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Björn Widmann (Foto: SWR3)

Dass im Parlament von Taiwan die Fäuste fliegen, ist nichts Seltenes. Jetzt hat die Opposition noch einen draufgesetzt und die Regierung mit Schweinedärmen und anderen Innereien beworfen.

Die Putztruppe im Parlament von Taiwan ist momentan nicht zu beneiden. Sie muss dafür sorgen, dass der schöne rote Teppich im Plenarsaal von Taipeh wieder schön sauber wird. Darin haben sich kiloweise Schweineinnereien verfangen.

Schuld an der Sauerei ist die Oppositionspartei Kuomintang. Einige Abgeordnete der KMT kippten erst Eimer mit Schweineinnereien im Parlament aus. Dann bewarfen sie ihre Kollegen von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) mit Gedärmen, Herzen und anderen Organen.

Protest gegen Einfuhr von US-Fleisch

Hintergrund der widerlichen Attacke: Die KMT wollte damit gegen eine Regierungsentscheidung protestieren, wonach Importe von US-Schweinefleisch in Zukunft erlaubt sind. Das passt der KMT überhaupt nicht, da bei der Zucht der Schweine das Hormon Ractopamin eingesetzt wird.

Ractopamin sorgt dafür, dass die Zuchtschweine schneller wachsen. Und das Hormon hat Einfluss auf den Fettgehalt der Tiere – die werden dadurch magerer. Während der Einsatz des Hormons in den USA erlaubt ist, ist der Zusatzstoff zum Beispiel in der EU und in China verboten.

Washington macht Druck wegen Handelsabkommen

Bevor die Regierung dem Import des hormonbehandelten Fleisches zustimmte, gab es Druck aus Washington. Vertreter der US-Regierung hatten damit gedroht, dass Einschränkungen bei US-Exporten von Schweine- und Rindfleisch ein geplantes bilaterales Handelsabkommen gefährden würden. Darauf lenkten Taiwans Präsidentin Tsai Ing-Wen und ihre DPP ein.

US-Fleischimporte sind in Taiwan allerdings sehr umstritten. Vor allem die taiwanesische Fleischindustrie, die die Konkurrenz aus den USA fürchtet, wehrt sich gegen die Pläne der Regierung. Die DPP wies hingegen darauf hin, dass die USA ein wichtiger Handelspartner seien. Vorwürfe, Ractopamin sei gesundheitsschädlich, wies sie zurück.

Immer wieder Schlägereien im Parlament von Taiwan

Im Parlament in Taipeh kommt es immer wieder zu Chaos und Handgreiflichkeiten. Bei der Amtsübernahme von Präsidentin Tsai vor vier Jahren endete der Streit über ihre Reformpolitik und Rentenkürzungen in Schlägereien. Im Sommer musste ein KMT-Abgeordneter nach Auseinandersetzungen im Parlament mit Schnittverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

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Björn Widmann (Foto: SWR3)

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