwere Nebenwirkungen, vor allem lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen“

Trump, Brasilien und Großbritannien setzen auf Hydroxychloroquin

Die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin bei Covid-19-Patienten ist bereits seit längerem umstritten. Dennoch erklärte US-Präsident Donald Trump kürzlich, er nehme Hydroxychloroquin vorbeugend ein. Und das, obwohl US-Gesundheitsbehörden explizit davon abraten. Die brasilianische Regierung empfiehlt beide Mittel zur Behandlung von leichten und mittelschweren Covid-19-Fällen. Großbritannien hat bereits Hydroxychloroquin im Wert von 35 Millionen Pfund bestellt.

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