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Umgestürzte Bäume, blockierte Straßen und Gleise, viele Notrufe bei der Polizei: Der erste große Herbststurm hat auch bei uns Vollgas gegeben. Wir haben für euch den Tag zusammengefasst.

In Rheinland-Pfalz galt Alarmstufe Rot wegen heftiger Orkanböen. In Nordrhein-Westfalen war der Fernverkehr der Bahn zeitweise komplett eingestellt – mit Auswirkungen auch auf die umliegenden Länder. Auch in Baden-Württemberg gab es zahlreiche Unfälle und der Sturm hat Bahnstrecken sowie Stromleitungen beschädigt.

In Trier wurde eine Frau schwer verletzt, als sie mit ihrem Auto an einen Baum fuhr. In Elend im Harz traf ein umstürzender Baum einen 59-jährigen Mann in seinem Auto. Auch er wurde schwer verletzt.

Die L165 bei Börfink im Hunsrück: Ein Feuerwehrmann zersägt einen umgestürzten Baum. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Harald Tittel)
Die L165 bei Börfink im Hunsrück: Ein Feuerwehrmann zersägt einen umgestürzten Baum. picture alliance/dpa | Harald Tittel Bild in Detailansicht öffnen
A61: Die Rheinbrücke bei Speyer war wegen dieses querstehenden Lastwagens gesperrt. Die Polizei vermutet, dass die anhaltenden Sturmböen den Anhänger eines Lastwagens erfassten und umstürzen ließen. picture alliance/dpa/Pr-Video | Rene Priebe Bild in Detailansicht öffnen
Zweige und Blätter liegen auf einer Straße in der Hunsrückstadt Morbach. picture alliance/dpa | Harald Tittel Bild in Detailansicht öffnen
An einem Tag wie heute fast schon harmlos – aber nur fast: Dieser Anblick hat sich SWR3-Redakteurin Sara Talmon am Morgen in Karlsruhe geboten. Sara Talmon Bild in Detailansicht öffnen
Ludwigsburg: Auch in Baden-Württemberg tobte der Herbststurm – hier ist ein Gerüst auf ein Gebäude gestürzt. picture alliance/dpa/KS-Images.de | Andreas Rometsch Bild in Detailansicht öffnen
Auch im bayerischen Würzburg ließ der Sturm ein Gerüst umstürzen. picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand Bild in Detailansicht öffnen
Frankfurt (Oder): Auf einem Parkplatz sieht es aus wie im Dschungel. IMAGO / Winfried Mausolf Bild in Detailansicht öffnen
In Berlin kracht ein Baum auf ein geparktes Auto. Die Berliner Feuerwehr muss mit schwerem Gerät anrücken. IMAGO / Future Image Bild in Detailansicht öffnen
Der Sturm hat ein Rotorblatt einer Windkraftanlage im Rhein-Hunsrück-Kreis abgerissen. picture alliance/dpa | Sebastian Schmitt Bild in Detailansicht öffnen

SWR Extra gab einen Überblick zu den Schäden, die der Sturm in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hinterließ.

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Mann in Malsch durch umstürzenden Baum lebensgefährlich verletzt

In Malsch (Kreis Karlsruhe) ist ein Baum wegen des Sturmes abgebrochen und auf einen 64-jährigen Mann gestürzt. Ein Spaziergänger hörte die Hilferufe des Mannes und rief Polizei und Krankenwagen. Der 64-Jährige kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus.

Bei einem durch den Sturm ausgelösten Unfall ist eine Autofahrerin in Nümbrecht im Oberbergischen Kreis schwer verletzt worden. Laut der Polizei war die 36-Jährige auf der Landstraße unterwegs, als der Baum auf das Dach ihres Autos kippte. Sie verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich.

Mehrere Menschen wurden durch umgestürzte Bäume in ihren Autos eingeklemmt. Sonst gab es zahlreiche Leichtverletzte. Gestorben ist nach derzeitigem Kenntnisstand niemand.

Allerdings gingen praktisch im Minutentakt Meldungen zu Unfällen, umgestürzten Bäumen oder anderen Gefahrenstellen bei der Polizei ein. Kurz gesagt: Auf vielen Straßen, Autobahnen und Bahnlinien herrschte Chaos. Wo es schon wieder läuft und wo nicht, erfahrt ihr hier.

Wirbelsturm hinterlässt „Schneise der Verwüstung“ bei Kiel

In Schwentinental bei Kiel richtete ein Wirbelsturm schwere Schäden an. Der Sturm habe im Ort eine „Schneise der Verwüstung“ auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen, so der Einsatzleiter der Feuerwehr.

Ob der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Sturm als Tornado einstuft, werde geprüft, wenn Meldungen dazu eingegangen seien, sagte ein Sprecher. Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es nach Angaben der Feuerwehr nicht.

Viele Sturmwarnungen bei der Deutschen Bahn

In Nordrhein-Westfalen ist der Fernverkehr komplett eingestellt“, hatte die Deutsche Bahn am Morgen mitteilen müssen. Besonders betroffen waren aber auch das Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Teile Sachsens.

Erst ab dem Mittag rollten auf den wichtigen Strecken von Berlin oder Hamburg wieder erste Schnellzüge. Andere Verbindungen etwa über Wuppertal oder zwischen Köln und Düsseldorf blieben zunächst unterbrochen. Der Sturm tobte darüber hinaus auch in Frankreich, den Niederlanden, Tschechien und Großbritannien.

Sturm wehte Laster auf A61 um: Rheinbrücke bei Speyer zeitweise gesperrt

Rheinland-Pfalz war besonders heftig betroffen. Den ersten Schreck gab es gleich am frühen Morgen: Auf der Rheinbrücke bei Speyer standen wegen des Windes mehrere Laster quer auf der Autobahn (siehe Bildergalerie). Der Anhänger eines Lasters war am Morgen umgekippt, die nachfolgenden Lastwagen mussten bremsen und standen danach auch quer auf der Straße. Die Brücke war zeitweise gesperrt.

Noch am Mittag war die Bahnstrecke zwischen Ludwigshafen und Mainz blockiert – ebenso wie die Verbindung zwischen Frankenthal und dem Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Umgestürzte Bäume behinderten zudem den S-Bahn-Verkehr zwischen Ludwigshafen und Homburg.

Stromausfälle in Rheinland-Pfalz

In der Vorder- und Südpfalz fiel außerdem in einigen Orten der Strom aus. Nach Auskunft der Pfalzwerke war die Energieversorgung unter anderem in Elmstein, Frankeneck, Rheinzabern und Vorderweidenthal unterbrochen.

In Rheinhessen machte sich der Sturm ebenfalls bemerkbar. So mussten die Bahnstrecke Alzey-Worms und ein Teil der A61 bei Worms wegen umgefallener Bäume gesperrt werden. Der Autobahnabschnitt ist mittlerweile wieder befahrbar. Als Vorsichtsmaßnahme senkte die Polizei zudem die erlaubte Geschwindigkeit auf der Autobahnbrücke Weinheim bei Alzey von 130 auf 60 Kilometer pro Stunde. Damit solle verhindert werden, dass Autos wie in der Vergangenheit umgeweht werden könnten, hieß es.

Sturmschäden: Mehr als 100 Einsätze in der Region Trier

In der Region Trier mussten Polizei und Feuerwehr in der Nacht auf Donnerstag mehr als 100 Mal ausrücken. Eine Frau wurde leicht verletzt, als sie bei Speicher mit ihrem Wagen in einen umgestürzten Baum fuhr. Der Sturm hat in der Nacht eine Schneise von Bitburg über Trier und Saarburg bis Hermeskeil geschlagen, berichtet Eva Britz aus dem SWR Studio Trier.

Die Polizei meldete vor allem umgestürzte Bäume, abgerissene Äste und weggewehte Straßenschilder. An der Römerbrücke in Trier sei die Baustellenbeschilderung weggeflogen, sodass viele Autofahrer meinten, die Brücke sei befahrbar. Das habe zu Wendechaos geführt.

Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz bei den Windgeschwindigkeiten war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) Trier:

Erstes Fazit von Sturmtief #Hendrik: Viele schwere Sturmböen und einige orkanartige Böen, vor allem in einem breiten Streifen vom Saarland über die Mitte in den Osten. Die Grafik zeigt eine kleine Auswahl der stärksten Böen. /V https://t.co/Atv5i8KcCn

In Trassem seien wegen des Sturms Dachziegel herabgestürzt. Ein Anhänger wurde laut Polizei in Wellen vom Wind weggeweht, er durchbrach einen Metallzaun und hing über einer Stützmauer. Auch in der Nähe von Zemmer und bei Hattgenstein im Kreis Birkenfeld fuhren Autos in umgestürzte Bäume. Es blieb beim Sachschaden.

Auf Baden-Württemberg ging es heftig nieder

In Baden-Württemberg ließ der Sturm Bäume umknicken, Blumenschalen durch die Gegend fliegen und Menschen mit ihren Regenschirmen kämpfen. Auf dem Feldberg gab es in der Nacht Orkanböen mit 176 km/h.

Bei Hinterzarten in der Region Höllental mussten 80 Personen aus einem Zug evakuiert werden – dazu mussten die Feuerwehren erst Wege zu den Gleisen schneiden. Die Dreiseenbahn zwischen Titisee und Seebrugg und die Höllentalbahn zwischen Hinterzarten und Himmelreich (alle Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) sind wegen des Sturms bis auf Weiteres gesperrt. 

Müssen wir in den kommenden Tagen in Baden-Württemberg noch mit Wind rechnen? SWR Wetterexperte Sven Plöger schätzt die Wetterlage für euch ein:

Video herunterladen (6,7 MB | MP4)

Hier könnt ihr lesen, wie sich verschiedene Windstärken anfühlen.

„Ignatz“ oder „Hendrik“: Wie heißt der Sturm denn jetzt?

Zeitweise gab es im Laufe des Tages Verwirrung um den Namen des Sturms. Erst hieß er „Ignatz“, dann „Hendrik“. Wie denn nun? Das ist die kuriose Geschichte dahinter: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt, dass das erste Sturmtief des Herbstes „Hendrik“ heißt. Aber: Neben „Hendrik“ war auch Tief „Ignatz“ wetterbestimmend, zumindest bis Mittwoch, so der DWD. Nachts habe sich dann ein Teiltief mit Namen „Hendrik II“ hervorgetan und sei letztlich für den Sturm am Donnerstag verantwortlich gewesen. Der genaue Hergang müsse noch geklärt werden, heißt es beim DWD.

Das war's erst mal: Nach dem Donnerstag wird es ruhiger

Nach dem stürmischen Donnerstag ist jetzt ruhigeres Herbstwetter in Sicht. Am Freitag fegen noch stürmische Böen durch den Norden, auch Schauer und Gewitter sind möglich, während sich das Wetter ansonsten beruhigt, wie der DWD vorhersagt.

Im Süden ist es in einem breiten Streifen vom Schwarzwald bis nach Ostbayern länger sonnig, bei Höchstwerten zwischen 8 und 13 Grad aber kühler als an den Vortagen. An den Küsten und in einigen Hochlagen muss noch mit schweren Sturmböen gerechnet werden.

Der Samstag beginnt mit vielen Wolken, mehr und mehr blitzt aber die Sonne hervor. An den Temperaturen ändert sich zunächst nichts. Am Sonntag ist es mit Höchstwerten zwischen 12 und 17 Grad noch etwas kühler. Sobald sich der Nebel verzieht, ist es sonnig und trocken. Die momentane Wetterprognose findest du auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes.

Aktuelle Unwetterwarnungen und das Wetter rund um eure Region findet ihr hier:

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 28. November, 23:01 Uhr - SWR3 Nachrichten

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